20. August 2013

Immobilienkauffrau: Gewohnt wird immer

Wohin nach der Schule? Die HAZ weist den Weg und stellt jeden Dienstag Ausbildungsberufe in der Region vor.

Lie­ber Bal­kon oder Ter­ras­se? Die künf­ti­ge Immo­bi­li­en­kauf­frau Sina Stoff­re­gen notiert sich die Wün­sche der Miet­in­ter­es­sen­ten. Die Ver­mitt­lung von Woh­nun­gen gehört zu den Auf­ga­ben der 21-Jäh­ri­gen. Foto: Moras

Hil­des­heim (hüb). Jeder Mensch braucht ein Zuhau­se, ein Nest, wo er sich wohl und sicher fühlt. Um die rich­ti­ge Blei­be zu fin­den, ist Sina Stoff­re­gen die rich­ti­ge Ansprech­part­ne­rin. Die 21-Jäh­ri­ge aus Bar­fel­de lernt im zwei­ten Aus­bil­dungs­jahr den Beruf der Immo­bi­li­en­kauf­frau bei der Hil­des­hei­mer Kreis­wohn­bau. Übri­gens nicht zu ver­wech­seln mit Immo­bi­li­en­mak­lern! Sie sind das Bin­de­glied zwi­schen Käu­fer und Ver­käu­fer und ver­mit­teln Wohn­ob­jek­te. Die Auf­ga­ben von Sina Stoff­re­gen hin­ge­gen sind brei­ter gestreut. Das Tele­fon klin­gelt: Die betag­te Frau Koch ruft an, weil sie ihre Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung nicht ver­steht, eine Fami­lie benö­tigt eine grö­ße­re Unter­kunft, Herr Mül­ler fragt, wann er die Woh­nung in der Ein­u­mer Stra­ße besich­ti­gen kann. So sehen Fäl­le aus dem Arbeits­le­ben von Sina Stoff­re­gen aus.

 

Das kom­mu­na­le Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men betreut in Stadt und dem gesam­ten Land­kreis 4200 eige­ne und 415 frem­de Immo­bi­li­en sowie 700 Gara­gen. Die jun­ge Frau ist die Kon­takt­per­son für die Mie­ter, wenn sie ein Pro­blem haben, etwa wenn Repa­ra­tu­ren anfal­len, sich Fra­gen bei der Betriebs­kos­ten­ab­rech­nung erge­ben oder es mal Ärger unter den Mie­tern gibt.

 

Wenn neue Miet­in­ter­es­sen­ten kom­men, fragt Sina Stoff­re­gen nach deren Wün­schen. Bevor­zug­te Wohn­la­ge? Lie­ber Dusche oder Bade­wan­ne? Und darf es auch ein Bal­kon sein? Die Aus­zu­bil­den­de berät aus­führ­lich und gibt pas­sen­de Ange­bo­te her­aus – und zeigt bei Inter­es­se die ver­schie­de­nen Domi­zi­le auch live. „Mir gefällt es ein­fach, etwa bei der Suche nach der ers­ten eige­nen Woh­nung zu hel­fen.“ Nicht jeder Wunsch ist erfüll­bar, aber „bis­lang konn­ten wir uns immer auf einen Nen­ner eini­gen“. Auch Woh­nungs­ab­nah­men und -über­ga­ben gehö­ren zu den Auf­ga­ben der Immo­bi­li­en­kauf­frau in spe. Und natür­lich schreibt sie auch Miet­ver­trä­ge und über­wacht im Rech­nungs­we­sen, wo sie gera­de im Ein­satz ist, ob die Mie­ten recht­zei­tig gezahlt wer­den. Wenn nicht, mahnt sie Zah­lungs­rück­stän­de. Sie über­prüft fer­ner alle Zah­lungs­ein­gän­ge und bucht die Tages­um­sät­ze. Und lernt, wie man Betriebs­kos­ten­rech­nun­gen erstellt. Die Kreis­wohn­bau ist auch als Ver­wal­te­rin von Woh­nungs­ei­gen­tum ein­ge­setzt. Sina Stoff­re­gen und ihre Kol­le­gen fah­ren auf Eigen­tü­mer­ver­samm­lun­gen, um immer auf dem Lau­fen­den zu sein, was sich rund um die Immo­bi­lie tut. Wenn bei einem Eigen­tü­mer ein Fens­ter kaputt ist oder das Licht im Flur nicht funk­tio­niert, ver­gibt die 21-Jäh­ri­ge Auf­trä­ge an Hand­wer­ker und küm­mert sich im Anschluss um die Bezah­lung der Rech­nun­gen. Spä­ter wird sie noch in die Berei­che Mar­ke­ting und Ver­kauf rein­schnup­pern.

 

Der Beruf ist abwechs­lungs­reich“, sagt sie. Es sei die Mischung aus Büro und Kun­den­kon­takt, aus Theo­rie und Pra­xis, die es ihr ange­tan hat. Wer Spaß am Umgang mit Men­schen hat, freund­lich, offen und kom­mu­ni­ka­tiv ist, brin­ge die bes­ten Vor­aus­set­zun­gen für den Beruf mit, sagt Sina Stoff­re­gen, die sich selbst als „kon­takt­freu­di­gen Men­schen“ bezeich­net. Kauf­män­ni­sches Grund­wis­sen sei eben­falls von Vor­teil. Für sie war das nie ein Pro­blem. Ihr Abitur mach­te die ange­hen­de Immo­bi­li­en­kauf­frau 2012 am Wirt­schafts­gym­na­si­um der BBS Alfeld. Rech­nungs­we­sen und Wirt­schafts­leh­re gehör­ten dort schon zum Unter­richts­stoff.

 

Obwohl sie lan­ge nicht gewusst habe, was sie nach der Schu­le machen woll­te, soll­te es doch immer in die kauf­män­ni­sche Rich­tung gehen. Eine Anzei­ge in der HAZ weck­te das Inter­es­se für den Beruf Immo­bi­li­en­kauf­frau. Drei Jah­re dau­ert die dua­le Aus­bil­dung. Zum Block­un­ter­richt fährt Sina Stoff­re­gen zur Berufs­fach­schu­le nach Sprin­ge. Dort kom­men alle Immo­kauf­leu­te aus Nie­der­sach­sen und Bre­men zusam­men. Auf dem Stun­den­plan ste­hen neben Fächern wie Poli­tik und Deutsch auch Rech­nungs­we­sen, Miet­recht oder Wohn­räu­me ver­wal­ten und Bestän­de pfle­gen. Neben­bei belegt sie par­al­lel am Euro­päi­schen Bil­dungs­zen­trum der Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­wirt­schaft (EBZ) in Bochum einen zwei­jäh­ri­gen Fern­lehr­gang. Das bedeu­tet viel Pau­ke­rei, aber „mir macht der Beruf Spaß“. Ein Haar in der Sup­pe hat sie bis­lang nicht gefun­den. In der Bran­che will sie blei­ben, nur der Bereich steht noch nicht genau fest.

 

Die Kreis­wohn­bau ver­gibt jähr­lich zwei Aus­bil­dungs­plät­ze. Dar­auf kom­men bis zu 50 Bewer­ber. Die Aus­bil­dungs­lei­ter Jörn Lan­clée und Inga Schulz laden sechs bis acht davon zum Vor­stel­lungs­ge­spräch ein. Ent­schei­dend sind bei der Aus­wahl der Anwär­ter auch die Bewer­bungs­un­ter­la­gen – macht es Spaß, sie zu lesen oder muss man sich mit einer Losen-Blatt- Samm­lung her­um­schla­gen? Ein ein­stün­di­ges Gespräch und ein klei­ner Test in Sachen All­ge­mein­bil­dung und Mathe sol­len die künf­ti­gen Azu­bis end­gül­tig ermit­teln. „Das ist aus­sa­ge­kräf­ti­ger als jedes Zeug­nis“, sagt Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann.

 

Die Chan­cen auf dem Arbeits­markt schätzt er als „min­des­tens gut“ ein. Zumal es die Mög­lich­keit gebe, mit die­ser Aus­bil­dung zu Han­dels- und Indus­trie­un­ter­neh­men, Bau­trä­gern oder Mak­lern zu wech­seln. „Bis jetzt hat jeder Azu­bi eine Anstel­lung gefun­den.“ Einen halb­jäh­ri­gen Arbeits­ver­trag bekommt jeder im Anschluss an die Aus­bil­dung.

 

Alle Tei­le der Serie fin­den Sie bei der HAZ im Inter­net zum Nach­le­sen unter www.hildesheimer-allgemeine.de/ azu­bi.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 20. August 2013

Veröffentlicht unter 2013