19. August 2016

Sarstedt bekommt fünftes Hochhaus am Kipphut

Kreiswohnbau will Gebäude mit 26 Wohnungen errichten / Senioren bekommen gesondertes Angebot im Erdgeschoss

So stellt sich der Architekt den neuen Kipphut-Bau vor, im Hintergrund eines der bestehenden Gebäude.

So stellt sich der Archi­tekt den neu­en Kipp­hut-Bau vor, im Hin­ter­grund eines der bestehen­den Gebäu­de.

Von Sebas­ti­an Knop­pik

SARSTEDT. Das Wahr­zei­chen der Stadt wird erwei­tert: Die Kreis­wohn­bau will am Kipp­hut ein fünf­tes Hoch­haus mit 26 Woh­nun­gen bau­en. Am Mitt­woch­abend stell­te Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann die Plä­ne erst­mals im Stadt­ent­wick­lungs­aus­schuss vor. Er ern­te­te von den Poli­ti­kern nicht nur Zustim­mung.

 

Mit dem zusätz­li­chen Gebäu­de will die Kreis­wohn­bau natür­lich auf die hohe Nach­fra­ge nach Woh­nun­gen in der Stadt reagie­ren. Freie Woh­nun­gen in den Häu­sern der Kreis­wohn­bau gibt es der­zeit prak­tisch nicht. „Wir sind voll“, fass­te es Kauf­mann zusam­men. Das Unter­neh­men, an dem auch die Stadt Sar­stedt betei­ligt ist, hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon in neue Woh­nun­gen in der Stadt inves­tiert. Mit den bei­den Argen­tum-Häu­sern wur­den aber vor allem Woh­nun­gen für Senio­ren mit höhe­rem Ein­kom­men geschaf­fen.

 

Vor allem knapp ist aber nach wie vor güns­ti­ger Wohn­raum. Der soll nun in dem geplan­ten Hoch­haus am Kipp­hut ent­ste­hen. Wobei es sich nach Anga­ben von Geschäfts­füh­rer Kauf­mann per Defi­ni­ti­on gar nicht um ein Hoch­haus han­delt. „Rein for­mal ist es ein hohes Haus, aber kein Hoch­haus.“

 

Was in Deutsch­land ein Hoch­haus ist, wird in der „Hoch­haus­rich­t­li­nie“ defi­niert. „Hoch­häu­ser sind Gebäu­de, bei denen der Fuß­bo­den min­des­tens eines Auf­ent­halts­rau­mes mehr als 22 Meter über der fest­ge­leg­ten Gelän­de­ober­flä­che liegt“, heißt es dort. Das neue Gebäu­de wird laut Kauf­mann etwa 24 Meter hoch sein, etwa 2,50 Meter weni­ger als die alten Kipp­hut-Gebäu­de aus den 60er Jah­ren.

 

Das Gebäu­de soll auf einem Grund­stück ent­ste­hen, das der­zeit noch als Spiel­platz genutzt wird und zwi­schen zwei Gara­gen­zei­len liegt. Die­ser Spiel­platz soll nach dem Wil­len der Kreis­wohn­bau auf das Nach­bar­grund­stück ver­legt wer­den. Ins­ge­samt acht Eta­gen soll das neue Gebäu­de haben. Par­ken sol­len die Bewoh­ner in einer Tief­ga­ra­ge unter dem Haus, von wo sie dann per Auf­zug und ohne eine ein­zi­ge Trep­pen­stu­fe über­win­den zu müs­sen, in ihre Woh­nun­gen gelan­gen kön­nen.

 

Im Erd­ge­schoss des Gebäu­des soll ein „nied­rig­schwel­li­ges Pfle­ge­an­ge­bot“ ent­ste­hen. Eine Wohn­grup­pe für 12 bis 15 pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen, die noch mög­lichst selbst­be­stimmt leben wol­len, aber den­noch Unter­stüt­zung brau­chen. Sie­ben Tage in der Woche und 24 Stun­den am Tag wird min­des­tens ein Mit­ar­bei­ter für die Bewoh­ner zur Ver­fü­gung ste­hen. Die Kreis­wohn­bau will hier mit einem Wohl­fahrts­ver­band zusam­men­ar­bei­ten.

 

In den übri­gen Eta­gen sol­len ganz nor­ma­le Woh­nun­gen ent­ste­hen, nach der­zei­ti­gem Stand 26. Wie hoch die Mie­te sein wird, steht laut Kauf­mann eben­so fest wie die Bau­kos­ten.

 

SPD-Frak­ti­ons­chef Karl-Heinz Esser ist nach eige­nen Anga­ben „begeis­tert“ von den Plä­nen. Er sieht die­se auch als Ergeb­nis des Antrags sei­ner Mehr­heits­grup­pe zur soge­nann­ten Innen­ver­dich­tung, also zur Schaf­fung zusätz­li­chen Wohn­raums durch das Schlie­ßen von Bau­lü­cken. Das neue Kipp­hut-Gebäu­de füge sich „har­mo­nisch in das bestehen­de Bild ein“. Es sei die „Fort­set­zung eines vor­han­de­nen Kon­ti­nu­ums“.

 

Völ­lig anders sieht die Sache Wolf­gang Jäckel von der CDU. „Ich bin gegen die­se Art der Bebau­ung“, stell­te er klar. In den 60er und 70er Jah­ren sei durch den Bau von Hoch­haus­sied­lun­gen wie den Kipp­hut „Schind­lu­der getrie­ben wor­den“ und dadurch „der Cha­rak­ter des klei­nen Sar­stedt kaputt gemacht wor­den“, fin­det Jäckel, der von „gro­ßen, banau­sen­haf­ten Häu­sern“ sprach: „Ich hof­fe, dass wir nicht den glei­chen Feh­ler wie in den 60er Jah­ren machen.“

 

Kauf­man wies die Befürch­tun­gen zurück. Er sieht die Kipp­hut-Häu­ser posi­tiv: „Ich fin­de, sie sind auch ein Wahr­zei­chen der Stadt, und kein nega­ti­ves.“ Höhe­re Gebäu­de wür­den zudem „ein Come­back erle­ben“.

 

Auch Bür­ger­meis­te­rin Hei­ke Bren­ne­cke war nach eige­nen Anga­ben zunächst skep­tisch. Doch nach­dem sie die Ent­wür­fe gese­hen hat­te, änder­te sich ihre Mei­nung. Es han­de­le sich um einen „schi­cken, moder­nen Bau“, fin­det die Ver­wal­tungs­chefin.

 

CDU-Aus­schuss­mit­glied Wil­fried Tött­ger kün­dig­te an, dass sich sei­ne Frak­ti­on, nach­dem nun die Ent­wür­fe vor­ge­stellt wur­den, noch ein­mal mit dem The­ma befas­sen wer­de. Der Aus­schuss stimm­te mehr­heit­lich für den Auf­stel­lungs­be­schluss der für das Pro­jekt nöti­gen Ände­rung des Bebau­ungs­plans. Laut Kauf­mann soll das Pro­jekt in den nächs­ten zwei­ein­halb Jah­ren umge­setzt wer­den.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 19. August 2016

Veröffentlicht unter 2016