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kwg verbaut 40-Tonnen-Heizzentrale an der Heimgartenstraße

Von Jan LinkersdörferFotos von Lillian Henze
Vorschau des Presseartikels kwg verbaut 40-Tonnen-Heizzentrale an der Heimgartenstraße

Bis 2045 soll der Gebäudebestand der Kreiswohnbaugesellschaft klimaneutral werden. Eine Schlüsselrolle könnten dabei künftig sogenannte Ground Cubes spielen.

Ein sanfter Ruck fährt durch die massive Stahlkette, jedes ihrer Glieder groß wie eine Faust. Ein kurzes metallisches Klirren. Dann zieht der Kran seine rund 40 Tonnen schwere Last langsam nach oben. Die Anspannung bei den Bauarbeitern und Zuschauenden ist jetzt deutlich zu spüren. Denn der Platz am Ende der Heimgartenstraße in Sarstedt ist eng: In Präzisionsarbeit lenkt der Kranführer gemeinsam mit den Kollegen am Boden den Betonblock an einem Wohnhaus vorbei zu einer Baugrube. Von dort aus soll der Ground Cube, eine Art vorgefertigter Heizungskeller, das benachbarte Gebäude künftig mit Wärme versorgen.

Die Hildesheimer Kreiswohnbaugesellschaft (kwg) will ihre Wohnungen in der Region modernisieren und vor allem energieeffizienter gestalten. Bis 2045 soll der gesamte Gebäudebestand klimaneutral sein, so das erklärte Ziel. Der Ground Cube („Erdwürfel“) der Firma Sistems aus Markt Schwaben könnte dabei eine Schlüsselrolle spielen: In dem großen, grauen Quader ist eine komplette Heizzentrale mit strombetriebenen Luft-Wasser-Wärmepumpen verbaut. Er wird nahe eines Wohnhauses in der Erde versenkt und muss dann nur noch an das Heizungssystem angeschlossen werden.

Sechs dieser Ground Cubes hat die kwg geordert. Sie will damit künftig 175 ihrer 1200 Wohnungen in Sarstedt heizen. Kwg-Geschäftsführer Matthias Kaufmann spricht von einem Pilotprojekt, das in der Zukunft auch auf andere Wohnquartiere angewendet werden könnte. Kostenpunkt für die sechs vorgefertigten Heizzentralen inklusive Lieferung und Installation: rund 2,5 Millionen Euro. 30 Prozent davon werden staatlich gefördert.

Kwg-Chef Kaufmann sieht in den Ground Cubes ein wichtiges Puzzleteil auf dem Weg zur Klimaneutralität. Nicht nur für die Region Hildesheim, sondern für Deutschland insgesamt. „Wir müssen die Energiewende industrialisieren. Sonst ist das zeitlich, logistisch und wirtschaftlich nicht zu schaffen“, sagt er. Denn die Heizzentralen werden in den Fabriken zusammengebaut und quasi fertig übergeben. „In anderen Branchen nennt man das eine Plug-and-Play-Lösung.“ Der standardisierte Fertigungsprozess könne Aufwand und Kosten reduzieren, auch und vor allem beim Einbau, erklärt Kaufmann. „Wir müssen nicht mehr in die Wohnungen rein. Der Ground Cube ist ein Vehikel, das uns die Arbeit einfacher macht.“ Allerdings seien die Kosten aktuell noch vergleichsweise hoch, räumt der Geschäftsführer ein. Die kwg hofft auf langfristige Skaleneffekte.

Für die Mietenden wird die Modernisierung ihrer Wohnquartiere aller Voraussicht nach mit einer Mieterhöhung einhergehen, so Kaufmann. „50 Cent pro Quadratmeter dürfen wir für die Umsetzung der energetischen Maßnahmen aufschlagen, das ist staatlich reguliert.“ Langfristig jedoch würden so Energiekosten gespart und die Mietpreise stabilisiert, ist er überzeugt. Denn während die Preise für fossile Brennstoffe wie Öl und Gas stark vom weltpolitischen Geschehen und von Krisen beeinflusst werden, bleibe der Strompreis vergleichsweise konstant. Und: Einen Teil des Stroms, der die Wärmepumpen betreibt, gewinnt die kwg selbst – mit PV-Anlagen auf den Dächern ihrer Gebäude. Ein weiterer Vorteil für die Mietenden: Die Verlagerung der Wärmepumpen unter die Erde führe zu deutlich weniger Schallimmissionen – die Bewohner bleiben von den Geräuschen weitgehend unbehelligt. „Das dürfte die Akzeptanz erhöhen.“

Die kwg hatte in der Vergangenheit bereits nach Möglichkeiten gesucht, ihren Wohnbestand in Sarstedt energetisch zu sanieren – und dabei zunächst Erdwärme (Geothermie) ins Auge gefasst. Ende 2024, nachdem Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorlagen, musste sie sich jedoch von dem Vorhaben verabschieden: Am Standort Sarstedt sei ein Erdwärmeprojekt technisch nicht zu realisieren, hieß es.

Auch das Thema Fernwärme sei für die kwg aktuell wenig interessant, wie Kaufmann erklärt. „Die spielt in Ballungszentren sicherlich eine wichtige Rolle“, sagt er, „unser Wohnungsbestand erstreckt sich allerdings über eine Fläche von etwa 40 mal 40 Kilometer.“ Ziel der kwg sei es deshalb, bei der Energieversorgung „Standardpakete für verschiedene Gebäudetypen“ zu schnüren. Bei einem weiteren Großprojekt der kwg in Sarstedt – dem geplanten neuen Wohnquartier Holztorstraße – werden die Ground Cubes jedoch nicht verbaut, wie Kaufmann auf Nachfrage sagt. „Dort würden sie im Überschwemmungsgebiet liegen.“

Sarstedter Anzeiger
01. Juni 2026
kwg verbaut 40-Tonnen-Heizzentrale an der Heimgartenstraße – Pressearchiv – kwg Kreiswohnbaugesellschaft Hildesheim mbH