27. November 2018

Kreis will Klimahaus – und kauft Gebäude für einen Euro

Hoheneggelser Villa soll Musterbeispiel für energetische Sanierung in denkmalgeschützten Gebäuden werden

Eine net­te alte Vil­la – und bald ein Mus­ter­haus für ener­ge­ti­sche Sanie­rung unter Denk­mal­schutz? Das Haus am alten Depo­nie­ge­län­de bei Hohen­eg­gel­sen. FOTO: WERNER KAISER

Von Tarek Abu Aja­mieh

Hohen­eg­gel­sen. Die Plä­ne, aus der Vil­la auf dem ehe­ma­li­gen Depo­nie- Gelän­de bei Hohen­eg­gel­sen ein soge­nann­tes Kli­ma­haus zu machen, neh­men Gestalt an: Der Land­kreis will dem Land Nie­der­sach­sen die Immo­bi­lie in der Nähe des Bahn­hofs für den sym­bo­li­schen Preis von einem Euro abkau­fen und zu einem Mus­ter­bei­spiel für die ener­ge­ti­sche Sanie­rung denk­mal­ge­schütz­ter Häu­ser machen. Fach­leu­te spre­chen von einem „Real­la­bor“, in dem nicht simu­liert, son­dern an einem ech­ten Objekt gear­bei­tet wird. Als ein Vor­bild gilt der „Ener­gie Cam­pus“ im nord­rhein-west­fä­li­schen Jülich.

 

Vie­le Details sind noch unklar, doch ein gro­ber Rah­men steht – und in Kür­ze will der Kreis Fak­ten schaf­fen. Das geht aus einem aktu­el­len Beschluss­vor­schlag der Kreis­ver­wal­tung her­vor, der am nächs­ten Don­ners­tag zunächst im Umwelt­aus­schuss dis­ku­tiert wird, ehe am 6. Dezem­ber im Kreis­tag die end­gül­ti­ge Ent­schei­dung fal­len soll. Dabei geht es nicht nur um die Über­nah­me von Vil­la und Park­platz, son­dern auch um 50 000 Euro, mit denen sich der Land­kreis am Umbau des Gebäu­des betei­li­gen soll.

 

Außer­dem soll ein detail­lier­tes Kon­zept dafür her, was in dem „Kli­ma­haus“ gesche­hen soll und wer das macht. Dar­an sol­len neben dem Land­kreis selbst auch das nie­der­säch­si­sche Umwelt­mi­nis­te­ri­um, die Kli­ma­schutz- und Ener­gie­agen­tur Nie­der­sach­sen, die Kli­ma­schutz- Agen­tur Hil­des­heim-Pei­ne und wei­te­re regio­na­le Part­ner mit­wir­ken. Der Kreis will unter ande­rem auch die Woh­nungs­bau-Gesell­schaft KWG mit ins Boot – bezie­hungs­wei­se ins Haus – holen.

 

Die Idee eines Kli­ma­hau­ses geht auf den SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Bernd West­phal zurück, der im Janu­ar 2017 erklärt hat­te, ein sol­ches Pro­jekt stün­de dem Land­kreis gut zu Gesicht. Dar­auf­hin hat­te der Söhl­der UWG-Rats­herr und frü­he­re Ober­schul-Rek­tor Uwe Mein­hardt das Gebäu­de an der Nord­ost­ecke des Hohen­eg­gel­ser Depo­nie-Gelän­de ins Gespräch gebracht. Vor einem Jahr besuch­te Nie­der­sach­sens Umwelt­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) das Gebäu­de. Und ver­sprach ange­sichts vie­ler poten­zi­el­ler Unter­stüt­zer aus Poli­tik, Ver­wal­tung, Schu­len, Ver­ei­nen und Bür­ger­schaft, die zu dem Ter­min kamen, Hil­fe aus Han­no­ver.

 

Dem Land­kreis schwebt nun vor, in dem Gebäu­de unter ande­rem opti­ma­le Ener­gie­er­zeu­gung und deren Nut­zung erfor­schen zu las­sen. Wär­me­pum­pen, eine Lüf­tungs­an­la­ge mit Wär­me­rück­ge­win­nung, eine Pho­to­vol­ta­ik-Anla­ge, Regen­was­ser- Nut­zung, Strom­spei­cher und eine Lade­sta­ti­on für E-Autos ste­hen unter ande­rem auf dem Prüf­stand. Dabei sol­len Ener­gie­er­zeu­ger, Bau­hand­wer­ker und Hoch­schu­len zusam­men­ar­bei­ten und im Echt­be­trieb ver­schie­de­ne Lösun­gen dar­auf­hin tes­ten, wel­che ener­ge­tisch und finan­zi­ell am bes­ten passt. Davon sol­len nicht zuletzt Besit­zer denk­mal­ge­schütz­ter Immo­bi­li­en in der Regi­on pro­fi­tie­ren, die eine ener­ge­ti­sche Sanie­rung ihrer Gebäu­de pla­nen. Der­zeit ste­hen in Stadt und Land­kreis Hil­des­heim rund 4400 Gebäu­de unter Denk­mal­schutz

 

Info

Der Umwelt­aus­schuss des Kreis­ta­ges tagt am Don­ners­tag, 29. Novem­ber, um 16 Uhr im klei­nen Sit­zungs­saal des Kreis­hau­ses in der Bischof-Jans­sen- Stra­ße 31 in Hil­des­heim.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 27.11.2018

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