28. Juli 2014

Es wird ernst: Die Grundschule packt ein

Von Zeugnissen, Umzugskartons und einer Schule im Umbruch: Ära Papenbergschule geht zu Ende

Bad Salz­det­furth (uli). Ihre Zeug­nis­se haben sie längst in der Tasche, der Fahr­rad­füh­rer­schein ist bestan­den – eigent­lich könn­ten sich Johan­nes, Lukas, Pau­la und all die ande­ren Viert­kläss­ler ent­spannt zurück­le­gen und auf den Beginn der Feri­en war­ten. Denn streng genom­men geht sie der gan­ze Wir­bel, der seit Wochen in der Grund­schu­le am Papen­berg herrscht, ja auch gar nichts mehr an. Ihre Tage dort sind schließ­lich gezählt. Trotz­dem packen die Mäd­chen und Jun­gen der 4a und 4b flei­ßig mit an: Sie wuch­ten lee­re Kar­tons über den Schul­hof, hel­fen dem Haus­meis­ter beim Befül­len des Alt­pa­pier­con­tai­ners und räu­men ihre Klas­sen­zim­mer auf. Denn ihre Grund­schu­le zieht um. Wenn es Mitt­woch Zeug­nis­se gibt, ist die Ära der Grund­schu­le am Papen­berg im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes been­det. Am 10. Sep­tem­ber star­tet sie neu durch: Als Grund­schu­le Lam­me­tal im sanier­ten Gebäu­de am Müh­len­busch.

 

Wie ein Damo­kles­schwert schwebt das The­ma Umzug seit Jah­ren über der Schu­le. „Ich habe das The­ma prak­tisch geerbt“, sagt Schul­lei­te­rin Anja Büscher. Schon ihre Vor­gän­ge­rin Jut­ta Rei­chardt hat­te sich inten­siv mit der Zukunft der Schu­le aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Wird sie saniert, neu gebaut oder zieht sie in ein ande­res bestehen­des Gebäu­de um? Die Poli­tik ent­schied sich nach unzäh­li­gen Debat­ten und Unter­su­chun­gen für den Umzug. Das Gebäu­de der För­der­schu­le am Sothen­berg soll künf­tig auch das Zuhau­se der Grund­schu­le wer­den (die­se Zei­tung berich­te­te). Jetzt wird es tat­säch­lich ernst.

 

Seit einem Jahr plant Schul­lei­te­rin Anja Büscher Umzug und Neu­start der Schu­le.

Vor rund einem Jahr schon stell­te Anja Büscher die Steue­rungs­grup­pe aus eini­gen Leh­rern und Eltern zusam­men, die seit dem alles rund um den Umzug regelt und klärt: von der Farb­ge­stal­tung der neu­en Klas­sen­zim­mer, über die Schul­weg­pla­nung bis hin zum Umzug an sich. Im Leh­rer­zim­mer hän­gen Plä­ne, die genau fest­le­gen, wer was wann ein­packt, wer wofür zustän­dig ist.

 

Haus­meis­ter Gui­do Erd­mann ver­packt zusam­men mit dem Büche­rei­team Nico­le Rath, Susi Lins und Hen­ning Schmidt Hun­der­te von Büchern.

Auch für Haus­meis­ter Gui­do Erd­mann ist der Umzug ein wah­rer Kraft­akt. 500 Umzugs­kar­tons hat er besorgt und mit Hil­fe eini­ger Schü­ler im Gebäu­de ver­teilt. Ein Groß­teil der Kis­ten steht bereits gepackt zur Abho­lung bereit. Mit Num­mern und bun­ten Punk­ten ist jede ein­zel­ne mar­kiert. „Die Far­ben ste­hen für die jewei­li­ge Eta­ge im neu­en Gebäu­de, die Num­mer für die Räu­me“, erläu­tert Erd­mann. So fin­det hof­fent­lich jede Leh­re­rin auch ihre Sachen nach dem Umzug wie­der.

 

Vor knapp zwei Wochen hat die Packe­rei begon­nen. „Frü­her ging das nicht. Wir brauch­ten die Uten­si­li­en ja noch für den Unter­richt“, erklärt Anja Büscher. Der Com­pu­ter­raum ist zum Bei­spiel erst vor weni­gen Tagen abge­stöp­selt wor­den. Auch in den Klas­sen­zim­mern wird erst seit Kur­zem aus­ge­mis­tet. Denn dort wur­de noch flei­ßig gepaukt, wur­den Refe­ra­te gehal­ten und Arbei­ten geschrie­ben – immer­hin waren die Schü­ler auf der Ziel­ge­ra­den zu den Zeug­nis­sen. Vie­le Kar­tons wer­den von den Leh­rern an den ers­ten bei­den Feri­en­ta­gen gefüllt – wenn die Kin­der raus sind aus dem Gebäu­de, das Schul­le­ben ruht.

 

Zu den ers­ten Packern gehör­te das Büche­rei­team. Lei­te­rin Nico­le Rath, die als Mut­ter eines Dritt­kläss­lers die Schul­bü­che­rei unter ihren Fit­ti­chen hat, ver­pack­te zusam­men mit den Eltern Susi Lins und Hen­ning Schmidt rund 1500 Bücher und Gesell­schafts­spie­le. Und Anfang Sep­tem­ber wer­den sie die in den neu­en Räu­men auch wie­der in die Rega­le stel­len.

 

Zwar wird ein Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men im August alles an den Müh­len­busch ver­frach­ten, was die Schu­le mit­neh­men möch­te. Doch fürs Aus­pa­cken sind dann wie­der Leh­rer, Eltern und sicher auch Schü­ler gefragt. „Bis zum 5. Sep­tem­ber soll alles fer­tig sein“, hat Anja Büscher das Ziel aus­ge­ge­ben.

 

Wenn das Kol­le­gi­um bei den soge­nann­ten Prä­senz­ta­gen am Ende der Feri­en wie­der zusam­men­kommt, soll es nicht mehr um den Umzug, son­dern ums regu­lä­re Schul­le­ben gehen. Das wie­der in ruhi­ge Bah­nen zu len­ken, ist Anja Büscher eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit. Vier Jah­re hat sie die Schu­le gelei­tet, über lan­ge Stre­cken durch eine stür­mi­sche Umbruch­zeit. Im kom­men­den Febru­ar ver­lässt sie die Schu­le – wenn am Sothen­berg wie­der All­tag ein­ge­kehrt ist.

 

Bis dahin ist noch viel zu tun. Doch alles sei im Zeit­plan, freut sich die Che­fin. Ein Akt wer­de sicher­lich noch ein­mal der Abbau der gro­ßen Netz­py­ra­mi­de auf dem Schul­hof. Denn die zieht natür­lich mit um. Eine Fach­fir­ma moder­ni­siert das belieb­te Spiel­ge­rät und mon­tiert es dann auf dem neu­en Schul­hof. Johan­nes, Lukas, Pau­la und all die ande­ren Viert­kläss­ler wer­den aller­dings nicht mehr dar­auf her­um­to­ben. Sie wer­den dann an den wei­ter­füh­ren­den Schu­len ler­nen.

 

Am Mitt­woch, 10. Sep­tem­ber, einen Tag vor Schul­be­ginn, kön­nen die Eltern die fer­ti­gen Unter­richts­räu­me von 9 bis 10.30 Uhr besich­ti­gen. Die Klas­sen­leh­re­rin­nen wer­den vor Ort sein.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 26. Juli 2014

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