11. März 2019

Wohnungen fehlen: Sarstedter ärgern sich über Airbnb

Viele Menschen bieten ihre Bleibe im Internet für ein paar Nächte an – das schwächt den Wohnungsmarkt und kann auch für die Mieter übel enden

Auf der Kar­te wer­den bei Airb­nb die Woh­nun­gen ange­zeigt – eini­ge Schlaf­mög­lich­kei­ten sind in Sar­stedt zu fin­den. FOTO: REBECCA HÜRTER

Von Rebec­ca Hür­ter

Sar­stedt. Wer ein paar Näch­te in Sar­stedt über­nach­ten möch­te, hat die Qual der Wahl. Neh­me ich die „gemüt­li­che Drei-Zim­mer-Woh­nung“, das „Zwei-Zim­mer-Apart­ment mit zwei Bädern“ oder doch lie­ber die „char­man­te Fach­werk­woh­nung“? Die­se Optio­nen – und vie­le ande­re – wer­den auf der Online- Platt­form Airb­nb ange­bo­ten. Wer hin­ge­gen eine Blei­be sucht, in der er län­ge­re Zeit woh­nen kann, hat deut­lich schlech­te­re Kar­ten. In ver­schie­de­nen Grup­pen auf Face­book erschei­nen fast täg­lich neue Auf­ru­fe von Men­schen, die in Sar­stedt nach einer Woh­nung oder einem Haus suchen – teil­wei­se schon seit län­ge­rer Zeit. Bei Face­book wird auch über die Men­schen geschimpft, die Woh­nun­gen anmie­ten, um sie dann bei Airb­nb zu höhe­ren Prei­sen anzu­bie­ten. Dadurch wer­de die ohne­hin schon sehr ange­spann­te Situa­ti­on auf dem Woh­nungs­markt ver­schärft. Die Prei­se für eine Über­nach­tung über Airb­nb in Sar­stedt schwan­ken zwi­schen 30 Euro für ein Zim­mer in einer Woh­nung mit einem gemein­sam genutz­ten Bade­zim­mer und 521 Euro für ein Haus, in dem acht Gäs­te unter­kom­men.

 

Airb­nb und ande­re Inter­net- Platt­for­men sind auch für Ver­mie­ter in Sar­stedt immer wie­der ein The­ma. Die Mit­ar­bei­ter der Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft Hil­des­heim (kwg) machen ihre Mie­ter zum Bei­spiel in einer Zeit­schrift des Unter­neh­mens auf das Pro­blem auf­merk­sam – und auf die Fol­gen, die eine Unter­ver­mie­tung für sie haben kann.

 

„Die Leute riskieren ihre eigenen vier Wände.“

Matthias Kaufmann, Geschäftsführer der kwg Hildesheim

 

Die Leu­te ris­kie­ren ihre eige­nen vier Wän­de“, sagt Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann. Unter­ver­mie­tun­gen müs­sen ihm zufol­ge vor­ab immer von der kwg geneh­migt wer­den. „Einer Unter­ver­mie­tung für die­sen Zweck wür­den wir nie­mals zustim­men“, sagt Kauf­mann. Wer sei­ne Woh­nung anbie­tet, dem dro­hen eine Abmah­nung und eine frist­lo­se Kün­di­gung.

 

In die­ser Woche hat ein Fall in Salz­burg für Auf­re­gung gesorgt: Ein Mie­ter hat dort sei­ne Sozi­al­woh­nung bei Airb­nb ange­bo­ten und dafür eine Kün­di­gung kas­siert.

 

Die kwg bie­tet in Sar­stedt 1112 Woh­nun­gen an. Kauf­mann bekommt des­halb die Ent­wick­lung des Mark­tes haut­nah mit. „Die Nach­fra­ge ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren sehr viel stär­ker gestie­gen als das Ange­bot“, sagt er. Die kwg will des­halb mehr Wohn­raum zur Ver­fü­gung stel­len. Am Kipp­hut ent­steht ab April laut Kauf­mann das fünf­te hohe Haus für etwa 50 Men­schen, an der Bis­marck­stra­ße will die kwg in zwei­ter Rei­he bau­en.

 

Laut Kauf­mann sind sei­ne Mit­ar­bei­ter regel­mä­ßig auf den Inter­net- Platt­for­men unter­wegs, um nach­zu­schau­en, ob Mie­ter dort ihre Woh­nun­gen unter­ver­mie­ten. „Man kommt aber natür­lich nicht immer dahin­ter“, sagt er.

 

Nach Anga­ben von Vol­ker Spieth, Geschäfts­füh­rer des Mie­ter­ver­eins Hil­des­heim und Umge­bung, lie­gen kei­ne kon­kre­ten Zah­len dazu vor, wie sehr Airb­nb den Woh­nungs­markt in Sar­stedt beein­flusst. „Aller­dings ist zu ver­mu­ten, dass das Pro­blem all­ge­mein aber auch und gera­de wegen der Nähe zur Mes­se zunimmt“, sagt Spieth.

 

Sein Ver­ein hofft auf das in Pla­nung befind­li­che Zweck­ent­frem­dungs­ge­setz des Lan­des Nie­der­sach­sen. Durch das Gesetz könn­ten Men­schen dazu ver­pflich­tet wer­den, eine Umnut­zung ihrer Woh­nung von ihrer Kom­mu­ne geneh­mi­gen zu las­sen, wenn die Stadt eine ent­spre­chen­de Sat­zung erlässt.

 

So eine Sat­zung gibt es bis jetzt noch nicht. Bür­ger­meis­te­rin Hei­ke Bren­ne­cke kann des­halb schlecht beur­tei­len, wie sehr Airb­nb den Woh­nungs­markt beein­flusst. „Ich wür­de mir natür­lich wün­schen, dass die Leu­te Woh­nun­gen für dau­er­haf­te Ver­mie­tun­gen zur Ver­fü­gung stel­len“, sagt Bren­ne­cke.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung (Sar­sted­ter Anzei­ger), 09. März 2019

Veröffentlicht unter 2019