02. Juni 2016

Wieder mehr Menschen im Landkreis

Flüchtlinge und Babyboom: Die Talsohle ist beim Bevölkerungsrückgang vorerst durchschritten

von Tarek Abu Aja­mieh

Kreis Hil­des­heim. Der Land­kreis Hil­des­heim hat offen­bar eine Trend­wen­de geschafft: Erst­mals seit vie­len Jah­ren ist die Ein­woh­ner­zahl leicht gestie­gen. Moto­ren die­ser Ent­wick­lung sind vor allem die drei größ­ten Städ­te der Regi­on. Dabei lie­fern sich Alfeld und Sar­stedt inzwi­schen ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen um den Sta­tus der zweit­größ­ten Kom­mu­ne.

 

Die gro­ße Mehr­heit der Gemein­den ver­bucht wei­ter sin­ken­de Ein­woh­ner­zah­len – aller­dings ist der Rück­gang viel­fach nicht mehr so rapi­de. Aus­lö­ser dürf­te vor allem der Zuzug von Flücht­lin­gen sein. Hin­zu kommt, dass in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wie­der mehr Babys in der Regi­on gebo­ren wur­den. Da die aktu­ells­ten Zah­len vom ver­gan­ge­nen Herbst stam­men, dürf­te sich die­ser Effekt noch ver­stär­ken.

 

Seit der Jahr­tau­send­wen­de war die Bevöl­ke­rung ste­tig zurück­ge­gan­gen: Von Jahr 2000 bis 2015 ging die Ein­woh­ner­zahl um gut 15 000 zurück, der Land­kreis ver­lor sozu­sa­gen eine gan­ze Klein­stadt. 292 000 Men­schen leb­ten sei­ner­zeit in der Regi­on, jetzt sind es noch gut 275 000.

 

HiAZ_02.06.16_Landkreisbevölkerung wächst_StatistikDoch die Tal­soh­le scheint durch­schrit­ten. Das legen die neu­es­ten Zah­len des Lan­des­am­tes für Sta­tis­tik nahe. Am 30. Sep­tem­ber 2015 hat­te der Land­kreis dem­nach genau 275 027 Ein­woh­ner – und damit zwar gut 8000 weni­ger als vor fünf Jah­ren, aber 658 mehr als genau ein Jahr zuvor. Auch in den Nach­bar­kom­mu­nen Hohen­ha­meln und Bad­de­cken­s­tedt schlägt sich die­ser Trend nie­der (sie­he Tabel­le). Dabei wird das Plus von fünf der 19 Kom­mu­nen getra­gen: Die Städ­te Hil­des­heim, Alfeld und Sar­stedt ver­bu­chen in Rela­ti­on zu ihrer Grö­ße erheb­li­che Zuwäch­se, mini­mal mehr Ein­woh­ner haben die­ser Sta­tis­tik zufol­ge auch Söhl­de und Schel­ler­ten. In vie­len ande­ren Kom­mu­nen gibt es zwar noch ein Minus, doch schrei­tet der Schwund weni­ger schnell vor­an als in den Jah­ren zuvor. Bei­spie­le hier­für sind unter ande­rem Bad Salz­detfurth, Gro­nau, Nordstem­men, Hol­le und Duin­gen.

 

Dass sich etwas ver­än­dert hat, macht der Fünf-Jah­res-Ver­gleich deut­lich: Von 2010 bis 2015 durf­te sich nur eine ein­zi­ge Kom­mu­ne im Land­kreis Hil­des­heim über Bevöl­ke­rungs­zu­wachs freu­en: Die Stadt Sar­stedt leg­te um 334 Bür­ger oder 1,8 Pro­zent zu. Alle ande­ren ver­zeich­ne­ten zum Teil mas­si­ve Ver­lus­te. Allen vor­an Bocke­nem mit einer Quo­te von minus 8,7 Pro­zent in nur fünf Jah­ren – sicher vor allem eine Fol­ge der vie­len Kün­di­gun­gen beim größ­ten ört­li­chen Arbeit­ge­ber Mete­or Gum­mi­wer­ke, der sei­ne einst 2000 Mit­ar­bei­ter star­ke Beleg­schaft prak­tisch hal­bier­te. Von der Ein­woh­ner­zahl her wur­de Bocke­nem dadurch von der Gemein­de Gie­sen über­holt. Aber auch Duin­gen (minus 6,7 Pro­zent) und Alfeld (minus 5,7) büß­ten vie­le Ein­woh­ner ein. Alfeld ver­lor damit trotz der jüngs­ten klei­nen Auf­wärts­ent­wick­lung seit der Jahr­tau­send­wen­de sogar 3000 Ein­woh­ner.

 

Das führt dazu, dass sich die nörd­lichs­te und die süd­lichs­te Stadt des Land­krei­ses inzwi­schen ein hei­ßes Ren­nen um den zwei­ten Platz lie­fern. Rech­ne­risch ist es dabei wohl nur noch eine Fra­ge von Mona­ten, bis Sar­stedt Alfeld über­holt hat. 183 Bür­ger tren­nen bei­de Städ­te, vor fünf Jah­ren waren es noch 1600. Und: Sar­stedt pro­fi­tiert wei­ter vom Boom sei­nes Bau­ge­biets Son­nen­kamp, stän­dig kom­men neue Ein­woh­ner hin­zu – und da es meist jun­ge Fami­li­en sind, steigt die Ein­woh­ner­zahl durch vie­le Gebur­ten wei­ter.

 

Den­noch: Auch Alfeld hat zumin­dest tem­po­rär eine Trend­wen­de geschafft, wie­der Ein­woh­ner gewon­nen – wenn auch in nicht so star­kem Maße wie Sar­stedt. Der Grund dürf­te vor allem der Zuzug von Flücht­lin­gen sein: Alfeld gehör­te zu den ers­ten Kom­mu­nen, die vie­le von ihnen auf­nahm – auch, weil genug Wohn­raum vor­han­den war. Eine Rol­le dürf­te aber auch spie­len, dass sich in der Alfel­der Wirt­schaft eini­ges tut, vie­le ört­li­che Fir­men zuletzt Per­so­nal eher auf- als abbau­ten.

 

Der Flücht­lings-Effekt dürf­te sich mit Ver­zö­ge­rung auch in ande­ren Kom­mu­nen vor allem im Süd­kreis bemerk­bar machen – und ihnen mög­li­cher­wei­se ein Ein­woh­ner­plus brin­gen, wenn das Sta­tis­tik-Amt bald die Zah­len zum 31. Dezem­ber ver­öf­fent­licht. Dar­auf deu­ten eige­ne Zah­len der Kom­mu­nen hin. Die­se wei­chen zum Teil von den Wer­ten des Lan­des ab, weil letz­te­res sich am jüngs­ten Zen­sus ori­en­tiert und die Kom­mu­nen an der Fort­schrei­bung ihrer Ein­woh­ner­mel­de­äm­ter. In Gro­nau etwa berich­tet Samt­ge­mein­de­bür­ger­meis­ter Rai­ner Mer­tens von einem Plus von gut 200 Ein­woh­nern gegen­über dem Vor­jahr. Mög­li­cher Aus­lö­ser: Der Land­kreis hat in der alten Real­schu­le in Gro­nau sowie der frü­he­ren Grund­schu­le in Rhe­den Gemein­schafts­un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge ein­ge­rich­tet, für die er noch kei­ne Woh­nung gefun­den hat. Ähn­li­che Ein­rich­tun­gen gibt es in Lam­sprin­ge, Gras­dorf sowie Ummeln (Gemein­de Alger­mis­sen). Wer dort lebt, gilt auch als Ein­woh­ner – anders als die Bewoh­ner der Lan­des-Not­un­ter­künf­te im alten Ede­ka-Lager in Sar­stedt sowie in der Hil­des­hei­mer Macken­sen-Kaser­ne, die dar­auf war­ten, end­gül­tig in eine Stadt oder Gemein­de in Nie­der­sach­sen geschickt zu wer­den.

 

Zumin­dest zeit­wei­lig dürf­ten die­se Unter­künf­te die Ein­woh­ner­zah­len der jewei­li­gen Kom­mu­ne stei­gern. Aller­dings plant der Land­kreis, die Unter­künf­te schnellst­mög­lich wie­der auf­zu­lö­sen und die Men­schen in Woh­nun­gen unter­zu­brin­gen. Dann dürf­ten sich die Flücht­lin­ge noch stär­ker als bis­her im Land­kreis ver­tei­len. Wobei ten­den­zi­ell mehr von ihnen im süd­li­chen Land­kreis lan­den dürf­ten – schlicht­weg weil dort mehr Woh­nun­gen frei sind.

 

Vie­le die­ser Kom­mu­nen hat­ten zunächst froh­lockt: Da Geld­zu­wei­sun­gen des Lan­des sich auch nach der Ein­woh­ner­zahl rich­ten, hoff­ten sie auf zusätz­li­che Ein­nah­men. Doch da die meis­ten Städ­te und Gemein­den in Nie­der­sach­sen inzwi­schen Zuwäch­se ver­bu­chen, dürf­ten die Pro-Kopf-Zuwei­sun­gen eher sin­ken und am Ende ein Null­sum­men­spiel erge­ben. Ande­rer­seits müs­sen Kom­mu­nen wie Gro­nau durch Flücht­lings­kri­se und Baby­boom wie berich­tet neue Kin­der­gar­ten- und Krip­pen­plät­ze ein­rich­ten. Nicht nur, aber auch wegen der Zuwan­de­rung. Pro­fi­tie­ren kann der Staat den­noch: Ste­hen weni­ger Woh­nun­gen leer, müs­sen die Besit­zer mehr Miet­ein­nah­men ver­steu­ern.

 

Unab­hän­gig davon wird anhand der aktu­el­len Zah­len bereits deut­lich, dass die Bevöl­ke­rungs­pro­gno­sen der ver­gan­ge­nen Jah­re – egal wel­cher Insti­tu­ti­on – wohl über­ar­bei­tet wer­den müs­sen.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 02. Juni 2016

Veröffentlicht unter 2016

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