13. Dezember 2018

Kreiswohnbau-Chef greift Bürgermeisterin an

Ärger um das Ex-Gelände der Lungenklinik: Gemeinde Diekholzen will Vorkaufsrecht nutzen – und erntet nun Kritik der Baugebiet-Planer

Mat­thi­as Kauf­mann, Geschäfts­füh­rer der Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft (KWG), rich­tet einen offe­nen Brief an Bir­git Dieck­hoff-Hübin­ger, Ver­wal­tungs­chefin der Gemein­de Diek­hol­zen. Im Brenn­punkt: die Zukunft des ehe­ma­li­gen Kli­nik­ge­län­des in Diek­hol­zen. FOTOS: WERNER KAISER/ARCHIV

Von Alex­an­der Raths

Diek­hol­zen. Er sei „per­sön­lich ent­täuscht“, die Diek­holze­ner Bür­ger­meis­te­rin habe sich „unfair“ ver­hal­ten, eine „part­ner­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit“ sehe anders aus. Nach Jah­ren des Ein­ver­neh­mens der Gemein­de mit der Kreis­woh­nungs­bau­ge­sell­schaft (KWG) fährt deren Chef Mat­thi­as Kauf­mann nun schwe­re Geschüt­ze auf. Er hat ges­tern einen offe­nen Brief an Ver­wal­tungs­chefin Bir­git Dieck­hoff-Hübin­ger gerich­tet. Hin­ter­grund ist ein Kon­flikt um ein von der KWG geplan­tes Bau­ge­biet, das aus dem frü­he­ren Gelän­de der Lun­gen­kli­nik ent­ste­hen soll. Was Kauf­mann moniert: Die Bür­ger­meis­te­rin erwe­cke den Ein­druck, dass die KWG die Gemein­de bei den Plä­nen des Bau­ge­biets nicht betei­ligt habe.

 

Mit einem Vor­kaufs­recht will die Gemein­de wie berich­tet Druck machen, damit das Gebiet auf dem frü­he­ren Gelän­de nach ihren Vor­stel­lun­gen ent­wi­ckelt wird. Unter ande­rem soll es deut­lich klei­ner wer­den. Zuvor war von bis zu 160 Woh­nun­gen in gut 50 Häu­sern auf dem Are­al „Am Bahn­berg“ die Rede. Doch die Gemein­de will, dass nur ein Drit­tel bebaut wird. Des­halb nutzt sie die recht­li­che Opti­on des Vor­kaufs­rechts – mit Zustim­mung des Gemein­de­ra­tes. Noch gehört die alte Kli­nik-Flä­che dem Heli­os- Kon­zern, auch der Land­kreis hat­te an ihr Inter­es­se ange­mel­det. Und nun sorgt der offe­ne Brief der KWG für Dis­kus­si­ons­stoff, die sich in die­ser Fra­ge bis­her in der Öffent­lich­keit eher zurück­ge­hal­ten hat­te.

 

"Gelinde gesagt – unverschämt“

Mat­thi­as Kauf­mann, KWG-Geschäfts­füh­rer

 

Dass die Gemein­de ihre juris­ti­schen Mög­lich­kei­ten aus­schöpft, respek­tiert Kauf­mann. Was ihn aber ärgert: „Die Bür­ger­meis­te­rin erweckt den Ein­druck, dass die KWG die Gemein­de nicht an der Pla­nung und dem Ide­en­wett­be­werb zu dem Pro­jekt betei­ligt habe.“ Auch habe es den Anschein, als sei die Kom­mu­ne nicht recht­zei­tig und umfas­send von den Bau­ge­biets­plä­nen infor­miert gewe­sen. Das Gegen­teil ist laut Kauf­mann der Fall. „Alles war abge­stimmt.“ Das Unter­neh­men sei stets „offen und kom­mu­ni­ka­tiv“ gegen­über der Kom­mu­ne gewe­sen. Kauf­mann sieht die KWG „unver­schämt behan­delt“, wie er gegen­über der HAZ betont. „Der Gemein­de wur­de nichts über­ge­stülpt und sie wur­de auch nicht über den Tisch gezo­gen“, meint auch KWG-Auf­sichts­rats­chef Klaus Bru­er.

 

Kauf­mann hebt zudem im Gespräch mit der HAZ her­vor, dass die Dimen­si­on des Gebie­tes ohne­hin ver­han­del­bar sei. Und er setzt auch noch auf eine wei­te­re Zusam­men­ar­beit mit der Gemein­de, ver­langt aber, dass die Bür­ger­meis­te­rin die Din­ge „rich­tig stellt“ – und der KWG kei­ne Ver­säum­nis­se in ihrer Infor­ma­ti­ons­po­li­tik unter­stellt wer­den. Es sei Sache der Bür­ger­meis­te­rin gewe­sen, den Gemein­de­rat auf dem Lau­fen­den zu hal­ten. Rats­mit­glie­der hat­ten wie berich­tet ihren Unmut geäu­ßert, zu spät vom favo­ri­sier­ten Ent­wurf des Bau­pro­jekts erfah­ren zu haben.

 

Dieck­hoff-Hübin­ger woll­te sich zu dem Brief ges­tern Nach­mit­tag noch nicht näher äußern. Der Rat sei aber stets recht­zei­tig infor­miert wor­den. Sie zählt über­dies wei­ter auf ein Gespräch mit Land­rat Olaf Levo­nen, um eine Lösung zu fin­den. „Wir kön­nen auf­ein­an­der zuge­hen. Es gibt Mög­lich­kei­ten.“ Die sieht Kauf­mann trotz sei­nes Ärgers eben­falls: „Ich will mit dem Pro­jekt wei­ter­ma­chen.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 13. Dezem­ber 2018

Veröffentlicht unter 2018