07. Juni 2017

Auf dem alten Grabeland entsteht ein Mietshaus in Zentrumsnähe

Weiterer Schritt in Richtung Innenverdichtung: 15 Wohnungen in der Bismarckstraße

Von Vik­to­ria Hüb­ner

Sar­stedt. In Sar­stedts Mit­te ent­steht neu­er Wohn­raum: Die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft will in der Bis­marck­stra­ße ein neu­es Appar­te­ment­haus mit 15 Woh­nun­gen bau­en. Damit trägt das kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men nicht nur der Nach­fra­ge nach Zwei- und klei­ne­ren Drei-Zim­mer-Woh­nun­gen Rech­nung, es kommt auch dem Kon­zept der Stadt nach, Lücken in bestehen­den Bau­struk­tu­ren zu schlie­ßen. „Innen­ent­wick­lung vor Außen­ent­wick­lung“ lau­tet das Mot­to der Kom­mu­ne, Nach­ver­dich­tung heißt das Zau­ber­wort, das eine Lin­de­rung der Woh­nungs­not ver­spricht.

 

Wenn es nach Mat­thi­as Kauf­mann, Geschäfts­füh­rer der Kreis­wohn­bau, geht, sol­len die Bau­ar­bei­ten in der Bis­marck­stra­ße im nächs­ten Jahr star­ten. Immer mehr Men­schen zieht es nach Sar­stedt. Grün­de gibt es vie­le, etwa, dass Han­no­ver und Hil­des­heim nicht weit ent­fernt, gut mit dem Auto, dem Zug oder der Stra­ßen­bahn zu errei­chen sind. Doch der ste­ti­ge Zuzug erhöht den ohne­hin schon vor­han­de­nen Druck auf den Woh­nungs­markt. „Der Bedarf ist grö­ßer als das Ange­bot“, betont Kauf­mann. Mehr als 1100 Woh­nun­gen besit­ze die Kreis­wohn­bau aktu­ell an ihrem größ­ten Stand­ort in Sar­stedt, nur knapp zehn davon stün­den leer. Die KWG sucht daher ste­tig nach frei­en Bau­grund­stü­cken, zuneh­mend in den Orts­mit­ten, was zu einer Bele­bung füh­re und ein Aus­ufern der Orte nach außen ver­hin­de­re, fin­det Kauf­mann. In der Bis­marck­stra­ße ist das Unter­neh­men nun nach lan­ger Suche fün­dig gewor­den.

 

Ein etwa 3116 Qua­drat­me­ter gro­ßes Are­al nennt sie mitt­ler­wei­le dort ihr Eigen. Die­ses besteht zum einem aus soge­nann­tem Gra­be­land, das in den frü­he­ren 50er Jah­ren ent­stand. Das gehört zu bereits bestehen­den Wohn­ein­hei­ten an der Fried­rich-Ebert-Stra­ße.

 

Damals hat­ten die Men­schen noch mit den Fol­gen des Krie­ges zu kämp­fen. Auf dem Gra­be­land, das direkt ans Wohn­haus grenz­te, pflanz­ten und säten sie Obst und Gemü­se zur Selbst­ver­sor­gung. Doch mit den Jah­ren ging das Inter­es­se der Mie­ter an die­sen Par­zel­len zurück. „Mit den hin­te­ren Flä­chen konn­ten die Leu­te nichts mehr anfan­gen, der Auf­wand war ihnen zu groß“, berich­tet Kauf­mann. In der Fol­ge gaben sie die Gar­ten­grund­stü­cke an die KWG als Ver­mie­te­rin zurück. Für sich allei­ne sei­en die Flä­chen aber zu klein gewe­sen, um auf ihnen zu bau­en, so Kauf­mann.

 

Doch dann erwarb sein Unter­neh­men das etwa 680 Qua­drat­me­ter gro­ße Grund­stück Bis­marck­stra­ße Num­mer 6 hin­zu. Das dor­ti­ge Wohn­haus lässt sich par­zel­lie­ren und soll wei­ter­ver­kauft wer­den. Der Rest des Grund­stücks steht für einen Neu­bau zur Ver­fü­gung. Für die­sen gibt es bis­lang nur ein gro­bes Kon­zept: zwei­ge­schos­sig, in glei­cher Höhe wie die benach­bar­ten Häu­ser zur Fried­rich- Ebert-Stra­ße. „Das Geschäfts­haus in der Fried­rich-Ebert-Stra­ße ist in den Dimen­sio­nen deut­lich grö­ßer“, ver­an­schau­licht Archi­tekt Sven Hirsch aus Hil­des­heim.

 

Ins­ge­samt 15 bar­rie­re­freie Woh­nun­gen in der Grö­ßen­ord­nung 60 bis 75 Qua­drat­me­ter sol­len ent­ste­hen – je sechs Ein­hei­ten in den zwei Voll­ge­schos­sen, drei im Staf­fel­ge­schoss.

 

Zwei- bis klei­ne­re Drei-Zim­mer- Woh­nun­gen fehl­ten bis­lang“, erklärt Kauf­mann den Ent­wurf. Ten­den­zi­ell sei­en Woh­nun­gen in Sar­stedt in der Ver­gan­gen­heit eher auf Fami­li­en aus­ge­rich­tet gewe­sen, also eher im Bereich Drei- bis Vier- Zim­mer-Woh­nung ange­sie­delt.

 

Von der Bis­marck­stra­ße aus soll eine Zufahrt in den Osten des Grund­stücks füh­ren, wo Stell­plät­ze für die Mie­ter ent­ste­hen. Das neue Gebäu­de selbst, das sich in Nord- Süd-Aus­rich­tung erstreckt, bekommt Maße von etwa zwölf mal 40 Meter ver­passt, umge­rech­net sind das knapp über 1000 Qua­drat­me­ter Wohn­flä­che.

 

Zu den Nach­bar­grund­stü­cken wird ein Abstand von von 7,30 bis 15 Meter ein­ge­hal­ten, die gesetz­li­chen Min­dest­ab­stän­de wer­den teils deut­lich über­schrit­ten.

 

Auch die benach­bar­ten Gebäu­de in der Fried­rich-Ebert-Stra­ße Num­mer 6 und 8 wer­den im Zuge des Neu­baus moder­ni­siert. Neue Fens­ter sowie Bal­ko­ne sind dort geplant. Dem­nächst fin­den ers­te Boh­run­gen auf dem Are­al in der Bis­marck­stra­ße statt – „um kei­ne Über­ra­schun­gen zu erle­ben“, sagt Kauf­mann.

 

Die KWG wird laut Kauf­mann knapp über drei Mil­lio­nen Euro in das neue Miets­haus inves­tie­ren. Bür­ger­meis­te­rin Hei­ke Bren­ne­cke fin­det, dass das Vor­ha­ben, „das Städt­chen vor­an­bringt“. Denn wer zu dem Zeit­punkt sei­ner Suche kein Ange­bot dort vor­fin­det, ori­en­tiert sich ihrer Erfah­rung nach woan­ders hin.

 

KWG: 4250 Wohnungen

Die Kreiswohnungsbaugesellschaft (KWG Hildesheim) verfügt über rund 4250 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sowie Doppelhaushälften und Reihenhäusern im Kreis, ein Schwerpunkt ist Sarstedt. Eigentümer/Gesellschafter sind der Landkreis und seine Gemeinden. Aufsichtsratsvorsitzender ist Klaus Bruer aus Sarstedt. Ph

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung - Sar­sted­ter Anzei­ger, 07. Juni 2017

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