25. Juni 2012

Früher altes Eisen, heute Generation Silber

„Argentum“ ist Pilotprojekt von Kreiswohnbau und Johannitern für seniorengerechtes und selbstbestimmtes Wohnen

Sar­stedt (tw). Die Kreis­wohn­bau Hil­des­heim hat ges­tern in Sar­stedt zusam­men mit der Johan­ni­ter-Unfall-Hil­fe den Start­schuss für den Bau einer beson­de­ren Wohn­an­la­ge für Senio­ren gege­ben: „Argen­tum“ ist ein Pilot­pro­jekt. Die Anla­ge an der Hil­des­hei­mer Stra­ße soll mit ihren 25 bar­rie­re­frei­en Woh­nun­gen, vor allem aber mit vie­len Ser­vice­leis­tun­gen neue Maß­stä­be set­zen, wie Klaus Bru­er als Vor­sit­zen­der des Kreis­wohn­bau-Auf­sichts­ra­tes beim sym­bo­li­schen ers­ten Spa­ten­stich erläu­ter­te: „Die Kreis­wohn­bau star­tet mit dem Pro­jekt in eine neue Ära“, sag­te er, „das Mot­to ist geni­al.“

 

Gera­de hat­te eine Stu­die vor­her­ge­sagt, dass in fünf Jah­ren im Land­kreis Hil­des­heim vor­aus­sicht­lich rund 260 Woh­nun­gen feh­len. Dem Neu­bau-Bedarf ste­hen zwei Ent­wick­lun­gen gegen­über, die zu dem Pro­jekt in Sar­stedt führ­ten. Auf die eine wies Bernd Mey­er als Direk­tor des Ver­ban­des der Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­wirt­schaft hin: Der ein­zi­ge Teil der Bevöl­ke­rung, der künf­tig noch wach­sen wird, sei der Anteil der Senio­ren – im Jahr 2030 wird jeder Drit­te in Deutsch­land über 65 Jah­re alt sein. Die ande­re nann­te Kreis­wohn­bau-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann: Sar­stedt sei im Land­kreis Hil­des­heim eine Beson­der­heit – als ein­zi­ge Kom­mu­ne, die in den ver­gan­ge­nen Jah­ren noch gewach­sen sei.

 

Ers­ter Spa­ten­stich: (von links) Klaus Bru­er (Kreis­wohn­bau-Auf­sichts­rat), Ver­bands­di­rek­tor Bernd Mey­er, Horst-Die­ter Schel­per (Stadt Sar­stedt), Kreis­wohn­bau-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann, Land­rat Rei­ner Weg­ner.

Unter die­sen bei­den Vor­aus­set­zun­gen wagt die Kreis­wohn­bau ihr größ­tes Neu­bau- Pro­jekt seit gut einem Jahr­zehnt eben für Senio­ren und in Sar­stedt. Rund 3,5 Mil­lio­nen Euro inves­tiert das Unter­neh­men, nach­dem es sich zehn Jah­re lang vor allem auf die Sanie­rung und Moder­ni­sie­rung ihres Woh­nungs­be­stan­des kon­zen­triert hat­te. Und die Inves­ti­ti­on zahlt sich vor­aus­sicht­lich aus: Um eine der 25 Woh­nun­gen bewer­ben sich mitt­ler­wei­le schon 43 Inter­es­sen­ten.

 

In gut einem Jahr soll die Wohn­an­la­ge fer­tig sein. Das räum­li­che Ange­bot reicht von der 54 Qua­drat­me­ter gro­ßen Zwei-Zim­mer-Woh­nung bis hin zum 95 Qua­drat­me­ter gro­ßen Pent­house.

 

Die Bewoh­ner erhal­ten einen Park­platz in der Tief­ga­ra­ge, kön­nen mit dem Auf­zug zur Woh­nung fah­ren. Es gibt einen Gemein­schafts­raum als Treff­punkt im Erd­ge­schoss. Ein beson­de­res Augen­merk der Pla­ner von der Archi­tek­ten­ge­mein­schaft PGN lag auf der Sicher­heit der Woh­nun­gen – die­se sol­len aller­dings nicht nur ein­bre­cher-resis­ten­te Schlös­ser und Fens­ter garan­tie­ren, son­dern auch ein orga­ni­sier­tes Sys­tem der Nach­bar­schafts­hil­fe.

 

Wenn das Gebäu­de steht, sol­len ein intel­li­gen­ter Tech­nik-Ein­satz und ein umfang­rei­ches Betreu­ungs­an­ge­bot dafür sor­gen, dass die Bewoh­ner in der Argen­tum-Anla­ge mög­lichst lan­ge ein selbst­be­stimm­tes Leben füh­ren kön­nen. Für bei­des ist die Johan­ni­ter- Unfall­hil­fe zustän­dig.

 

Alle Woh­nun­gen sind an den 24-Stun­den- Haus­not­ruf der Johan­ni­ter ange­schlos­sen. Der Wohl­fahrts­ver­band ver­mit­telt auf Wunsch vie­le Dienst­leis­tun­gen wie Ein­käu­fe, Fahr­dienst, Menü­service, Fuß­pfle­ge oder den mobi­len Fri­seur. Geplant sind außer­dem gesel­li­ge Grup­pen­an­ge­bo­te für die Bewoh­ner.

 

Die Woh­nun­gen sol­len auch dann nicht ver­waist sein, wenn der Mie­ter im Urlaub oder im Kran­ken­haus ist – dann sorgt die Johan­ni­ter-Unfall­hil­fe auf Wunsch dafür, dass der Brief­kas­ten geleert oder die Blu­me gegos­sen wird.

 

Eine zen­tra­le Funk­ti­on wird in den Woh­nun­gen außer­dem ein klei­ner Tablet-Com­pu­ter über­neh­men, der jeweils zur Aus­stat­tung gehört: Mit ihm kön­nen die Bewoh­ner die Hei­zung oder die Elek­tro­ge­rä­te regeln, die Jalou­si­en oder Fens­ter­öff­ner steu­ern. Außer­dem soll es über den PC mög­lich sein, das Sonn­tags­bröt­chen zu ordern oder mit weni­gen Klicks Infor­ma­tio­nen über die aktu­el­len Aktio­nen in der Wohn­an­la­ge zu bekom­men.

 

Natür­lich hat für die Bewoh­ner alles sei­nen Preis, das Haus wie die Extras. „Dafür kön­nen die Bewoh­ner sicher sein, dass sie nicht irgend­ein Bil­lig-Pro­dukt bekom­men“, sagt Geschäfts­füh­rer Kauf­mann. Das latei­ni­sche Wort „Argen­tum“ bedeu­tet Sil­ber. Es spie­le auf die Haar­far­be der Bewoh­ner an, erklärt Ver­bands­di­rek­tor Mey­er. „Was frü­her das alte Eisen war, ist heu­te die Gene­ra­ti­on Sil­ber.“ Vie­le Jah­re sei es bei Neu­bau­ten vor allem um jun­ge Fami­li­en gegan­gen, nun ver­schie­be sich der Schwer­punkt immer mehr auf die Bedürf­nis­se Älte­rer. Das sei eine „rie­si­ge Her­aus­for­de­rung“, mein­te Mey­er. Die sieht er in Sar­stedt gut gemeis­tert: „Das ist ein wun­der­ba­res Pilot­pro­jekt.“

 

Quel­le: Sar­sted­ter Anzei­ger der Hil­des­hei­mer All­ge­mei­nen Zei­tung, 22. Juni 2012

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