12. Juli 2013

Alles auf Knopfdruck – aber auch direkte Kontakte

Wohnanlage Argentum wird als besonders innovativ von der EU gefördert / Haus soll zum 1. September fertig sein

Sar­stedt (tw). So rich­tig vor­stel­len kann sich man­cher ange­hen­de Mie­ter noch nicht, was er künf­tig in sei­ner Woh­nung in der Anla­ge „Argen­tum“ an der Hil­des­hei­mer Stra­ße so alles elek­tro­nisch regeln kann. Die­sen Ein­druck hat jeden­falls Kreis­wohn­bau-Pro­ku­rist Ralf Oel­kers, der zur­zeit als Pro­jekt­lei­ter im End­spurt der Arbei­ten viel zu koor­di­nie­ren hat. Was die Kreis­wohn­bau zusam­men mit den Johan­ni­tern anbie­tet, ist auch für die bei­den Part­ner Neu­land.

 

Nicht all­täg­lich ist es selbst für die Euro­päi­sche Uni­on: Als „inno­va­ti­ves Woh­nen“ wird das Kon­zept mit 150 000 Euro aus einem EU-För­der­pro­gramm unter­stützt. Davon flie­ßen 40 000 Euro in klei­ne Tablet-Com­pu­ter, die als Steue­rungs­in­stru­ment zu jeder Woh­nung gehö­ren. Mit dem größ­ten Teil der Zuschüs­se finan­zie­ren Kreis­wohn­bau und Johan­ni­ter aller­dings eine inten­si­ve Beglei­tung der künf­ti­gen Mie­ter, um ihnen Hemm­schwel­len vor dem abzu­bau­en, was ihnen hel­fen soll – aber viel­leicht erst mal fremd oder kom­pli­ziert erscheint.

 

Nadi­ne Abmei­er steht jetzt schon regel­mä­ßig als Ansprech­part­ne­rin für die Mie­ter der 25 Woh­nun­gen bereit, lang­fris­tig soll sie etwa fünf Stun­den pro Woche in der Wohn­an­la­ge anwe­send sein.

 

Mit dem Tablet-PC kön­nen die Mie­ter Hei­zung oder Jalou­si­en regeln, Medi­ka­men­te bestel­len oder für die Nacht eine Flur­be­leuch­tung mit gedimm­tem Licht ein­schal­ten – alles mög­lichst ein­fach, mit Hil­fe von Sym­bo­len auf den Tas­ten.

 

Die klei­nen Com­pu­ter sol­len auch die Kom­mu­ni­ka­ti­on der Mie­ter unter­ein­an­der för­dern. „Als eine Art haus­in­ter­nes Face­book“, erläu­tert Kreis­wohn­bau-Spre­cher Mila­no Wer­ner.

 

Denn Argen­tum soll nicht nur Bar­rie­re­frei­heit und Hil­fen im All­tag bie­ten. „Sozia­le Kon­tak­te sind genau­so wich­tig“, betont Kreis­wohn­bau-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann, „sie feh­len heut­zu­ta­ge vie­len älte­ren Men­schen.“ In der Wohn­an­la­ge kön­nen sich die Mie­ter künf­tig auch in einem Gemein­schafts­raum begeg­nen, der unter ande­rem mit einer Küchen­zei­le für gemein­sa­mes Kochen und einem Kamin aus­ge­stat­tet wird. Den Raum kann jeder Mie­ter außer­dem zwei­mal im Jahr kos­ten­los für eige­ne Fei­ern mit Fami­lie oder Freun­den nut­zen.

 

Die Wohn­an­la­ge soll bis Anfang Sep­tem­ber bezugs­fer­tig sein. Zur­zeit sind meist sie­ben, acht Fir­men gleich­zei­tig im Ein­satz. Die Kreis­wohn­bau inves­tiert 3,7 Mil­lio­nen Euro. Fotos: Wedig

Zum 1. Sep­tem­ber sol­len die ers­ten Bewoh­ner ein­zie­hen. Bis dahin gibt es noch eini­ges zu tun. Fast 20 Gewer­ke kom­men ins­ge­samt bei dem 3,7-Millionen-Euro- Pro­jekt zum Ein­satz. Zur­zeit wir­beln Hand­wer­ker von sie­ben, acht Fir­men gleich­zei­tig, damit alles recht­zei­tig fer­tig wird.

 

Die 25 Woh­nun­gen waren schon rest­los ver­mie­tet, meist an Senio­ren. Da die ers­ten Ver­trä­ge schon etli­che Mona­te vor der Fer­tig­stel­lung abge­schlos­sen wur­den, sind inzwi­schen drei Woh­nun­gen wie­der frei gewor­den und noch zu haben – bei drei Mie­tern haben sich die Lebens­um­stän­de geän­dert, sie haben sich daher wie­der zurück­ge­zo­gen.

 

Beson­ders begehrt waren die Pent­house- Woh­nun­gen im drit­ten Stock – mit Aus­blick über die Stadt und auf der ande­ren Sei­te zum Gie­se­ner Kali­berg.

 

In der Argen­tum-Anla­ge sol­len sich die Bewoh­ner sicher füh­len, auch das gehört zum Kern des Kon­zep­tes. So wur­den Türen und Fens­ter in Zusam­men­ar­beit mit dem Lan­des­kri­mi­nal­amt so gestal­tet, dass Ein­bre­cher es schwer haben dürf­ten. Außer­dem ist jeder Mie­ter per Haus­not­ruf rund um die Uhr mit der Not­ruf-Zen­tra­le der Johan­ni­ter ver­bun­den. Auch die Rauch­mel­der schla­gen im Fall eines Feu­ers nicht nur intern in der Woh­nung Alarm. Die­ser läuft auch extern auf. So kann ein Bewoh­ner noch geret­tet wer­den, wenn der Rauch in der bren­nen­den Woh­nung schon hand­lungs­un­fä­hig gemacht hat. Der Not­ruf gehört zu einem Paket, das jeder Bewoh­ner zusätz­lich zur Mie­te bezahlt.

 

Wei­te­re Dienst­leis­tun­gen, von der Ein­kaufs­hil­fe bis zum Essen auf Rädern, kann er je nach Bedarf buchen.

 

Quel­le: Sar­sted­ter Anzei­ger der Hil­des­hei­mer All­ge­mei­nen Zei­tung, 12. Juli 2013

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