07. Mai 2012

Am Ende allein

Einsamkeit im Alter ist auch in Hildesheim ein Thema / Todesfälle werden aber meist schnell bemerkt

Hil­des­heim (rei). In einem Mehr­par­tei­en­haus stirbt eine alte Dame und nie­mand bekommt davon etwas mit. Erst nach Wochen wird die Lei­che gefun­den – und plötz­lich fra­gen sich die Nach­barn: Hät­te das auch mir pas­sie­ren kön­nen?

 

Auch in Hil­des­heim leben immer mehr älte­re Men­schen allein. In Not­si­tua­tio­nen sind sie auf auf­merk­sa­me Nach­barn ange­wie­sen. Auch im Todes­fall sind es häu­fig Nach­barn, die bemer­ken, dass etwas nicht stimmt. Foto: Jens Kalae­ne

Ja – sagt zumin­dest die Sta­tis­tik. Dass sich der geschil­der­te Fall aus­ge­rech­net im ver­meint­lich geschütz­ten Umfeld einer Senio­ren-Wohn­an­la­ge ereig­net hat (die­se Zei­tung berich­te­te), ver­leiht ihm eine beson­de­re Tra­gik. Doch in dem Maß, in dem immer mehr Men­schen bis ins hohe Alter allein leben kön­nen, steigt auch die Wahr­schein­lich­keit, dass sie irgend­wann allein ster­ben. Mehr als 26 000 Hil­des­hei­mer woh­nen in Ein-Per­so­nen-Haus­hal­ten, etwa ein Drit­tel von ihnen ist im Ren­ten­al­ter. In den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren ist die Zahl der allein leben­den Senio­ren im Stadt­ge­biet um mehr als 400 gestie­gen. Den­je­ni­gen unter ihnen, die kei­ne Ange­hö­ri­gen und wenig sozia­le Kon­tak­te haben, bleibt nur die Hoff­nung, dass auf­merk­sa­men Nach­barn eher frü­her als spä­ter auf­fällt, wenn etwas nicht stimmt.

 

In der Regel ist das auch so, berich­tet Hol­ger Wol­pers von der Hil­des­hei­mer Berufs­feu­er­wehr. Er und sei­ne Kol­le­gen wer­den geru­fen, wenn irgend­wo der Brief­kas­ten über­quillt, die Zei­tung in der Rol­le lie­gen­bleibt oder ein Pfle­ge­dienst vor ver­schlos­se­nen Türen steht. „Dass wir dann in der Woh­nung einen Toten fin­den, kommt häu­fi­ger mal vor“, sagt Wol­pers. In den aller­meis­ten Fäl­len lie­ge der Todes­zeit­punkt dann erst weni­ge Stun­den, maxi­mal ein oder zwei Tage zurück. „Dass wir eine Lei­che im häus­li­chen Umfeld erst nach Wochen oder Mona­ten fin­den, pas­siert maxi­mal ein- oder zwei­mal im Jahr.“

 

Doch die­se Zah­len könn­ten stei­gen, befürch­tet Mathi­as Kauf­mann, Geschäfts­füh­rer der Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft. Älte­re Men­schen stel­len dort einen erheb­li­chen Teil der Mie­ter – gut ein Zehn­tel der 4250 Woh­nun­gen ist an Men­schen ver­mie­tet, die mit 80 Jah­ren und mehr zum Kreis der Hoch­be­tag­ten zäh­len. Ähn­lich sind die Zah­len bei der Gemein­nüt­zi­gen Bau­ge­sell­schaft (gbg). Dort sind nach Anga­ben von Pres­se­spre­cher Frank Satow etwa 15 Pro­zent der Kun­den 75 Jah­re und älter.

 

Und lei­der kommt es immer häu­fi­ger vor, dass Men­schen im Alter rela­tiv iso­liert leben“, hat Kauf­mann beob­ach­tet. Den Woh­nungs­un­ter­neh­men fällt das, so maka­ber es klingt, oft erst dann auf, wenn ein Mie­ter stirbt und kei­ne Ange­hö­ri­gen da sind, um die Woh­nung zu räu­men. Denn dann bleibt der Ver­mie­ter auf den Ent­rüm­pe­lungs- und Rei­ni­gungs­kos­ten sit­zen.

 

Aber auch dar­über­hin­aus haben wir uns Gedan­ken gemacht, inwie­weit wir eine sozia­le Ver­ant­wor­tung gegen­über unse­ren Mie­tern haben“, sagt Kauf­mann. In Zusam­men­ar­beit mit einem Pfle­ge­dienst bie­tet sein Unter­neh­men älte­ren Men­schen an, ein Not­ruf­sys­tem in der Woh­nung zu instal­lie­ren – was vie­le Senio­ren aber ableh­nen. Die gbg setzt auf regel­mä­ßi­ge Infor­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für älte­re Mie­ter, auf ihre Betreu­ungs­an­ge­bo­te in der Senio­ren­wohn­an­la­ge Dris­pen­stedt – vor allem aber auf sozia­le Kon­trol­le inner­halb der Haus­ge­mein­schaf­ten. Die Kreis­wohn­bau hat zusätz­lich alle Mit­ar­bei­ter instru­iert, in den Woh­nun­gen auf Anzei­chen von Ver­wahr­lo­sung zu ach­ten. „Das betrifft ins­be­son­de­re Haus­war­te und Hand­wer­ker, die regel­mä­ßig zu Repa­ra­tur- oder War­tungs­be­su­chen vor Ort sind“, sagt Kauf­mann. Soll­te ein Mie­ter den Anschein erwe­cken, nicht mehr aus­rei­chend für sich sor­gen zu kön­nen, zöge­re die Woh­nungs­ge­sell­schaft nicht, das zustän­di­ge Sozi­al­amt oder den Sozi­al­psych­ia­tri­schen Dienst des Land­krei­ses, ein­zu­schal­ten.

 

Bei­de Unter­neh­mens­spre­cher erklä­ren über­ein­stim­mend: Dass ein Mie­ter über einen län­ge­ren Zeit­raum tot in der Woh­nung lag, sei in ihren Häu­sern bis­her nicht vor­ge­kom­men.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 05. Mai 2012

Veröffentlicht unter 2012

Sehr geehrte Kunden,

aufgrund des Corona-Virus und der empfohlenen Schutzmaßnahmen ist unser Betrieb leider für Besucher geschlossen. Mit dieser Maßnahme möchten wir Sie und unsere MitarbeiterInnen schützen.
In dringenden Fällen erreichen Sie uns während unserer Geschäftszeiten telefonisch unter 05121/976-0, per Mail oder nach telefonischer Terminvereinbarung.
Ihre persönlichen Ansprechpartner erreichen Sie wie gewohnt unter den bekannten Kontaktdaten.
Wir danken für Ihr Verständnis. Bitte bleiben Sie gesund!
Ihre