02. November 2015

Gemischte Wohnformen, Drogerie und ein Biomarkt: Baugesellschaften planen für das Mackensen-Areal

GBG, Kreiswohnbau und Beamten-Wohnungsverein schmieden Konzept für das ehemalige Kasernen-Gelände – und haben schon Kaufangebote vorlegt

Von Jan Fuhr­hop

Hil­des­heim. Wäh­rend auf dem Gelän­de der ehe­ma­li­gen Macken­sen- Kaser­ne sich der­zeit alles um den Betrieb der Flücht­lings-Not­un­ter­kunft dreht, berei­ten sich die drei hie­si­gen Woh­nungs­bau­ge­sell­schaf­ten auf die wei­te­re Ent­wick­lung des Are­als vor. Wie mehr­fach berich­tet, sol­len in dem Gebiet zwi­schen Sena­tor- Braun-Allee, Fran­ken­stra­ße, Bahn­li­nie und Gos­lar­scher Stra­ße bis zu 500 neue Woh­nun­gen sowie Gewer­be­im­mo­bi­li­en ent­ste­hen.

 

Die Gemein­nüt­zi­ge Bau­ge­sell­schaft (GBG), die Kreis­wohn­bau GmbH und der Beam­ten-Woh­nungs- Ver­ein (BWV) wol­len dort ger­ne inves­tie­ren und haben sich zusam­men­ge­tan, um ihre Vor­stel­lun­gen einer mög­li­chen Teil-Bebau­ung des Are­als zu kon­kre­ti­sie­ren und die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen zu beschleu­ni­gen. Die Plä­ne lie­gen seit eini­ger Zeit im Rat­haus vor. Bei Mit­glie­dern des Stadt­ent­wick­lungs­aus­schus­ses, die bereits Ein­blick erhal­ten haben, sol­len die Vor­stel­lun­gen der Bau­ge­sell­schaf­ten auf posi­ti­ve Reso­nanz gesto­ßen sein. Die GBG stün­de laut deren Geschäfts­füh­rer Jens Mahn­ken bereit, meh­re­re Gebäu­de mit 80 bis 100 Woh­nun­gen zu errich­ten, dar­un­ter soll auch eine Ser­vice- Wohn­an­la­ge für Senio­ren sein. Mit Hil­fe von Lan­des­zu­schüs­sen will die GBG zudem die Bau­kos­ten für einen Teil der Woh­nun­gen drü­cken, so dass sie spä­ter als Sozi­al­woh­nun­gen ver­mie­tet wer­den kön­nen. Wäh­rend die Kreis­wohn­bau eben­falls aus­schließ­lich in Wohn­ge­bäu­de, vor allem in Rei­hen­häu­ser für Fami­li­en, inves­tie­ren will, denkt man beim BWV zusätz­lich auch an den Bau von Gewer­be­im­mo­bi­li­en, die rund um die vor­ge­se­he­ne Frei­flä­che – eine Art Markt­platz – ent­ste­hen könn­ten. Die Plä­ne sind sogar schon sehr kon­kret, wie BWV-Vor­stand Wolf­gang Dress­ler im Gespräch mit dem KEHRWIEDER erläu­tert. Er ste­he in engem Kon­takt mit poten­zi­el­len Mie­tern, die Inter­es­se an dem Stand­ort bestä­tigt hät­ten: eine Dro­ge­rie­ket­te und ein Bio-Super­markt. Die Läden wür­den ins Erd­ge­schoss ein­zie­hen, in den obe­ren Eta­gen sieht der BWV in Koope­ra­ti­on mit der Dia­ko­nie Him­melst­hür inklu­si­ves Woh­nen vor. Als Part­ner für eine Tages­pfle­ge­ein­rich­tung und Betreu­tes Woh­nen ste­he die Cari­tas bereit, so Dress­ler.

 

Kreis­wohn­bau und GBG kön­nen sich dar­über hin­aus Inves­ti­tio­nen in Gebäu­de für „tem­po­rä­res Woh­nen“ vor­stel­len: tage- und wochen­wei­se zu mie­ten­de Woh­nun­gen und Zim­mer, zum Bei­spiel für Pati­en­ten, Ange­hö­ri­ge und Mit­ar­bei­ter des direkt gegen­über lie­gen­den Heli­os- Kli­ni­kums.

 

GBG-Chef Mahn­ken ist sich sicher, dass die abge­stimm­te Pla­nung der Bau­ge­sell­schaf­ten för­der­lich für die Ent­wick­lung des Gebiets ist. „Wir wol­len unse­ren Bei­trag dazu leis­ten, das Gan­ze vor­an­zu­brin­gen.“ Sein Kol­le­ge von der Kreis­wohn­bau ergänzt: „Dass sich die drei Bau­ge­sell­schaf­ten zusam­men­tun und ein run­des Kon­zept für das Gebiet vor­stel­len, ist eine glück­li­che Situa­ti­on für die Stadt.“

 

Dass ande­re Inter­es­sen­ten wegen des Vor­pre­schens des Tri­os Inter­es­se an dem Are­al ver­lie­ren, glaubt Mat­thi­as Kauf­mann indes nicht: „Es sind aber auch noch aus­rei­chend attrak­ti­ve Flä­chen frei, so dass sich kein Inves­tor aus­ge­grenzt füh­len muss. Im Gegen­teil: Das Vier­tel wird doch inter­es­san­ter, wenn schon Abschnit­te kon­kret ver­plant sind und man sicher sein kann, dass wirk­lich etwas pas­siert.“

 

In noch einer Sache sind sich Kauf­mann, Mahn­ken und auch Dress­ler abso­lut einig: Die Ost­stadt- Anbin­dung des geplan­ten Bau­ge­biets für Fuß­gän­ger und Fahr­rad­fah­rer müs­se unbe­dingt über die Goe­the­stra­ße erfol­gen. Wie mehr­fach berich­tet, gibt es in der Poli­tik nach wie vor unter­schied­li­che Mei­nun­gen dazu, auch weil sich eini­ge Goe­the­stra­ßen- Anwoh­ner vehe­ment gegen den Bahn­über­gang vor ihrer Haus­tür aus­ge­spro­chen haben. Man­che for­der­ten zuletzt, den Anschluss wei­ter süd­lich in der Gal­gen­berg­stra­ße ein­zu­rich­ten. Nach Über­zeu­gung der poten­zi­el­len Inves­to­ren kommt dies nicht in Betracht, die Anbin­dung in der Mit­te des Are­als sei Vor­aus­set­zung für eine erfolg­rei­che Ent­wick­lung, wie Kauf­mann erneut bekräf­tigt: „Ohne den Zugang über die Goe­the­stra­ße wäre das Bau­ge­biet von Anfang an von der Ost­stadt abge­schnit­ten. Bei allem Ver­ständ­nis für Beden­ken der direk­ten Anwoh­ner – aus unse­rer Sicht ist die Anbin­dung nur in der Goe­the­stra­ße sinn­voll und muss kom­men, wenn das neue Wohn­ge­biet attrak­tiv wer­den soll.“

 

Bis aber auf dem eins­ti­gen Bun­des­wehr- Gelän­de die ers­ten Gebäu­de ste­hen und tat­säch­lich Mie­ter ein­zie­hen kön­nen, wird noch viel Zeit ver­ge­hen. Nach der­zei­ti­gem Stand könn­ten frü­hes­tens Mit­te 2017 die ers­ten Bau­ar­bei­ten begin­nen, vor 2019 dürf­te das Gebiet kaum bewohnt sein – Jens Mahn­ken geht sogar von 2020 aus.

 

Ein Unsi­cher­heits­fak­tor in den Pla­nun­gen ist die Ent­wick­lung der Flücht­lings­kri­se. Das Land hat die alten Kaser­nen­ge­bäu­de von der Stadt als Not­un­ter­kunft ange­mie­tet, die Ver­trä­ge sehen deren Nut­zung bis maxi­mal Sep­tem­ber 2017 vor. Was aber, wenn das Land vor­her klar zu ver­ste­hen gibt, dass es die Gebäu­de noch län­ger als Unter­kunft für Flücht­lin­ge benö­tigt? Bleibt die Stadt dann hart und lässt den Ver­trag wie vor­ge­se­hen aus­lau­fen?

 

Dass es den Bau­ge­sell­schaf­ten trotz der unsi­che­ren Ver­hält­nis­se sehr ernst ist mit ihren Vor­schlä­gen, haben sie mit einem hand­fes­ten Ange­bot an die Stadt unter­mau­ert: Sie wür­den die ent­spre­chen­den Flä­chen schon jetzt kau­fen, obwohl sie frü­hes­tens Mit­te 2017 mit den Arbei­ten begin­nen könn­ten.

 

Quel­le: Kehr­wie­der am Sonn­tag, 01. Novem­ber 2015

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