29. Dezember 2012

Kreiswohnbau hat kaum was frei

Fast kein Leerstand im Norden, deutliche Verbesserung im Süden – aber kein Neubau geplant

Sarstedt/Kreis Hil­des­heim (abu). „Viel bes­ser kann es eigent­lich nicht mehr wer­den“, das hat Kreis­wohn­bau-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann mit Blick auf wei­te Tei­le von Stadt und Land­kreis in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon öfter gesagt, wenn es dar­um ging, wie vie­le Woh­nun­gen das kom­mu­na­le Unter­neh­men ver­mie­tet hat und wie vie­le leer ste­hen. Doch zum Ende die­ses Jah­res mel­det er neue Rekord­quo­ten, vor allem in Sar­stedt. Hier hat die Kreis­wohn­bau qua­si nichts mehr frei. Neue Woh­nun­gen will das Unter­neh­men des­halb aller­dings vor­erst nicht bau­en, kon­zen­triert sei­ne Inves­ti­tio­nen auf die neue Mar­ke „Argen­tum“ und auf den Bestand.

 

Zu viel ver­spro­chen? So wirbt die Kreis­wohn­bau im Wohn­ge­biet auf dem Klei in Sar­stedt – doch das Ange­bot an frei­en Woh­nun­gen ist gering wie nie. Foto: Wedig

Gan­ze neun von 1100 Woh­nun­gen sind in und um Sar­stedt der­zeit nicht ver­mie­tet, eine Quo­te von weni­ger als 0,9 Pro­zent. „Das gibt es eigent­lich gar nicht“, sagt Kauf­mann. Schließ­lich spre­che sei­ne Bran­che schon bei drei Pro­zent von Voll­ver­mie­tung. Die Grün­de lie­gen für ihn indes auf der Hand: „Sar­stedt ist die ein­zi­ge Kom­mu­ne mit wach­sen­der Ein­woh­ner­zahl im Land­kreis, vor allem auf­grund sei­ner Lage zwi­schen den Zen­tren Han­no­ver und Hil­des­heim.“ Ist es da nicht an der Zeit, zusätz­li­che Woh­nun­gen zu errich­ten? „Wir beob­ach­ten das erst ein­mal“, wie­gelt Kauf­mann ab. „Außer­dem schaf­fen wir durch die Argen­tum- Anla­ge am Ried sowie die neu­en Eigen­tums­woh­nun­gen und Häu­ser an der Lie­gnit­zer Stra­ße ja auch neu­en Wohn­raum, und der Bau­ver­ein baut auch aus.“

 

Eine „sen­sa­tio­nel­le Quo­te“ beschei­nigt Kauf­mann auch dem Kun­den­cen­ter in Hil­des­heim selbst, das auch gut 400 Woh­nun­gen im Ost­kreis und der Gemein­de Nordstem­men ver­wal­tet. Mit 1,2 Pro­zent Leer­stand sei die Lage dort fast genau­so gut wie in Sar­stedt. Sol­che Zah­len schei­nen im Süd­kreis noch Illu­si­on. Doch im Bereich Bad Salz­det­furth, Diek­hol­zen und Bocke­nem, den die Kreis­wohn­bau von Bad Salz­det­furth aus betreut, ste­hen laut Kauf­mann der­zeit sie­ben Pro­zent der Woh­nun­gen leer – mit so einer Zahl war das Unter­neh­men vor eini­gen Jah­ren auch noch im Nord­kreis ganz zufrie­den. Beson­ders erfreut zeigt sich der Kreis­wohn­bau- Geschäfts­füh­rer aller­dings über die Ent­wick­lung im Raum Alfeld – jenem Bereich, den vor der Fusi­on die frü­he­re Kreis­wohn­bau Alfeld ver­ant­wor­tet hat. „Das war immer ein Pro­blem, zumal mir zu Beginn auch nicht klar war, wie der Zustand der Woh­nun­gen teil­wei­se war“, sagt Kauf­mann rück­bli­ckend. Doch in die­sem Jahr habe es eine abso­lu­te Trend­wen­de gege­ben. „Statt 150 ste­hen jetzt nur noch knapp 100 Woh­nun­gen leer“, freut sich der Geschäfts­füh­rer und nennt aus sei­ner Sicht zwei Grün­de: „Offen­bar zahlt es sich aus, dass wir die Hälf­te unse­res Bud­gets für Instand­set­zung im Raum Alfeld ein­ge­setzt haben.“ Hin­zu kom­me „eine sehr gute neue Mit­ar­bei­te­rin“ im Kun­den­cen­ter Alfeld. Das ver­meint­li­che Sor­gen­kind im Süden holt mit Rie­sen­schrit­ten auf und trotzt dabei allen Unken­ru­fen, der demo­gra­fi­sche Wan­del und der Ein­woh­ner­schwund wür­den das Ver­mie­ten von Woh­nun­gen im süd­li­chen Land­kreis immer mehr zum Glücks­spiel machen.

 

Tat­säch­lich ver­ste­tigt sich laut Kauf­mann der Trend, dass weni­ger Men­schen nicht auto­ma­tisch weni­ger Woh­nun­gen bedeu­ten müs­sen: „Je klei­ner eine Woh­nung ist, des­to bes­ser ist sie zu ver­mie­ten“, sagt Kauf­mann. „Die Haus­hal­te wer­den immer klei­ner, zudem ist durch die Hartz-IV-Gesetz­ge­bung die Nach­fra­ge nach klei­ne­ren Wohn­ein­hei­ten gestie­gen.“ Ange­sichts die­ser Ent­wick­lun­gen und der vor eini­ger Zeit vom Han­no­ve­ra­ner Pes­tel-Insti­tut geäu­ßer­ten Kri­tik, es gebe zu wenig Sozi­al­woh­nun­gen, sieht sich Kauf­mann aller­dings auch all­ge­mein nicht zu Neu­bau-Plä­nen ver­an­lasst: „Wo wir noch Leer­stän­de haben, dort eher im unte­ren Preis­seg­ment.“

 

Die höhe­re Nach­fra­ge hat sich aber bis­lang nicht in deut­lich höhe­ren Mie­ten aus­ge­wirkt“, wie der Geschäfts­füh­rer beteu­ert. „Wir lagen mit einem Plus von 1,1 Pro­zent unter der Infla­ti­on.“ Im Durch­schnitt lie­ge die Mie­te bei 4,69 Euro, bei Neu­ver­mie­tun­gen bei 4,81 Euro pro Qua­drat­me­ter. Die­se Dif­fe­ren­zie­rung habe er extra ana­ly­sie­ren las­sen, nach­dem der Mie­ter­bund bei einer Podi­ums­dis­kus­si­on die Fra­ge auf­ge­wor­fen habe, ob die Woh­nungs­bau-Unter­neh­men bei Mie­ter­wech­seln kräf­tig drauf­schla­gen wür­den.

 

Auch durch den his­to­risch nied­ri­gen Leer­stand ver­bucht die Kreis­wohn­bau in die­sem Jahr wie­der einen Gewinn von rund einer Mil­li­on Euro, den sie zum Teil an ihre kom­mu­na­len Anteils­eig­ner aus­schüt­tet und zum Teil in die Rück­la­ge steckt. Neben Inves­ti­tio­nen in die ener­ge­ti­sche Sanie­rung will das Unter­neh­men sein Geld vor allem in die „Argen­tum“- Pro­jek­te in Sar­stedt, Bad Salz­det­furth und Nordstem­men (die­se Zei­tung berich­te­te) ste­cken.

 

Neu­er Ver­trag für Kauf­mann

Mat­thi­as Kauf­mann bleibt wei­te­re fünf Jah­re Geschäfts­füh­rer der Kreis­wohn­bau Hil­des­heim GmbH. Der Auf­sichts­rat hat sich ein­stim­mig dafür aus­ge­spro­chen, Kauf­manns Arbeits­pa­pier zu ver­län­gern. „Und zwar zu bes­se­ren Bezü­gen“, wie der Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de und Chef der SPD-Kreis­tags­frak­ti­on, Klaus Bru­er, betont. „Er hat Krea­ti­vi­tät bewie­sen und will nicht ein­fach ein paar Woh­nun­gen ver­mie­ten, hat neue Geschäfts­fel­der auf­ge­grif­fen und ist teil­wei­se zum Not­hel­fer der Kom­mu­nen gewor­den“, lobt Bru­er. Der Kom­mu­nal­po­li­ti­ker gesteht dabei auch an, das Unter­neh­men frü­her anders ein­ge­schätzt zu haben. „Als der Land­kreis noch höhe­re Schul­den hat­te, war ich dafür, die Kreis­wohn­bau zu ver­kau­fen – Gott sei Dank habe ich mich nicht durch­ge­setzt.“ Inves­to­ren hät­te es genug gege­ben, so Bru­er. (abu)

 

Quel­le: Sar­sted­ter Anzei­ger der Hil­des­hei­mer All­ge­mei­nen Zei­tung, 28. Dezem­ber 2012

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