10. Dezember 2018

Gemeinde Diekholzen will Vorkaufsrecht wahrnehmen

Rat in Diekholzen folgt nicht der Linie des Landkreises und will sich selbst um das neue Baugebiet kümmern

Blick auf das Gelän­de „Am Bahn­berg“ mit Gebäu­den des Pfle­ge­heims und der ehe­ma­li­gen Lun­gen­kli­nik. Das neu ein­ge­teil­te Bau­ge­biet soll unter ande­rem grö­ße­re Abstän­de zum Wald vor­se­hen. FOTO: STUMPE

Von Hei­ko Stum­pe

DIEKHOLZEN. Mit gro­ßer Geschlos­sen­heit bei drei Abstim­mun­gen zum Neu­bau­ge­biet demons­trier­te der Diek­hol­zer Rat sei­ne Unzu­frie­den­heit mit dem Vor­ge­hen des Land­krei­ses. Ins­be­son­de­re an Land­rat Olaf Levo­nen wur­de Kri­tik laut. Die Gemein­de will ihr Vor­kaufs­recht für das Gebiet der ehe­ma­li­gen Lun­gen­kli­nik in Anspruch neh­men. Das hat der Ver­wal­tungs­aus­schuss am 22. Novem­ber ein­stim­mig beschlos­sen. Jetzt hat der Rat der Gemein­de nach­ge­zo­gen.

 

Aus dem ehe­ma­li­gen Kli­nik­grund­stück „Am Bahn­berg“ soll ein Bau­ge­biet wer­den. Die Kreis­wohn­bau-Gesell­schaft (KWG) hat­te dazu den Sie­ger­ent­wurf eines Wett­be­werbs öffent­lich gemacht – aller­dings bevor ihn der Rat der Gemein­de zur Beur­tei­lung bekom­men hat­te. Zum einen zeig­ten sich die Rats­mit­glie­der über die­ses Vor­ge­hen ver­är­gert, zum ande­ren bemän­gel­ten sie an dem Ent­wurf die unzu­rei­chen­de Anpas­sung an den Cha­rak­ter Diek­hol­zens. Bür­ger­meis­te­rin Bir­git Dieck­hoff-Hübin­ger hat­te in der Sit­zung einen Brief zitiert, in dem Land­rat Levo­nen anbie­tet, bei der nächs­ten Rats­sit­zung per­sön­lich anwe­send zu sein. Auch Mat­thi­as Kauf­mann, den KWG-Geschäfts­füh­rer, wol­le er mit­brin­gen.

 

Rats­herr Mat­thi­as Blu­dau konn­te sei­nen Unmut über das bis­he­ri­ge Vor­ge­hen des Land­krei­ses nicht ver­heh­len. „Der Rat ist zustän­dig. Er wur­de aber erst nach­träg­lich infor­miert“. Er kri­ti­sier­te zudem den Sie­ger­ent­wurf: „Diek­hol­zen braucht kei­nen stark ver­dich­te­ten Raum.“ Drei­stö­cki­ge Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser wür­den nicht in den Ort pas­sen. „Wir sind dafür, das Vor­kaufs­recht aus­zu­üben“, sag­te er für die SPD.

 

Für die Frak­ti­on der Unab­hän­gi­gen begrüß­te Chris­toph Gla­dos das Ange­bot des Land­ra­tes, in die Gemein­de zu kom­men, und nann­te es „längst über­fäl­lig“. Für die CDU zeig­te sich Kai Tylin­ski über­zeugt, mit der neu­en Vor­ge­hens­wei­se auf dem rich­ti­gen Weg zu sein. Mit der Bebau­ung am Bahn­berg gebe es „eine neue Mög­lich­keit, etwas für die Gemein­de zu tun.“ Weni­ger ver­söhn­lich zeig­te sich der Grü­nen-Rats­herr Richard Bruns: „Wir sind gelinkt wor­den. Der Land­rat hat nicht mit offe­nen Kar­ten gespielt.“ Die ver­dich­te­te Bebau­ung, wie von der KWG vor­ge­se­hen, kön­ne nicht akzep­tiert wer­den. „Der Land­kreis woll­te uns über­rum­peln. Wir wol­len aber kei­ne exklu­si­ven Luxus­woh­nun­gen.“ Mit dem Rats­be­schluss gäbe es jetzt ein Druck­mit­tel. Klaus Bar­tels, Bau­amts­lei­ter der Gemein­de, prä­sen­tier­te dem Orts­rat neue Plä­ne. Er wies dar­auf hin, dass vor kon­kre­ten Über­le­gun­gen zuerst der Flä­chen­nut­zungs­plan von 1977 geän­dert wer­den müs­se. Dort sei noch die „Son­der­bau­flä­che Kran­ken­haus“ aus­ge­wie­sen. Zudem beauf­trag­te der Rat das Büro Kel­ler aus Han­no­ver mit wei­te­ren Pla­nun­gen. Auch die „früh­zei­ti­ge Betei­li­gung der Öffent­lich­keit“ wur­de beschlos­sen.

 

Der vor­erst gro­be Plan der Gemein­de sieht vor, dass eine Flä­che für „nicht­stö­ren­des Gewer­be“ reser­viert bleibt. Auch soll das bis­he­ri­ge Ver­wal­tungs­ge­bäu­de der Kli­nik als Ver­an­stal­tungs­ort erhal­ten blei­ben.

 

Die Regen­was­ser­rück­hal­te­be­cken gilt es auf dem Gelän­de zu inte­grie­ren. Außer­dem ist ein 30-Meter-Grün­gür­tel zum Wald hin geplant und das Wohn­ge­biet soll eine zwei­te Zufahrt über die Stra­ße „Am hohen Turm“ erhal­ten. Das Alten- und Pfle­ge­heim wird bei den neu­en Pla­nun­gen nicht tan­giert. Es wird umplant. Auch ein noch zu pla­nen­der Krei­sel an der Ein­mün­dung zur Alfel­der Stra­ße soll in das Gesamt­pro­jekt mit ein­be­zo­gen wer­den.

 

Quel­le: Kehr­wie­der am Sonn­tag 08./09. Dezem­ber 2018

Veröffentlicht unter 2018