01. Mai 2011

Vorauseilender Ungehorsam

Ob „Street View“ je nach Hildesheim kommt, ist offen – Kreiswohnbau bringt sich dennoch in Stellung

Land­kreis. Apple, Goog­le, Sony – die Nach­rich­ten über den Miss­brauch von Kun­den­da­ten neh­men kein Ende. Wäh­rend Apple-Gerä­te wie das iPho­ne und das iPad angeb­lich Bewe­gungs­pro­fi­le ihrer Nut­zer erstel­len und bei Sony sen­si­ble Kun­den­da­ten von soge­nann­ten Hackern gestoh­len wur­den, gilt Goog­le schon län­ger als Kon­zern, der die Infor­ma­ti­ons-All­macht anstrebt. Über die Zukunft des Diens­tes Goog­le Street View waren zuletzt wider­sprüch­li­che Mel­dun­gen im Umlauf. Gleich­wohl will sich die Kreis­wohn­bau Hil­des­heim als ers­tes Woh­nungs­un­ter­neh­men in Stadt und Land­kreis Hil­des­heim des The­mas anneh­men und sei­nen Mie­tern Hil­fe­stel­lung beim Unkennt­lich­ma­chen ihrer Woh­nun­gen geben.

 

Vorauseilender Ungehorsam

Daten­schutz­be­auf­trag­ter Jörn Lan­clée (l.) und Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann wol­len die Kreis­wohn­bau- Mie­ter vor Goog­le Street View schüt­zen. Vor dem iPho­ne (vorn) muss sich jeder selbst schüt­zen. Foto: Lothar Veit/Kehrwieder am Sonn­tag

Street-View-Auto

Im Moment sind die Street-View-Autos wie­der unter­wegs – angeb­lich aber nur, um die Kar­ten von Goog­le Maps zu ver­bes­sern. Foto: Goog­le-Pres­se­fo­to

Der Ver­such, Goog­le die Abbil­dung der Kreis­wohn­bau-Objek­te gene­rell zu unter­sa­gen, war zuvor geschei­tert. Ent­spre­chen­de Anträ­ge dürf­ten nur „natür­li­che Per­so­nen“ stel­len, so Goog­le – also jeder ein­zel­ne Mie­ter. Die Kreis­wohn­bau als Unter­neh­men ist im Behör­den­deutsch hin­ge­gen eine „juris­ti­sche Per­son“. Die Kreis­wohn­bau kön­ne aber „in Stell­ver­tre­tung“ für natür­li­che Per­so­nen han­deln, schreibt die deut­sche Goog­le- Außen­stel­le. Genau das will Kreis­wohn­bau- Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann jetzt in Angriff neh­men. Im nächs­ten Kun­den­ma­ga­zin, das an alle 4.400 Mie­ter ver­teilt wird, soll ein Vor­druck ent­hal­ten sein, mit denen die Mie­ter die Kreis­wohn­bau ermäch­ti­gen kön­nen, bei Goog­le das Unkennt­lich­ma­chen ihrer Woh­nung zu bean­tra­gen.

 

Dabei ist völ­lig unklar, wann und ob Hil­des­heim und Umge­bung über­haupt bei Street View erschei­nen. Im Novem­ber begann Goog­le damit, die 20 größ­ten Städ­te in Deutsch­land, dar­un­ter Han­no­ver, im Netz abzu­bil­den. Bis Ende Mai sol­len die Autos mit den auf­ge­setz­ten Kame­ras zwar erneut unter­wegs sein – auch Hil­des­heim steht auf der nicht näher ter­mi­nier­ten Rei­se­rou­te. Laut Goog­le sol­len damit aber ledig­lich die Kar­ten für die Navi­ga­ti­on des Diens­tes Goog­le Maps ver­bes­sert wer­den. „Wir haben der­zeit kei­ne Plä­ne, die auf­ge­nom­me­nen Bil­der in Street View dar­zu­stel­len“, so Rapha­el Lei­teritz, Pro­dukt-Mana­ger bei Goog­le Maps.

 

In der Netz­ge­mein­de begann dar­auf­hin die Gerüch­te­kü­che zu bro­deln. Man­chei­ner ver­mu­te­te, Goog­le sei wegen der anhal­ten­den Pro­tes­te von Poli­ti­kern, Daten­schüt­zern und Haus­be­sit­zern die Lust an einem deut­schen Street-View-Pro­jekt ver­gan­gen. Rund 244.000 Deut­sche hat­ten bean­tragt, ihre Häu­ser unkennt­lich zu machen. Ande­re Fach­leu­te ver­mu­ten wie­der­um, Goog­le pau­sie­re, um abzu­war­ten, wel­che Stra­te­gie der Kon­kur­rent Micro­soft ver­folgt. Micro­soft plant mit Bing Maps Streets­ide einen eige­nen Dienst und schickt sei­ne Kame­ra-Autos ab dem 9. Mai zunächst nach Nürn­berg, Fürth, Erlan­gen und Augs­burg.

 

Die Kreis­wohn­bau hat mit ihrer kri­ti­schen Hal­tung aller­dings nicht nur das Wohl der Mie­ter, son­dern auch die eige­nen Geschäfts­in­ter­es­sen im Blick. „Nach­her fährt das Goog­le-Auto aus­ge­rech­net dann an einem unse­rer Objek­te vor­bei, wenn davor eine Bau­stel­le ist. Dann steht das so zehn Jah­re im Inter­net“, nennt Kauf­mann ein Bei­spiel. Der Beam­ten- Woh­nungs-Ver­ein (BWV) und die Gemein­nüt­zi­ge Bau­ge­sell­schaft GBG haben dage­gen noch kei­ne Schrit­te ein­ge­lei­tet. „Es gibt bis­lang auch kei­ne Kun­den­nach­fra­gen“, sagt Lars Mey­er vom BWV. GBG-Spre­cher Frank Satow erklärt, man habe im Zuge des Starts von Goog­le Street View in Han­no­ver zwar über das The­ma gespro­chen, sehe aber noch kei­nen Hand­lungs­be­darf.

 

Quel­le: Kehr­wie­der am Sonn­tag, 01. Mai 2011

Veröffentlicht unter 2011

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