02. Juni 2016

Sie sichern die Zukunft der VHS

Volkshochschule wird für 3,2 Millionen Euro modernisiert / Keine Kurse im Mehrgenerationenhaus

von Man­fred Hüt­te­mann

Hil­des­heim. Gemein­sam sind wir stark: Die­ses Mot­to haben sich Stadt und Land­kreis, Volks­hoch­schu­le (VHS) sowie die kom­mu­na­len Woh­nungs­ge­sell­schaf­ten gbg und Kreis­wohn­bau (KWH) auf ihre Fah­nen geschrie­ben, um den jähr­lich bis zu 40 000 Kun­den der VHS auf Dau­er ein attrak­ti­ves Bil­dungs- und Kul­tur­zen­trum bie­ten zu kön­nen. Das jet­zi­ge Gebäu­de soll für 3,2 Mil­lio­nen Euro saniert und moder­ni­siert wer­den. Bau­be­ginn ist im Sep­tem­ber.

 

Nur weil alle Sei­ten an einem Strang zie­hen, wer­de der Umbau rea­li­sier­bar. Das beto­nen VHS-Geschäfts­füh­re­rin Mar­git­ta Rudolph, Ober­bür­ger­meis­ter Ingo Mey­er, Land­rat Rei­ner Weg­ner, gbg-Vor­stand Jens Mahn­ken und KWH-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann.

 

Die Erwach­se­nen­bil­dungs­ein­rich­tung am Pfaf­fen­stieg liegt im Her­zen der Stadt. Fünf Bus­li­ni­en hal­ten direkt vor der Tür. Die idea­le Lage ist ein guter Grund, um in das 120 Jah­re alte Gebäu­de zu inves­tie­ren. Das ist die Grund­la­ge, um durch funk­tio­na­le Ver­bes­se­run­gen, den Ein­bau neus­ter Tech­nik, Anfor­de­run­gen an Sicher­heit, Brand­schutz und ans Ener­gie­spa­ren die Bil­dungs­an­ge­bo­te der VHS aus­zu­bau­en und den Nut­zern ein neu­es, ange­neh­mes „Lern­ge­fühl“ bie­ten zu kön­nen.

 

Die Arbei­ten erfor­dern in etwa ein Jahr. Die VHS setzt ihren Betrieb in die­ser Zeit mit Ein­schrän­kun­gen fort.

 

Das kos­tet Geld. Geld, das Stadt, Land­kreis und VHS eigent­lich nicht haben. Nach inten­si­ven Ver­hand­lun­gen haben sich alle Sei­ten nun auf eine Lösung ver­stän­digt. Mög­lich wird dies durch gbg und Kreis­wohn­bau. Sie haben eine „Pro­jekt­Bau Hil­des­heim GmbH & Co. OHG“ gegrün­det, um zum Erhalt städ­ti­scher Infra­struk­tur bei­zu­tra­gen. Wie Weg­ner sagt, habe man auch ande­re Lösun­gen geprüft, etwa mit der Spar­kas­se. Das Modell habe sich aber bei Kos­ten von 7,5 Mil­lio­nen Euro als nicht rea­li­sier­bar erwie­sen.

 

Die „Pro­jekt­Bau“ trägt die Umbau­kos­ten von 3,2 Mil­lio­nen Euro und ver­mie­tet das Gebäu­de für 29 Jah­re an die VHS. „Es ist eine kos­ten­de­cken­de Pacht. Kreis­wohn­bau und gbg ver­die­nen nichts dar­an, dür­fen aber auch nichts drauf­le­gen, um die Mut­ter­ge­sell­schaf­ten nicht zu schwä­chen“, betont Mahn­ken. Der kauf­män­ni­sche Part liegt bei der gbg, der Bereich Tech­nik bei der Kreis­wohn­bau. Das Per­so­nal stel­len bei­de Unter­neh­men. Archi­tekt ist Mat­thi­as Jung. Finan­zi­ell basiert das Kon­strukt auf den Säu­len Stadt, Land­kreis und VHS. Die Stadt hat ihr Schul­ge­bäu­de für einen sym­bo­li­schen Euro an die Wein­ha­gen-Stif­tung, die Eigen­tü­me­rin des Grund­stücks, über­tra­gen. Dazu kommt ein indi­rek­ter jähr­li­cher Betriebs­kos­ten­zu­schuss der Stadt von 300 000 Euro. Der Land­kreis stockt sei­nen jähr­li­chen Bei­trag zur Erwach­se­nen­bil­dung von bis­her 700 000 Euro um 75 000 Euro auf.

 

Die VHS muss mit Ein­spa­run­gen in nicht genann­ter Höhe ihren Bei­trag leis­ten. Nach dem Umbau ent­fal­len nach den Wor­ten Rudolphs drei klei­ne Stand­or­te in der Stadt sowie das Mehr­ge­nera­tio­nen­haus für Kurs­an­ge­bo­te. Das spart Kos­ten und bringt Syn­er­gie­ef­fek­te. Dazu sichern die Gebüh­ren der Teil­neh­mer und Zuschüs­se des Lan­des den Betrieb.

 

Die Volks­hoch­schu­le habe für den Bil­dungs­be­reich in Stadt und Land­kreis eine „her­aus­ra­gen­de Bedeu­tung“. Sie sol­le mit einem zen­tra­len und moder­nen Gebäu­de ihr Bil­dungs­an­ge­bot für alle Bür­ger dau­er­haft stär­ken. Das unter­strei­chen Ober­bür­ger­meis­ter und Land­rat mit Blick auf 2 500 Kur­se pro Jahr, 3 500 Men­schen, die dort die deut­sche Spra­che erler­nen und 150 Bür­ger, die über die VHS ihre Abschlüs­se von Haupt­schu­le bis Abitur nach­ho­len.

 

Neben den Sanie­rungs­ar­bei­ten will Archi­tekt Jung Fens­ter und Dach ener­ge­tisch ver­bes­sern, den Brand­schutz opti­mie­ren und alle Gebäu­de­tei­le durch einen zwei­ten Auf­zug bar­rie­re­frei erschlie­ßen. Von der Burg­stra­ße aus ist ein eige­ner Park­platz für die VHS geplant.

 

Kommentar von Manfred Hüttemann

Ist es Auf­ga­be der kom­mu­na­len Woh­nungs­un­ter­neh­men gbg und Kreis­wohn­bau, das Gebäu­de der Volks­hoch­schu­le zu über­neh­men und es zu sanie­ren, statt sich allein auf ihre urei­gens­te Auf­ga­be zu kon­zen­trie­ren, näm­lich den Bür­gern bezahl­ba­re Woh­nun­gen zu bie­ten?

Die Ant­wort ist klar: Stadt und Land­kreis allein kön­nen für die VHS kei­ne zukunfts­ori­en­tier­te Lösung schaf­fen. Ihnen fehlt es an der finan­zi­el­len Aus­stat­tung, der Krea­ti­vi­tät und bau­li­chen Fach­kom­pe­tenz eines moder­nen Unter­neh­mens.

gbg und Kreis­wohn­bau stel­len sich der Ver­ant­wor­tung gegen­über ihren Mut­ter­kon­zer­nen und neh­men die Mehr­ar­beit an, um Stadt und Kreis zum Woh­le der Bür­ger unter die Arme zu grei­fen. Gut so, denn eine gut funk­tio­nie­ren­de Bil­dungs­ein­rich­tung wie die VHS ist wich­ti­ger denn je für unse­re Gesell­schaft.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 02. Juni 2016

Veröffentlicht unter 2016