30. November 2018

Gemeinde Diekholzen will plötzlich Klinik-Gelände kaufen

Verwaltung favorisiert jetzt kleineres Wohngebiet: Nur ein Drittel der Fläche soll bebaut werden – deutlich weniger als bislang vorgesehen

Hier in Diek­hol­zen ist die Sied­lung „Am Bahn­berg“ geplant – das Ver­wal­tungs­ge­bäu­de der ehe­ma­li­gen Lun­gen­kli­nik soll aber als „Wahr­zei­chen“ ste­hen­blei­ben. FOTO: CHRIS GOSSMANN

Von Alex­an­der Raths

Diek­hol­zen. Die Gemein­de Diek­hol­zen will, dass ledig­lich 30 Pro­zent des Gelän­des der ehe­ma­li­gen Lun­gen­kli­nik bebaut wer­den. Bis­lang war von bis zu 158 Woh­nun­gen die Rede – ver­teilt auf gut 50 Dop­pel-, Rei­hen- oder Ein­fa­mi­li­en­häu­ser in dem Gebiet „Am Bahn­berg“, das die Kreis­wohn­bau-Gesell­schaft (KWG) plant. Das Pro­jekt soll 2020 umge­setzt wer­den. Des­sen Umfang erscheint der Gemein­de nun deut­lich zu groß. Ziel ist, das Vor­ha­ben abzu­spe­cken und die bis­he­ri­gen Ent­wür­fe „nach­zu­bes­sern“, sagt Bür­ger­meis­te­rin Bir­git Dieck­hoff-Hübin­ger. Die Gemein­de will dafür jetzt ihre recht­li­chen Mög­lich­kei­ten aus­schöp­fen – und die ins­ge­samt 55 000 Qua­drat­me­ter gro­ße Flä­che dem Heli­os-Kon­zern abkau­fen.

 

Dabei han­delt es sich um ein „Vor­kaufs­recht“, das Gemein­den per Gesetz zusteht. „Wir erwer­ben das Gelän­de von Heli­os“, erklärt Dieck­hoff-Hübin­ger. Wie viel dafür inves­tiert wird, woll­te sie nicht sagen.

 

Der Schritt der Gemein­de ist für Beob­ach­ter über­ra­schend. „Die Poli­tik wuss­te nicht, dass die­se juris­ti­sche Mög­lich­keit besteht. Und die Gemein­de eben­so wenig. Es wäre aber unfair, ihr einen Vor­wurf zu machen“, sagt Rats­herr Chris­toph Gla­dos (Unab­hän­gi­ge). Das The­ma sei für die Ver­wal­tung nun mal „kein Tages­ge­schäft.“

 

Die Gemein­de hat­te eige­nen Anga­ben zufol­ge einen Brief mit einem Kauf­ver­trag bekom­men – und dann ihre recht­li­che Opti­on erkannt. Bis­her woll­te der Land­kreis sei­ne Flä­chen vom gegen­wär­ti­gen Besit­zer Heli­os in Diek­hol­zen zurück­kau­fen. Dar­über wur­de die Gemein­de mit dem Brief infor­miert. Doch jetzt will sie in das Geschäft ein­stei­gen, um die Ent­wick­lung des Gelän­des mit­zu­ge­stal­ten – im Ein­ver­neh­men mit dem Rat.

 

Der Kreis woll­te sich zum Vor­ge­hen der Gemein­de bis­lang nicht äußern und ein Gespräch mit der Kom­mu­ne am Mon­tag abwar­ten.

 

Die Ver­wal­tung for­dert, dass ein oder meh­re­re neue Regen­rück­hal­te­be­cken in die Bau­ge­biets-Plä­ne ein­be­zo­gen wer­den. Auch ein Abwas­ser­pump­werk soll auf dem Gelän­de ent­ste­hen. „Das ist ganz wich­tig“, so Dieck­hoff-Hübin­ger. Zudem soll auch eine zwei­te Zufahrt zu dem geplan­ten Bau­ge­biet gebaut wer­den, die über die Stra­ße Am Hohen Turm ver­läuft. Damit die Müll­ab­fuhr oder auch die Feu­er­wehr und Kran­ken­trans­por­te nicht nur über die Stra­ße Bahn­berg den Bereich errei­chen kön­nen. Über­dies soll auch ein neu­er Krei­sel an der Alfel­der Stra­ße in das Pro­jekt ein­be­zo­gen wer­den, um den durch das Bau­ge­biet zuneh­men­den Ver­kehr zu regu­lie­ren. Wie berich­tet, for­dert auch die Diek­holze­ner Poli­tik den Kreis­ver­kehr.

 

Außer­dem pocht die Gemein­de dar­auf, dass in den Plä­nen Gewer­be­be­trie­be vor­kom­men, die sich auf dem Gelän­de ansie­deln könn­ten. „Zum Bei­spiel Archi­tek­tur­bü­ros oder The­ra­peu­ten“, sagt Dieck­hoff-Hübin­ger.

 

Unter­des­sen sorgt die Linie der Gemein­de für Dis­kus­si­ons­stoff. Uwe Stein­häu­ser, Kreis­tags­ab­ge­ord­ne­ter aus Diek­hol­zen und Mit­glied des KWG-Auf­sichts­rats, nennt das Vor­ge­hen der Kom­mu­ne „unver­ständ­lich und hek­tisch.“ Es gebe eigent­lich kei­nen Kon­flikt. „War­um jetzt Fron­ten auf­bau­en?“ Man kön­ne doch über die gewünsch­ten Punk­te ver­han­deln. KWG-Chef Mat­thi­as Kauf­mann kann sich die Hal­tung der Diek­holze­ner nicht erklä­ren: „Ich habe kei­ne Idee, war­um die Gemein­de dies tut.“

 

Mit dem The­ma wird sich der Gemein­de­rat in sei­ner nächs­ten Sit­zung am Mon­tag, 3. Dezem­ber, 18 Uhr, in der Diek­holze­ner Grund­schu­le befas­sen.

 

Kommentar

Von Alex­an­der Raths

Es ist ver­ständ­lich, dass die Gemein­de Diek­hol­zen alle Regis­ter zieht, um ein Bau­ge­biet auf dem ehe­ma­li­gen Kli­nik- Gelän­de zu ent­wi­ckeln, das aus ihrer Sicht nicht zu groß ist und wirk­lich zu Diek­hol­zen passt. Daher will die Kom­mu­ne nun die Flä­che kau­fen – und schöpft ihre juris­ti­schen Mög­lich­kei­ten aus. Der Zeit­punkt aber, das The­ma plötz­lich auf die Tages­ord­nung des Gemein­de­rats zu set­zen, wirkt zumin­dest unglück­lich. Die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft, die das Pro­jekt ent­wi­ckelt, hält sich mit Bewer­tun­gen in der Öffent­lich­keit bis­lang vor­nehm zurück. Die Gemein­de darf sich aber nicht wun­dern, wenn das Gan­ze dem Inves­tor dann doch übel auf­stößt.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 30. Novem­ber 2018

Veröffentlicht unter 2018