28. März 2013

Alles unter einem Dach

Ausstellung bei der Kreiswohnbau in Sarstedt: HAWK-Studenten entwerfen Architektur für Generationen „Am Alten Markt“ in Hildesheim

Sarstedt/Hildesheim (hüb). Ein Haus wie ein Maß­an­zug, zuge­schnit­ten auf alle Bewoh­ner – auf Fami­li­en, Senio­ren und Sin­gles. Knap­per gesagt, „Mit­ein­an­der – für­ein­an­der“.

 

Das Mot­to zu Lawa Yus­ufs Wohn­pro­jekt heißt „Mit­ein­an­der - für­ein­an­der“.

So haben auch Lawa Yus­uf und Helen Gutz­mann ihr Mehr-Genera­tio­nen- Wohn­pro­jekt am „Alten Markt“ im Hil­des­hei­mer Michae­lis­vier­tel genannt. Vier Mona­te haben die bei­den 22-jäh­ri­gen Archi­tek­tur­stu­den­tin­nen der HAWK an ihrem Ent­wurf gear­bei­tet. Her­aus­ge­kom­men sind drei- bis vier­ge­schos­si­ge Stadt­häu­ser und ein Senio­ren­wohn­haus im Grü­nen.

 

Ges­tern haben sie und elf wei­te­re Kom­mi­li­to­nen aus dem fünf­ten Semes­ter in den Räu­men der Kreis­wohn­bau an ver­schie­de­nen Model­len und Schau­ta­feln ihre Visio­nen für das 7500 Qua­drat­me­ter gro­ße Grund­stück gezeigt – eine Ergän­zung zum städ­te­bau­li­chen Wett­be­werb 2012 (die­se Zei­tung berich­te­te). Sechs Archi­tek­tur­bü­ros hat­ten sich im Auf­trag der Kreis­wohn­bau Gedan­ken über eine Bebau­ung des Are­als im Michae­lis­vier­tel gemacht. Der Sie­ger­ent­wurf stamm­te von der Pla­nungs­ge­mein­schaft Nord (PGN) aus Roten­burg (Wüm­me). Nun waren die Stu­den­ten dran, das Spek­trum an Ide­en zu erwei­tern – mit fle­xi­blen Grund­ris­sen und puris­ti­scher Trans­pa­renz spiel­ten die Fach­hoch­schü­ler.

 

Doch es geht nicht nur um Archi­tek­tur. Denn selbst das schöns­te Haus hilft nicht gegen Ver­ein­sa­mung. Wenn es nach Iri­na Schmit­lein, Simo­ne Wag­ner und Ange­li­na Prei­bisch geht, heißt es daher für die Bewoh­ner ihres Wohn­kom­ple­xes: Raus in die Natur. Hoch­bee­te laden zur Gar­ten­ar­beit ein, zahl­rei­che Bän­ke in der Anla­ge zum Ver­wei­len, ein Spiel­platz und ein Bam­bus­la­by­rinth zum Toben ste­hen für die Kin­der bereit. Für die Stu­den­tin­nen steht Begeg­nung ganz oben auf der Prio­ri­tä­ten­lis­te.

 

Das Mot­to ihres Ent­wur­fes heißt des­halb nicht ohne Grund „Gemein­sam nie ein­sam“. Der Groß­teil ihrer geplan­ten Woh­nun­gen ist zwi­schen 40 und 60 Qua­drat­me­ter groß. Für Kreis­wohn­bau-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann ist das ein wich­ti­ger Aspekt: „In Hil­des­heim gibt es ein Defi­zit an klei­nen Woh­nun­gen.“ Die Fami­li­en­ver­bän­de schrump­fen. Anders als noch vor 50 Jah­ren leb­ten heu­te im Schnitt zwei Per­so­nen in einem Haus­halt – Ten­denz fal­lend. Am Alten Markt bie­te sich daher eine ein­zig­ar­ti­ge Ent­wick­lungs­mög­lich­keit.

 

Viel­leicht ist dort auch Platz für die „Schlan­gen­för­mi­gen Gär­ten“ von Wen­ting Zha, Xia­o­feng Deng und Yi Fan. Das Wohn­kon­zept der drei jun­gen Frau­en sieht eine Grün­an­la­ge in Form eines Bau­mes mit ver­zweig­ten Wegen vor. Die Natur holen sie auch direkt ins Wohn­zim­mer. Denn trans­pa­ren­te Win­ter­gär­ten und Trep­pen­häu­ser las­sen viel Licht in die vier Wän­de – ide­al für Fami­li­en.

 

Und die hat beson­ders Anne­gret Dros­te im Blick. Die Pro­fes­so­rin der Fakul­tät Bau­en und Erhal­ten an der HAWK wünscht sich für Fami­li­en bezahl­ba­ren Wohn­raum in der Innen­stadt. Vie­le Eltern mit Kin­dern zie­he es aus finan­zi­el­len Grün­den in die Vor­städ­te, mit der Fol­ge, dass die Orts­rän­der zer­sie­del­ten. Kei­ner wis­se, wo die Stadt auf­hö­re und der Land­kreis anfan­ge. „Eine unse­li­ge Ent­wick­lung“, fin­det Dros­te. Wohn­raum im Michae­lis­vier­tel zu eta­blie­ren, fin­det sie des­halb „geni­al“. Und eine Chan­ce, jun­ge Men­schen zurück in die Stadt zu holen.

 

Wohn­raum für wenig Geld ist auch im Sin­ne von Isa­bel Mül­ler und Julia­ne Straß­bur­ger. Und nicht nur das: Der „Alte Markt“ soll vor allem öffent­lich sein. Ein gro­ßer Ver­an­stal­tungs­raum, eine Bou­tique, ein Kiosk, ein Bäcker und ein Café sol­len das Quar­tier bele­ben. Eben „Der Grü­ne Punkt“, wie sie ihr Expo­sé genannt haben. Und fast alle Model­le haben sich eines Pro­blems ange­nom­men: dem Park­platz­man­gel. So hat jeder Wohn­kom­plex auch voll­flä­chi­ge Tief­ga­ra­gen.

 

Sie kön­nen sich sicher sein, dass die Ent­wür­fe in die Pla­nun­gen zum Michae­lis­vier­tel ein­ge­bracht wer­den“, ver­sprach Kauf­mann den Stu­den­ten.

 

Noch bis zum 17. April ist die Aus­stel­lung „Mehr-Genera­tio­nen-Woh­nen in der Innen­stadt von Hil­des­heim. Wohn­bau­ten für den Demo­gra­fi­schen Wan­del“ in den Räu­men der Kreis­wohn­bau, Löns­stra­ße 4 in Sar­stedt zu sehen.

 

Quel­le: Sar­sted­ter Anzei­ger der Hil­des­hei­mer All­ge­mei­nen Zei­tung, 28. März 2013

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