15. April 2019

Insel-Café-Hausherr gegen kwg-Pläne

Gastronom findet Bauvorhaben an der Innerste zu groß – das Unternehmen hält dagegen

Auf dem Grund­stück Müh­len­stra­ße 23 (rote Mar­kie­rung) will die kwg einen drei­ge­schos­si­gen Gebäu­de­kom­plex bau­en – direkt gegen­über dem Insel-Café (rechts unten). FOTO: CHRIS GOSSMANN

Von Rai­ner Bre­da

Hil­des­heim. Gegen das Bau­vor­ha­ben der kwg in der Müh­len­stra­ße gibt es Wider­stand aus der Nach­bar­schaft. Bert­hold Jämm­rich, Eigen­tü­mer des Insel-Cafés, fin­det den geplan­ten Gebäu­de­kom­plex „zu hoch und zu wuch­tig“. Außer­dem wer­de das Vor­ha­ben dem Denk­mal­schutz für die benach­bar­te Mag­da­le­nen- Kir­che und deren frü­he­rem Klos­ter nicht gerecht. Die kwg müs­se das Pro­jekt abspe­cken, for­dert Jämm­rich. Kwg-Chef Mat­thi­as Kauf­mann weist das zurück: „Wir ori­en­tie­ren uns an der Umge­bung und haben das Pro­jekt extra an sie ange­passt.“ Die Stadt­ver­wal­tung prüft Jämm­richs Ein­wand und drei wei­te­re Ein­ga­ben gegen die Plä­ne, das letz­te Wort hat am 13. Mai die Poli­tik im Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss.

 

Bert­hold Jämm­rich und Fried­bert Lud­wig stu­die­ren die Plä­ne für das kwg-Vor­ha­ben. FOTOS: RAINER BREDA

Jämm­rich hat das Insel-Café knapp 30 Jah­re betrie­ben, 2018 haben er und sei­ne Frau Mar­ti­na das Geschäft an zwei Nach­fol­ger über­ge­ben. Das Café gehört dem 71- Jäh­ri­gen aber noch – und so ver­folgt er auf­merk­sam, was die kwg auf der ande­ren Sei­te der Inners­te vor­hat.

 

Dort liegt vis-a-vis sei­nes Lokals das Grund­stück Müh­len­stra­ße 23. Dar­auf steht das frü­he­re Pfarr­haus der Mag­da­le­nen-Gemein­de. Die Immo­bi­lie ist ver­waist, die kwg hat sie von der Kir­che erwor­ben. Die Bau­ge­sell­schaft will das Pfarr­haus abrei­ßen und auf der 1500-Qua­drat­me­ter-Flä­che einen Kom­plex mit zwölf alten­ge­rech­ten Woh­nun­gen errich­ten.

 

Der kwg-Chef Kauf­mann (rechts) und sein Mit­ar­bei­ter Mila­no Wer­ner zei­gen, was sie vor­ha­ben.

Sie ver­tei­len sich auf zwei drei­ge­schos­si­ge, mit­ein­an­der ver­bun­de­ne Gebäu­de, von denen eines genau gegen­über dem Insel-Café, neben der Mag­da­le­nen-Kir­che und dem frü­he­ren Klos­ter, ent­ste­hen soll. Genau das ist für Jämm­rich der Stein des Ansto­ßes: Das zwei­te, etwa 24 Meter brei­te Gebäu­de pas­se nicht in die Umge­bung, die kwg sol­le dar­auf ver­zich­ten. Andern­falls erwä­ge er eine Kla­ge gegen die Stadt, die das Vor­ha­ben durch eine Ände­rung des Bebau­ungs­plans ermög­li­chen will.

 

 

 

 

Als Nachbar will man, dass alles so bleibt, wie es ist.

Matthias Kaufmann, kwg-Geschäftsführer

 

Er kön­ne Jämm­richs Hal­tung nach­voll­zie­hen, sagt kwg-Chef Kauf­mann: „Als Nach­bar will man, dass alles so bleibt wie es ist.“ Doch das Grund­stück sei vor dem Zwei­ten Welt­krieg viel dich­ter bebaut gewe­sen als heu­te. In der Tat befand sich dort ein gro­ßes Fach­werk­haus, wie ein Foto aus den 1930er Jah­ren zeigt. Ein Ver­zicht auf das zwei­te Gebäu­de, das im Übri­gen kei­nes­wegs höher als das Mag­da­le­nen-Klos­ter sei, kom­me aus wirt­schaft­li­chen Grün­den nicht in Fra­ge.

 

Auf eine ande­re Kri­tik aus der Nach­bar­schaft will Kauf­mann dage­gen ein­ge­hen. So befürch­tet Fried­bert Lud­wig, der mit sei­ner Lebens­ge­fähr­tin Ant­je Claus in der Müh­len­stra­ße lebt, durch das kwg- Vor­ha­ben einen „Tun­nel-Effekt“ am Inners­te-Wehr – und damit deut­lich mehr Lärm. „Wir las­sen das von einem Exper­ten prü­fen und wer­den reagie­ren, wenn das nötig ist“, berich­tet Kauf­mann. Der muss ver­mut­lich weder vom Rat­haus noch von der Poli­tik in der Sache all­zu viel befürch­ten: Die Ver­wal­tung beglei­tet das Vor­ha­ben eng, im Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss gab es im Febru­ar viel Lob dafür. Was Jämm­rich aller­dings wohl kaum davon abhal­ten dürf­te, im Zwei­fel zu kla­gen.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 15. April 2019

 

Veröffentlicht unter 2019