07. April 2014

Meyer: „Grundschule für Innenstadt wichtiger als neue Wohnungen“

Stadt will Schulneubau am Weinberg sowie Sanierung am Alten Markt – das Aus für KWB-Immobilien?

(jan) Hil­des­heim. Lan­ge war die Dis­kus­si­on um die Zukunft der Innen­stadt­grund­schu­len abs­trakt und ideo­lo­gisch geprägt – nun lie­fert die Stadt­ver­wal­tung erst­mals kon­kre­te Vor­schlä­ge und Zah­len. Die Plä­ne decken sich nicht mit den Ide­en der rot-grü­nen Mehr­heits­grup­pe im Rat: Deren Mit­glie­der hat­ten sich für eine Schlie­ßung der Grund­schu­le Hohn­sen und die Grün­dung einer neu­en vier­zü­gi­gen Innen­stadt­grund­schu­le am Alten Markt aus­ge­spro­chen – die Stadt will aber auch künf­tig zwei Schu­len behal­ten und für Sanie­rung und Neu­bau knapp 11,8 Mil­lio­nen Euro inves­tie­ren. Auch für den Stand­ort Neu­hof hat die Ver­wal­tung den Rats­gre­mi­en nun ihre Plä­ne unter­brei­tet – das bestehen­de Gebäu­de soll saniert wer­den. Die Finan­zie­rung der Vor­ha­ben ist noch nicht end­gül­tig gesi­chert, eine zusätz­li­che Kre­dit­auf­nah­me müss­te vom Land geneh­migt wer­den. Die Poli­tik beginnt nun zunächst frak­ti­ons­in­tern die Bera­tun­gen der Vor­schlä­ge, nach den Oster­fe­ri­en soll es die ers­ten Aus­schuss­sit­zun­gen zum The­ma geben.

 

■ Grund­schu­le Hohn­sen: Die Stadt will die Grund­schu­le in der Keß­ler­stra­ße auf­ge­ben und auf dem ehe­ma­li­gen Kli­ni­kum-Gelän­de am Wein­berg eine neue zwei­zü­gi­ge Grund­schu­le samt Sport­hal­le errich­ten. Dort soll in Koope­ra­ti­on mit der Fach­hoch­schu­le HAWK ein „Bil­dungs-Cam­pus“ ent­ste­hen, der Start wäre zum Schul­jahr 2018/19 mög­lich. Die HAWK sie­delt sich ohne­hin auf dem Are­al an, in direk­ter Nach­bar­schaft zur neu­en Grund­schu­le könn­ten dann eine Kin­der­ta­ges­stät­te mit Krip­pe und Kin­der­gar­ten ent­ste­hen. Dort wür­den die bereits bestehen­de HAWK-Krip­pe aus der Tap­pen­stra­ße sowie die städ­ti­sche Kita „Vil­la Wein­ha­gen“ zusam­men­ge­legt wer­den, Trä­ger der neu­en Ein­rich­tung könn­te das Stu­den­ten­werk sein. Ande­re Vari­an­ten (Ver­bleib in der Keß­ler­stra­ße, Ver­la­ge­rung an den Pfaf­fen­stieg und zur Grund­schu­le Mari­en­bur­ger Höhe) hat die Stadt geprüft und ver­wor­fen. Das Gebäu­de der Grund­schu­le Hohn­sen in der Keß­ler­stra­ße gehört dem Land, die Stadt hat es bis­her gemie­tet.

 

■ Grund­schu­le Pfaf­fen­stieg: Das Gebäu­de der aus­lau­fen­den Haupt­schu­le Alter Markt soll saniert wer­den, damit dort die bis­he­ri­ge Grund­schu­le Pfaf­fen­stieg drei­zü­gig unter­ge­bracht wer­den kann. Dies wäre schon ab Som­mer 2015 denk­bar. Das Gebäu­de ist nach Ansicht der Stadt so gut erhal­ten und für eine wei­te­re Schul­nut­zung geeig­net, dass es sich ange­sichts der Finanz­la­ge der Stadt ver­bie­tet, es abzu­rei­ßen. Das Grund­stück sei zudem für eine even­tu­el­le spä­te­re Erwei­te­rung groß genug. Das Gebäu­de der Grund­schu­le Pfaf­fen­stieg ist in städ­ti­schem Besitz und könn­te nach dem Umzug der Schü­ler ver­kauft wer­den. Kon­kre­te Inter­es­sen­ten gibt es für eine Nut­zung nicht. Soll­te der Rat dem Vor­schlag des Rat­hau­ses zustim­men, hät­te die Kreis­wohn­bau (KWB) das Nach­se­hen: Die Bau­ge­nos­sen­schaft hat­te bereits Plä­ne für das Are­al der Haupt­schu­le Alter Markt ent­wor­fen, um dort nach einem Abriss der Schu­le 13 Stadt­häu­ser mit ins­ge­samt 46 Woh­nun­gen zu bau­en. Dass nun der Schul­stand­ort Vor­rang vor der Wohn­im­mo­bi­li­en­ent­wick­lung bekom­men soll, geht maß­geb­lich auf Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Ingo Mey­er zurück. „Die Grund­schu­le ist für die Innen­stadt wich­ti­ger als neue Woh­nun­gen“, sagt er. Schul­de­zer­nent Dirk Schrö­der bekräf­tigt dies und ver­weist auf den zu erwar­ten­den Bedarf durch das wach­sen­de Wohn­vier­tel auf dem Phö­nix­ge­län­de. KWB-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann sagt, er sei „schon ein biss­chen ent­täuscht“ über das mut­maß­li­che Aus für das Wohn­pro­jekt. Er erklärt aber auch, dass er sich nie auf eine Dis­kus­si­on „Schu­le oder Wohn­quar­tier“ ein­ge­las­sen hät­te. „Wir woll­ten der Stadt mit unse­ren Plä­nen hel­fen, das Are­al sinn­voll zu bebau­en.“ Die Vor­schlä­ge dazu habe die KWB nur ein­ge­reicht, weil der dama­li­ge Ober­bür­ger­meis­ter Kurt Machens ihm ver­si­chert habe, dass auf dem Gelän­de der Haupt­schu­le Alter Markt nach deren Aus­lau­fen kein Schul­be­trieb mehr statt­fin­den wer­de.

 

■ Grund­schu­le Neu­hof: Nach­dem zwi­schen­zeit­lich ein Neu­bau an einem ande­ren Stand­ort im Gespräch gewe­sen war, schlägt die Ver­wal­tung nun vor, das bestehen­de Gebäu­de der Grund­schu­le im lau­fen­den Betrieb schritt­wei­se zu sanie­ren. Ver­an­schlag­te Kos­ten: 2,35 Mil­lio­nen Euro. Ein Neu­bau schei­det aus Stadt-Sicht aus, weil die Kos­ten dafür weit­aus höher lägen – was „ange­sichts des Poten­zi­als des jet­zi­gen Gebäu­des und der Gebur­ten­zahl in die­sem Stadt­teil unver­hält­nis­mä­ßig wäre“, so die Stadt in ihrer Begrün­dung.

 

Quel­le: Kehr­wie­der am Sonn­tag, 06. April 2014

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