21. März 2014

Der beste Schutz ist Vertrauen“

Nachgefragt: Wie sich Vermieter schützen können / So läuft es bei Wohnungsbaugesellschaften

Hildesheim (oca). Schim­mel an den Wän­den, Dreck in den Räu­men oder Mietrück­stände, weil die Mieter seit Monat­en kein Geld mehr über­wiesen haben. Über den Ärg­er, den viele Ver­mi­eter in der Stadt haben, hat diese Zeitung in den ver­gan­genen Wochen mehrmals berichtet.

 

Einige von ihnen sitzen heute auf einem großen Schulden­berg. Sum­men bis zu 40 000 Euro, die aus Ren­ovierungskosten, Instand­set­zung und Mietaus­fällen resul­tieren, sind oft keine Sel­tenheit. Was kön­nen Ver­mi­eter tun, um das Risiko, ihr Eigen­tum in guten Glauben an jeman­den Fremdes zu über­lassen, zu min­imieren?

 

Nicht viel, sagt Uwe Stoll, Geschäftsstel­len­leit­er des Haus- und Grun­deigen­tümervere­ins. „Ver­mi­eter leben von dem Ver­trauen, das sie ihren poten­ziellen Mietern ent­ge­gen­brin­gen.“ Zwar kön­nen Ver­mi­eter ver­suchen, möglichst viel über ihren Geschäftspart­ner in Erfahrung zu brin­gen, beispiel­sweise durch eine Selb­stauskun­ft, aber ganz auss­chließen lasse sich das Risiko nicht.

 

Unsere Mit­glieder haben die Möglichkeit, sich online ein For­mu­lar herun­terzu­laden, das ein Miet­inter­essent aus­füllen muss.“ Dort wird unter anderem nach ein­er Insol­venz, Mietrück­stän­den aus vor­ma­li­gen Anmi­etun­gen oder der soge­nan­nten Ver­mö­gen­sauskun­ft gefragt“, erk­lärt Stoll. Diese Angaben könne der Ver­mi­eter zwar nicht kon­trol­lieren, er habe aber bei ein­er bewusst falschen Angabe die Möglichkeit, das Mietver­hält­nis auf­grund arglistiger Täuschung sofort wieder zu been­den.

 

Die Ein­hol­ung ein­er Auskun­ft bei der Sch­u­fa hinge­gen sei für den Mieter frei­willig. „Der Ver­mi­eter kann diese zwar fordern, aber der mögliche Mieter ist nicht dazu verpflichtet“, sagt Stoll. Auch hier gelte, dass es auf Ver­trauen zwis­chen den Parteien ankomme. Auf die Zahlung ein­er Miet­sicher­heit habe der Ver­mi­eter hinge­gen Anrecht. Nicht jedoch darauf, dass diese vor Bezug der Woh­nung in ein­er Summe gezahlt wer­den muss. „Bis zu drei Rat­en hat der Geset­zge­ber dem Mieter eingeräumt.“ Ist das Kind doch in den Brun­nen gefall­en und die Miete nicht gezahlt, rät Stoll den Beteiligten zu einem per­sön­lichen Gespräch. „Vieles lässt sich schon im Vor­wege aus­räu­men, wenn man nur miteinan­der spricht.“ So gebe es immer Gründe, warum eine Miete nicht rechtzeit­ig gezahlt wer­den könne, beispiel­sweise, wenn es zu Arbeit­slosigkeit kommt. „Die Bear­beitungszeit­en in den Arbeit­sagen­turen und Job­cen­tern sind lei­der manch­mal etwas länger“, ken­nt Stoll die Prob­lematik.

 

Für viele Ver­mi­eter, die ihr gekauftes Eigen­tum als Altersvor­sorge sehen und ihre Woh­nun­gen selb­st ver­wal­ten und damit auch die Auswahl der Mieter übernehmen, sind Organ­i­sa­tion und Abwick­lung oft­mals Herkule­sauf­gaben. Die Gemein­nützige Woh­nungs­baugenossen­schaft gbg und die Kreis­wohn­bau haben es da leichter. Sie haben Teams oder Rechtsabteilun­gen, die sich auch um diese Fälle küm­mern. Vor Mietaus­fällen sind aber auch sie nicht sich­er.

 

Der Geschäfts­bericht der gbg weist für 2012 eine Mietaus­fal­lquote von 3,6 Prozent aus. Die ist schon seit Jahren rück­läu­fig. Noch 2009 betrug diese 5,2 Prozent. Auch bei der Kreis­wohn­bau ist die Anzahl der Mietaus­fälle eher ger­ing. „Im täglichen Geschäft haben wir damit kaum Prob­leme“, sagt Geschäfts­führer Matthias Kauf­mann. Bewer­ber für eine Woh­nung müssen bei dem Unternehmen sowohl eine Selb­stauskun­ft aus­füllen, die drei let­zten Gehalt­snach­weise vor­legen sowie ein­er Cred­itre­form-Auskun­ft zus­tim­men. „Wir möcht­en, dass wir und unsere kün­fti­gen Mieter gut zusam­men­passen“, erk­lärt Kauf­mann.

 

Quelle: Hildesheimer All­ge­meine Zeitung, 20. März 2014

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