01. November 2018

Argentum: Erste Variante bleibt Favorit

Projektrealisierung „Bockhof“ derzeit ungewiss: Resolution eingebracht / Ziel: Mit Denkmalpflege das Gespräch suchen

Von Marei­ke Ehlers

GRONAU. Der Tages­ord­nungs­punkt „Bock­hof“ hat im Finanz- und Bau­aus­schuss der Stadt Gro­nau ordent­lich die Gemü­ter erhitzt – sowohl die der Aus­schuss­mit­glie­der als auch die eini­ger Bür­ger. Die Grün­de waren jedoch unter­schied­li­cher Natur.

 

Kön­nen und dür­fen uns das nicht bie­ten las­sen“: Stadt­di­rek­tor Rai­ner Mer­tens (l.) fin­det im jüngs­ten Bau­aus­schuss der Stadt Gro­nau deut­li­che Wor­te, nach­dem KWG-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann (Foto unten) offen­bart, dass die Denk­mal­pfle­ge mög­li­cher­wei­se auch kein grü­nes Licht für den Alter­na­tiv-Ent­wurf für ein Argen­tum am Bosch‘schen Hof geben wird. Fotos: Ehlers

Gut besucht war die Sit­zung, weil die Plä­ne des Inves­tors hin­sicht­lich der Rea­li­sie­rung eines Argen­tums im Bock’schen Hof vor­ge­stellt wur­den – und zwar die zwei­te Vari­an­te. Rück­blick: Die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft (KWG), die den zwi­schen dem Bür­ger­meis­ter­haus und Muse­um befind­li­chen Bock­hof I sanie­ren und als Argen­tum-Anla­ge aus­wei­sen möch­te, hat­te zunächst vor­ge­se­hen, einen benö­tig­ten Erwei­te­rungs­bau für die geplan­te Wohn­an­la­ge hin­ter dem vor­han­de­nen Gebäu­de im Gar­ten­be­reich zu posi­tio­nie­ren. Aller­dings wur­de die Bau­vor­anfra­ge von der geneh­mi­gen­den Behör­de, dem Land­kreis Hil­des­heim, aus Sicht der Denk­mal­pfle­ge abge­lehnt (die LDZ berich­te­te).

 

kwg-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann trägt das Argen­tum-Vor­ha­ben vor.

Im Aus­schuss prä­sen­tier­te KWG-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann die aus­ge­ar­bei­te­te zwei­te Vari­an­te, die den Belan­gen des Denk­mal­schut­zes Rech­nung tra­gen soll­te, und jetzt einen seit­li­chen Anbau in Rich­tung Bür­ger­meis­ter­haus vor­sieht. Doch nach­dem Kauf­mann kurz die grund­sätz­li­che Idee der Argen­tum-Anla­ge, die es in ähn­li­cher Form bereits in Sar­stedt, Bad Salz­detfurth und neu auch in Elze gibt, erläu­tert und ers­te Ent­wurfs­plä­ne der zwei­ten Vari­an­te prä­sen­tiert hat­te, folg­ten weni­ger gute Nach­rich­ten für die Pro­jekt-Unter­stüt­zer: Wie Kauf­mann mit­teil­te, habe zwi­schen­zeit­lich die Denk­mal­pfle­ge auch bei die­ser Vari­an­te, die als letz­te Mög­lich­keit der Pro­jekt­rea­li­sie­rung betrach­tet wird, signa­li­siert, womög­lich auch hier kein grü­nes Licht zu geben, weil nun die Mau­er im Fokus des Denk­mal­schut­zes stün­de. Heißt: Das Argen­tum-Wohn­bau­pro­jekt der KWG am Bock­hof könn­te buch­stäb­lich schei­tern, was folg­lich für einen Auf­schrei inner­halb der Ver­wal­tung und des Aus­schus­ses gesorgt hat, die im Vor­feld Kennt­nis davon hat­ten. So fand Stadt­di­rek­tor Rai­ner Mer­tens ange­sichts die­ser Ent­wick­lung deut­li­che Wor­te und mach­te sei­nem Ärger Luft. Er dank­te zunächst ein­mal dem Inves­tor, der nach der ers­ten Ableh­nung am Ball geblie­ben ist und nach einer wei­te­ren Alter­na­ti­ve gesucht hat. „Ich per­sön­lich könn­te es mir vor­stel­len“, mein­te der Stadt­di­rek­tor im Hin­blick auf die Umset­zung der zwei­ten Vari­an­te – ver­bun­den mit dem Hin­weis, dass es „sicher­lich nicht die Vor­zugs­va­ri­an­te ist“. Er zeig­te sich jedoch der­art ver­är­gert, „dass die Denk­mal­pfle­ge selbst eine sol­che Vari­an­te zunich­te macht. Das hat für mich das Fass zum Über­lau­fen gebracht“, so Mer­tens, da dies jeg­li­che Ver­än­de­rung nun unmög­lich mache, was letzt­lich zur Kon­se­quenz habe, dass die­ses Gebäu­de suk­zes­si­ve ver­fällt. Schon sein Vor­gän­ger habe vor 20 Jah­ren ver­sucht, das Gebäu­de zu kau­fen bezie­hungs­wei­se einer sinn­vol­len Nut­zung zu unter­zie­hen, berich­te­te Mer­tens – der sich das von der Denk­mal­pfle­ge nicht gefal­len las­sen möch­te und den Aus­schuss um Rücken­de­ckung bat.

 

Dass die Denk­mal­pfle­ge uns hier so Ket­ten anlegt, dass wir kei­ner­lei Hand­lungs­mög­lich­keit haben und so das Gebäu­de vor­sätz­lich dem Ver­fall zuge­führt wird, das dür­fen und kön­nen­wir uns nicht gefal­len las­sen“, erklär­te Stadt­di­rek­tor Rai­ner Mer­tens im Bau­aus­schuss sei­nen Ent­schluss, das mög­li­che „Pro­jektster­ben“ am Bock‘schen Hof nicht kampf­los hin­neh­men zu wol­len.

 

Ich wür­de es sehr begrü­ßen, wenn ich als Ver­wal­tung hier von ihrer Sei­te über eine sol­che Reso­lu­ti­on den Rücken­wind hät­te und wür­de mich sehr freu­en, wenn wir Herrn Kauf­mann ein deut­li­ches Signal geben“, appel­lier­te Mer­tens an das Gre­mi­um. Unab­hän­gig davon sei man bereits im poli­ti­schen Raum auf der Lan­des­ebe­ne tätig gewor­den, infor­mier­te Mer­tens. „Ich wer­de auch mei­ne Wege nut­zen, um hier die­se Ent­wick­lung, die aus mei­ner Sicht eine sehr ein­sa­me Ent­schei­dung ist und nicht im Inter­es­se der Men­schen sein kann, zuge­hen.“ Sei­ner Ansicht nach sei Denk­mal­pfle­ge kein Selbst­zweck, sie müs­se unterm Strich immer den Men­schen die­nen. Mer­tens sähe sich nach der zwei­ten Vari­an­te mit der erklä­ren­de­nen Ableh­nung „Mau­er als Denk­mal“ in der Pflicht, dage­gen anzu­ge­hen – „und zwar mit aller Kon­se­quenz.“

 

Reso­lu­ti­on

 

Die von Rats­herrn Albert Reh­se aus­ge­ar­bei­te­te Reso­lu­ti­on hat­te der SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de Rai­ner Mundt ein­ge­bracht. Er mach­te die Posi­ti­on der Sozi­al­de­mo­kra­ten und das Ziel der Reso­lu­ti­on deut­lich: „Wir wol­len uns damit klar posi­tio­nie­ren: Wir ste­hen hin­ter dem Pro­jekt und wol­len die Denk­mal­pfle­ge auf­for­dern, mit uns oder dem Inves­tor zu spre­chen“, so Mundt. Der Rat der Stadt Gro­nau for­dert in dem Ent­wurf aller­dings die Denk­mal­pfle­ge auf, bei den Ver­hand­lun­gen mit der KWG auf Basis der ursprüng­li­chen Idee zu einer Ent­schei­dung zu kom­men, sprich: mit einem denk­mal­ge­rech­ten Erwei­te­rungs­bau nach Nord-Wes­ten in den Gar­ten.

 

Mundt hat­te zuvor sei­tens der SPD-Frak­ti­on unter­mau­ert, dass man das wich­ti­ge und wert­vol­le Gebäu­de „Bock­hof“ ger­ne erhal­ten möch­te und sich die Fra­ge, ob man das allei­ne stem­men kön­ne, von allei­ne beant­wor­te. Daher freue man sich über einen Inves­tor, der das Gebäu­de erhal­ten möch­te. Die Kri­tik, dass man in Gro­nau dann zu viel senio­ren­ge­rech­tes Woh­nen anbie­ten wür­de, kön­ne er nicht tei­len – ganz im Gegen­teil: „Ich glau­be, dass der Bedarf wei­ter stei­gen wird. Sich den rück­wär­ti­gen Bereich des Gebäu­des noch ein­mal anzu­schau­en, sei laut Mundt wün­schens­wert, da man die ers­te Vari­an­te favo­ri­sie­re. Das Rau­nen der Zuhö­rer habe man bei der zwei­ten Vari­an­te mit dem dazwi­schen­ge­setz­ten Anbau ver­nom­men, so Mundt.

 

Sach­stand

 

Die zwei­te Vari­an­te der Argen­tum-Rea­li­sie­rung sieht zum bestehen­den Bock­hof (links), der saniert wür­de, einen seit­li­chen Anbau als moder­nen Erwei­te­rungs­bau vor. Rechts: Das Bür­ger­meis­ter­haus. Visua­li­sie­rung: KGW/Hirsch Archi­tek­ten

Die Bau­vor­la­ge der zwei­ten Vari­na­te läge der­zeit noch beim Land­kreis, aller­dings habe sich bereits das nie­der­säch­si­sche Lan­des­amt für Denk­mal­schutz gemel­det und alle Wän­de auf der Grund­stücks­gren­ze als schüt­zens­wert ein­ge­stuft. Das Ver­fah­ren sei zwar erst ange­lau­fen, erläu­ter­te KGW-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann im Aus­schuss, er müs­se jedoch damit rech­nen, dass sein Argen­tum- Pro­jekt abge­lehnt wird. Die Wahr­schein­lich­keit, dass man auf dem Grund­stück über­haupt etwas bau­en kann, kön­ne er der­zeit nicht ein­schät­zen, sagt Kauf­mann auf LDZ-Nach­fra­ge. „Es wird aber schwer“, fass­te er zusam­men. „Ich fän­de es sehr scha­de, wenn das Pro­jekt schei­tern wür­de, weil es eine ganz her­vor­ra­gen­de Ent­wick­lungs­mög­lich­keit für die Immo­bi­lie ist“, so Kauf­mann.

 

Auch Rau­nen ist zwi­schen­zeit­lich aus dem Publi­kum zu hören: Etli­che Bür­ger ver­fol­gen die Wohn­bau-Plä­ne der KWG zum Bock­hof. Foto: Ehlers

Was den zwei­ten Ent­wurf mit dem seit­li­chen Anbau im vor­de­ren Bereich des Bock‘schen Hofes angeht, wür­den nach der Pla­nung 17 Woh­nun­gen ent­ste­hen, von denen sich sechs im alten Bock­hof-Gebäu­de und elf im Neu­bau befän­den. Das Bock­hof-Gebäu­de sei in einem „mit­tel­präch­ti­gen“ Zustand und bedür­fe eines erheb­li­chen Sanie­rungs­auf­wands, der Neu­bau sei als moder­ner Erwei­te­rungs­bau geplant – als Gelenk dazu sei ein Auf­zug und Trep­pen­haus als seit­li­che Erschlie­ßung vor­ge­se­hen. Ziel sei es, eine attrak­ti­ve und bar­rie­re­freie Wohn­an­la­ge zu ver­wirk­li­chen. Im Rah­men der Ein­woh­ner­fra­ge­stun­de hat­ten sich Geg­ner des Argen­tum- Pro­jek­tes zu Wort gemel­det, eben­falls sehr impul­siv. So etwa Stef­fi Hei­sig, die sich als lang­jäh­ri­ge Bewoh­ne­rin des Bock­hofs für den Erhalt des Gebäu­des stark mach­te, obwohl sie und wei­te­re Mie­ter auf­grund eines neu­en Eigen­tü­mers und der Argen­tum- Plä­ne bereits aus­zie­hen muss­te, wie Hei­sig mit Bedau­ern berich­te­te. „Ich lebe in einem Kul­tur­denk­mal mit ganz viel Geschich­te – und hän­ge an dem Haus“, beton­te sie.

 

Beschluss

 

Letzt­lich wur­de der Beschluss ein­stim­mig wie folgt gefasst: Die Stadt begrüßt das Argen­tum-Vor­ha­ben am Bock­hof. Der Rat der Stadt Gro­nau favo­ri­siert die ers­te Vari­an­te und beauf­tragt die Ver­wal­tung mit der Denk­mal­schutz­be­hör­de Gesprä­chen auf­zu­neh­men und beschließt die von Reh­se for­mu­lier­te Reso­lu­ti­on.

 

Quel­le: Lei­ne-Deis­ter-Zei­tung, 01. Novem­ber 2018

Veröffentlicht unter 2018

Liebe Kundinnen und Kunden,
liebe Geschäftspartner,

 

seit dem 11.05.2020 haben wir unsere Geschäftsstellen wieder für den Publikumsverkehr geöffnet.
Bitte nutzen Sie dieses Angebot im Interesse Ihres eigenen Schutzes und des Schutzes unserer Mitarbeiter nur, wenn Ihr persönliches Erscheinen nicht vermeidbar ist. Ansonsten sind wir auch gern per Telefon oder Mail für Sie da.
Wenn Sie uns besuchen, bitten wir Sie
- einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen,
- sich in die vorgeschriebene Besucherliste einzutragen und
- die Abstandsvorschriften (>1,50m)
zu beachten.
Vielen lieben Dank und bleiben Sie gesund.
Ihre kwg