15. November 2016

96-Bagger schafft im Elzer Zentrum Platz für ein Millionen-Projekt

Kreiswohnbau errichtet weitere „Argentum“-Wohnanlage / Edeka soll folgen / Kommune nutzt Städtebauförderung

VON TAREK ABU AJAMIEH

ELZE. Wenn es in der 2. Bun­des­li­ga mal auch so rund lau­fen wür­de wie in die­sem gro­ßen Elzer Hin­ter­hof: Han­no­ver 96 macht alles platt – und schon nach weni­gen Wochen steht kein Geg­ner mehr. Doch es ist nur ein Bag­ger, den die Bau­fir­ma Wall­ner kom­plett mit 96-Far­ben und dem Ver­eins­lo­go deko­riert hat, der an der Haupt­stra­ße alte Gebäu­de abreißt und neben­bei zur Attrak­ti­on für die vie­len Bau­stel­len-Tou­ris­ten gewor­den ist, die täg­lich vor­bei­schau­en.

 

Rolf Pfeif­fer und Mat­thi­as Kauf­mann dürf­te es herz­lich egal sein, ob der Bag­ger mit dem Wap­pen von Han­no­ver 96, Ein­tracht Braun­schweig oder Bay­ern Mün­chen unter­wegs ist. Haupt­sa­che, die Maschi­ne schafft was weg, dürf­ten sich der Bür­ger­meis­ter von Elze und der Geschäfts­füh­rer der Kreis­wohn­bau GmbH sagen. Und das tut sie zusam­men mit einem wei­te­ren Bag­ger seit Tagen. Bis zum Jah­res­en­de soll nichts mehr an die bei­den Wohn- und Geschäfts­häu­ser zur Haupt­stra­ße hin sowie an die alte Scheu­ne und die Gara­gen auf dem Innen­hof erin­nern. Das wün­schen sich Stadt und Unter­neh­men glei­cher­ma­ßen.

 

Ers­te­re, weil kein Ein­zel­fall mehr ist, was sich an der Ecke Hauptstraße/ Königs­ber­ger Stra­ße abspielt. Die Stadt hat ihren ganz eige­nen Weg gefun­den, ihr Zen­trum auf­zu­pep­pen (sie­he Kas­ten).

 

Sie kauft alte Immo­bi­li­en auf und gewinnt so Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten, hin­zu (sie­he Kas­ten). Die Kreis­wohn­bau bekommt die Mög­lich­keit, auf drei zu einem Are­al zusam­men­ge­fass­ten Grund­stü­cken ein wei­te­res „Argen­tum“ zu bau­en – ein Haus mit 17 bar­rie­re­frei erreich­ba­ren Woh­nun­gen mit Tages­pfle­ge und medi­zi­ni­schem Ver­sor­gungs­zen­trum im Erd­ge­schoss. Auch die Spar­kas­se wech­selt den Stand­ort, rich­tet im Erd­ge­schoss ihre neue Filia­le ein.

 

Ver­gleich­ba­re Anla­gen unter­hält die Kreis­wohn­bau bereits in Sar­stedt (zwei­mal) und Bad Salz­det­furth, eine wei­te­re ent­steht in Alger­mis­sen. Und die Mie­ter ste­hen über­all Schlan­ge, auch in Elze, wo die ers­ten Bewoh­ner wohl Anfang 2018 ein­zie­hen kön­nen. Bau­start soll Anfang nächs­ten Jah­res sein, ins­ge­samt inves­tiert die Kreis­wohn­bau in Elze 6,5 Mil­lio­nen Euro. Die 65 bis 70 Qua­drat­me­ter gro­ßen Woh­nun­gen sol­len für 8 Euro pro Qua­drat­me­ter zu haben sein.

 

Dafür wei­chen muss unter ande­rem das bis­he­ri­ge Gebäu­de des Restau­rants Odys­seus. Des­sen Betrei­ber hat inzwi­schen in einem moder­ne­ren Gebäu­de auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te wie­der­eröff­net, sei­ne Wer­be­schil­der hän­gen aller­dings noch am alten Stand­ort. „Die soll­te er mal lang­sam ret­ten“, unkt Kreis­wohn­bau- Chef Kauf­mann mit Blick auf den Fort­schritt der Bag­ger. Und auch das Eck­haus, in dem zuletzt das Beklei­dungs­ge­schäft NKD zu Hau­se war, wird in den kom­men­den Wochen der Abriss­bir­ne zum Opfer fal­len.

 

Was für die Elzer auch bedeu­tet: Bis ein Stück ihrer Innen­stadt in neu­em Glanz erstrahlt, müs­sen sie auf ihrer Haupt­stra­ße beson­ders vor­sich­tig sein. Die ist vor der Bau­stel­le durch Absper­run­gen zur Bau­stel­le hin etwas schma­ler, an- und abfah­ren­de Trans­por­ter sor­gen regel­mä­ßig für heik­le Situa­tio­nen auf der ver­eng­ten Fahr­bahn.

 

Doch die Mühe soll sich loh­nen – für Stadt und Kreis­wohn­bau. Und wenn es auch für die Bau­fir­ma gut läuft, spielt Han­no­ver 96 wie­der in der 1. Liga, wenn die ers­ten Argen­tum-Bewoh­ner ein­zie­hen.

 

Eine Stadt kauft Schrottimmobilien auf

Städ­te­bau­för­de­rung – das ist zunächst ein­mal ein recht abs­trak­ter Begriff. In Elze wer­den die Aus­wir­kun­gen des Pro­gramms aber an immer mehr Ecken sicht­bar. Die Stadt nutzt immer wie­der die Gele­gen­heit, alte Häu­ser zu kau­fen, die sonst kei­ner mehr haben will und die ansons­ten womög­lich noch über Jah­re leer an der Haupt­stra­ße her­um­ste­hen wür­den. Weil sie durch das För­der­pro­gramm (ins­ge­samt 9 Mil­lio­nen Euro über acht bis zehn Jah­re) nur ein Drit­tel der Kos­ten tat­säch­lich tra­gen muss, kann sie Immo­bi­li­en­ge­schäf­te stem­men, die sonst nicht drin wären – und erwirbt damit zugleich die Mög­lich­keit, selbst zu bestim­men, was genau dort künf­tig pas­siert. Sie­ben Immo­bi­li­en hat die Stadt auf die­sem Wege inzwi­schen erwor­ben, ver­kauft beim aktu­el­len Pro­jekt zwei wie­der an die Kreis­wohn­bau. Auf ähn­li­chem Weg sol­len in den nächs­ten Jah­ren Ede­ka und DM einen gemein­sa­men Stand­ort in der Innen­stadt bekom­men – zu Fuß erreich­bar für die Argen­tum-Mie­ter und ande­re Anlie­ger. abu

 

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 15. Novem­ber 2016

Veröffentlicht unter 2016