29. April 2019

Ein Hof für Ignaz Zeppenfeldt

1910: Bis 1945 als „Zep­pen­feldt­scher Hof“ bekannt: das Haus im Lan­gen Hagen 21, foto­gra­fiert 35 Jah­re vor sei­ner Zer­stö­rung. FOTO: VERLAGSARCHIV GEBRÜDER GERSTENBERG

2019: Die Ansicht hat sich erheb­lich geän­dert. Hin­ter der heu­ti­gen Bebau­ung befin­den sich aller­dings grü­ne Gär­ten und der Pau­sen­hof der Grund­schu­le Alter Markt. FOTO: CLEMENS HEIDRICH

Von Chris­ti­an Har­b­orth.

Eine Mine­ral­was­ser­fa­brik stellt man sich eigent­lich ganz anders vor. Jeden­falls nicht wie ein mon­dä­nes Guts­haus samt Hof­an­la­ge, auf der jeden Moment ein Ade­li­ger hoch zu Ross um die Ecke bie­gen könn­te. Doch genau eine sol­che Fabrik betreibt Johan­nes Lorenz um das Jahr 1910 her­um im Haus Lan­ger Hagen 21. Zwei klei­ne Schil­der auf dem lin­ken Pfei­ler wei­sen sogar den Weg.

 

Die ältes­ten Bau­tei­le der 1945 zer­stör­ten Anla­ge stamm­ten laut einer Inschrift aus dem Jahr 1663. Aller­dings muss sich zu die­ser Zeit bereits eine klei­ne Keme­na­te aus Back­stein auf dem Are­al befun­den haben, die die Kriegs­zer­stö­run­gen über­dau­er­te und der­zeit von der Kreis­wohn­bau saniert wird. Sie dürf­te auch regel­mä­ßig von Ignaz Zep­pen­feldt betre­ten wor­den sein, der hier rund 30 Jah­re bis zu sei­nem Tod 1831 gewohnt hat. „Sei­ne Fami­lie war schon im 17. Jahr­hun­dert nach Hil­des­heim gekom­men und in die Diens­te des Bischofs getre­ten“, sagt Sven Abrom­eit, Vor­sit­zen­der des Hei­mat- und Geschichts­ver­eins. Der Name „Zep­pen­feldt­scher Hof“ erhielt sich bis zur Zer­stö­rung der Anla­ge im Jahr 1945.

 

Zep­pen­feldt, 1760 gebo­ren, besuch­te das Jose­phinum und die Stu­di­en­an­stalt der eng­li­schen Bene­dik­ti­ner in Lam­sprin­ge, im Anschluss stu­dier­te er in Göt­tin­gen Jura. 1796 berief ihn der letz­te Hil­des­hei­mer Fürst­bi­schof Franz Egon von Fürs­ten­berg zum Archi­var des Lan­des­ar­chivs.

 

In den unru­hi­gen Zei­ten nach der Säku­la­ri­sa­ti­on nahm er Tätig­kei­ten als Jurist wahr, erst 1815 konn­te er wie­der das Amt des bischöf­li­chen Archi­vars über­neh­men. Zep­pen­feldt ord­ne­te die ihm anver­trau­ten Doku­men­te nicht nur, er wer­te­te sie auch aus und ver­öf­fent­lich­te zahl­rei­che Bei­trä­ge zur Hil­des­hei­mer Geschich­te, ins­be­son­de­re im Gers­ten­berg­schen Sonn­tags­blatt. Schon 1808 war er in den Lan­gen Hagen gezo­gen und leb­te hier mit sei­ner Fami­lie. Trotz wech­seln­der Eigen­tü­mer und unter­schied­li­cher Nut­zun­gen – nach Mine­ral­was­ser-Fabri­kant Lorenz gin­gen hier ein Tabak­groß­händ­ler und ein Vul­ka­ni­sie­rer ihren Geschäf­ten nach – blieb der Name Zep­pen­feldt bis 1945 mit der Hof­an­la­ge ver­bun­den.

 

Der Lan­ge Hagen, seit 1278 bezeugt, erin­nert wie der Kur­ze Hagen an die hier frü­her wach­sen­den Hecken. Sie waren Teil der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­be­fes­ti­gung.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 29. April 2019

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