Kab­be­lei ums Kabelfernsehen

01. März 2021 — Frank-Tho­mas Wen­zel und Andre­as Niesmann

Voda­fone will sein Geschäfts­mo­dell mit einem Kom­pro­miss­vor­schlag vor­erst retten
Zwölf Mil­lio­nen Mie­ter zah­len für ihr Kabel­fern­se­hen über die Neben­kos­ten – und spa­ren dadurch viel Geld. FOTO: ROBERT SCHLESINGER/DPA

Frankfurt/Berlin. Voda­fone hat im Streit um güns­ti­ge Ver­trä­ge fürs Kabel­fern­se­hen einen Kom­pro­miss­vor­schlag vor­ge­legt. „Wir wol­len Lösun­gen fin­den, statt zu strei­ten“, sag­te Voda­fone-Chef Han­nes Amets­rei­ter dem Redak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND). „Wir brau­chen einen Weg, der vor allem im Inter­es­se der vie­len Mil­lio­nen Men­schen ist, die von einer Geset­zes­än­de­rung betrof­fen wären.“

Seit Mona­ten strei­ten Poli­ti­ker über die Zukunft des soge­nann­ten Neben­kos­ten­pri­vi­legs. Seit dem Aus­bau der Kabel­fern­seh­net­ze in den Acht­zi­ger­jah­ren schlie­ßen Netz­be­trei­ber mit Ver­mie­tern lang­fris­ti­ge Ver­trä­ge ab, bei denen es einen Men­gen­ra­batt gibt. Das ist mög­lich, weil die Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­un­ter­neh­men nur eine Lei­tung zu jedem Gebäu­de legen müs­sen. Es geht um rund zwölf Mil­lio­nen Haus­hal­te bun­des­weit, die Kabel­fern­se­hen für durch­schnitt­lich 8 bis 9 Euro im Monat nutzen.

Wo die Net­ze auf­wen­dig mit Glas­fa­ser­lei­tun­gen aus­ge­baut wer­den, soll­te die Umla­ge­fä­hig­keit für sie­ben Jah­re gewähr­leis­tet sein, heißt es in einem Papier, das dem RND vor­liegt. Bei Kabel­net­zen, die mit moder­ner Tech­nik nach­ge­rüs­tet wer­den, kön­ne die Abrech­nung der Gebüh­ren über die Neben­kos­ten des Ver­mie­ters noch für fünf Jah­re mög­lich sein, schlägt Voda­fone vor. Nach Ablauf der Fris­ten müss­ten die Nut­zer dann in jedem Fall Ein­zel­ver­trä­ge abschließen.

Eine maxi­mal fünf­jäh­ri­ge Über­gangs­frist soll dem Voda­fone- Vor­schlag zufol­ge auch für bestehen­de Net­ze ein­ge­führt wer­den, die bereits für hohe Über­tra­gungs­ge­schwin­dig­kei­ten ertüch­tigt wur­den. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te dort zwei Jah­re vor­ge­schla­gen. In der Dis­kus­si­on ist der­zeit nach RND-Infor­ma­tio­nen aber auch, die sofor­ti­ge Kün­di­gung der Ver­trä­ge zu ermög­li­chen. Mie­ter müss­ten sich dann kurz­fris­tig um neue Anbie­ter küm­mern, die TV-Signa­le ins Wohn­zim­mer bringen.

Von der Umla­ge­fä­hig­keit pro­fi­tiert vor allem Voda­fone. Der Kon­zern ist mit wei­tem Abstand der größ­te Betrei­ber von Kabel­fern­seh­net­zen hier­zu­lan­de, über die auch schnel­le Inter­net­an­schlüs­se ver­mark­tet wer­den. Der Weg­fall der Umla­ge­fä­hig­keit wür­de der Deut­schen Tele­kom nützen.

Beim Kabel­fern­se­hen ist einer deut­li­chen Mehr­heit der Deut­schen der Preis wich­ti­ger als die freie Wahl des Anbie­ters. Das ist das Ergeb­nis einer Civey-Umfra­ge im Auf­trag von Voda­fone, die dem RND vor­liegt. Von 2501 Befrag­ten gaben dabei nur 5 Pro­zent an, dass sie bereit wären, für die freie Wahl des Kabel­an­bie­ters eine Kos­ten­stei­ge­rung hinzunehmen.

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 01.03.2021