Buß­geld droht: ZAH ver­schärft Vor­ge­hen für rei­nen Bioabfall

 

Es gibt Kunst­stoff-Beu­tel, die kom­pos­tier­bar sind – oder doch nicht? Buß­geld-Dro­hun­gen des ZAH schre­cken zur­zeit Ver­brau­cher auf. Der 1. Mai spielt dabei eine beson­de­re Rolle.

Sol­che angeb­lich kom­pos­tier­ba­ren Beu­tel gehö­ren nicht in die grü­nen ZAH-Ton­nen. Foto: Jan Fuhrhop

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Kom­pos­tier­bar, der Auf­druck auf der Ver­pa­ckung ist ein­deu­tig: Die­se Beu­tel sind aus einem abbau­ba­ren Mate­ri­al, auch wenn sie aus­se­hen und sich anfüh­len wie eine her­kömm­li­che dün­ne Plas­tik­tü­te. Also las­sen sie sich wun­der­bar für den hei­mi­schen Bio­müll­ei­mer in der Küche ver­wen­den, des­sen Inhalt in der grü­nen Ton­ne lan­det. So zumin­dest die Schluss­fol­ge­rung zahl­rei­cher Ver­brau­cher, auch in Stadt und Land­kreis Hil­des­heim, die die Beu­tel regel­mä­ßig ver­wen­den. Und die­se Ver­brau­cher wer­den sich ver­mut­lich wun­dern, wenn sie in die­sen Tagen Post vom ZAH im Brief­kas­ten haben.

 

Das Schrei­ben, das der Zweck­ver­band Abfall­wirt­schaft zur­zeit ver­tei­len lässt, hat es in sich: Da wird nicht nur ganz deut­lich gemacht, dass die ver­meint­lich ein­wand­frei kom­pos­tier­ba­ren Beu­tel in den ins­ge­samt 63.000 in Stadt und Kreis vom ZAH abge­hol­ten Bio­ton­nen ver­schie­de­ner Volu­men nicht erlaubt sind, son­dern auch ein mög­li­ches Buß­geld von 2500 Euro ange­kün­digt – für alle, die die Beu­tel auch nach dem 1. Mai noch verwenden.

 

Brief zur „Abschre­ckung und Aufklärung“

Als Beleg dafür, dass der Emp­fän­ger des Briefs tat­säch­lich zu den aus­ge­mach­ten Übel­tä­tern gehört, lie­gen aus­ge­druck­te Beweis­fo­tos bei, die das jewei­li­ge Haus plus Bio­ton­ne samt Inhalt zei­gen. Rund 500 sol­cher Brie­fe hat der ZAH nach Anga­ben des Geschäfts­füh­rer Jens Krü­ger bis­her ver­tei­len las­sen. „Aus unse­rer Sicht ist dies die geeig­ne­te Metho­de, schnell und unbü­ro­kra­tisch auf­zu­klä­ren“, sagt er. Der Hin­weis auf ein mög­li­ches Buß­geld die­ne zunächst noch als „Abschre­ckung“ für Abfall­sün­der, erklärt Krü­ger. Man wer­de sicher nicht sofort nach dem 1. Mai der­art restrik­tiv vor­ge­hen. „Aller­dings muss sich der Bür­ger dar­auf vor­be­rei­ten, dass bei wie­der­hol­ten Ver­feh­lun­gen zunächst die Ton­ne ste­hen gelas­sen wird.“ Wei­te­re Schrit­te wür­den sein: eine kos­ten­pflich­ti­ge Ent­sor­gung des ver­un­rei­nig­ten Bio­ab­falls über den Rest­müll, nach Frei­ga­be der Ton­ne durch den Kun­den – und letzt­lich, „bei wei­te­rer Igno­ranz“, eben auch ein Bußgeld.

 

Grund­la­ge für das ver­schärf­te Vor­ge­hen gegen soge­nann­te Stör­stof­fe in den grü­nen Ton­nen ist eine zum 1. Mai in Kraft tre­ten­de neue Stu­fe der bun­des­wei­ten Bio­ab­fall­ver­ord­nung, durch die Ver­wer­tungs­an­la­gen wie das Hil­des­hei­mer Kom­post­werk mög­lichst frei von Plas­tik und ande­ren nicht öko­lo­gisch abbau­ba­ren Mate­ria­li­en gehal­ten wer­den sol­len. Wer am hie­si­gen Hafen auf dem Gelän­de des Werks einen Blick in die Rot­te­hal­le und die dor­ti­gen Bio­müll­ber­ge wirft, dem fal­len sofort jene Fremd­stof­fe auf, die dort nicht hin­ge­hö­ren – auch die ver­meint­lich kom­pos­tier­ba­ren Beu­tel. „Angeb­lich soll der Zer­fall in gro­ßen indus­tri­el­len Anla­gen funk­tio­nie­ren“, sagt ZAH-Chef Krü­ger. Dort dau­er­ten die Ver­ar­bei­tungs­pro­zes­se aller­dings deut­lich län­ger als im Hil­des­hei­mer Kom­post­werk, wo der Bio­ab­fall für zehn bis zwölf Wochen ver­rot­tet und so zu rei­nem Kom­post wird.

 

Beu­tel müs­sen im Kom­post­werk aus­sor­tiert werden

Im Hil­des­hei­mer Werk, wo im Jahr 2024 rund 23.200 Ton­nen (Gewicht) an Bio­müll ent­sorgt wor­den sind, lag die Gesamt­men­ge bei 36.500 Ton­nen inklu­si­ve des ange­lie­fer­ten Grün­schnitts. Die mit­ent­sorg­ten Beu­tel­res­te und ande­ren Fremd­stof­fe wer­den am ande­ren Ende der Rot­te­hal­le nach Ablauf der Ver­fall­zeit der orga­ni­schen Mate­ria­li­en in einer Maschi­ne durch Geblä­se vom Kom­post getrennt. Metall­res­te, die auch immer wie­der mit ange­lie­fert wer­den, weil Ver­brau­cher Kon­ser­ven­do­sen mit in die Bio­müll­ei­mer wer­fen, wer­den zuvor schon durch einen gro­ßen Magne­ten her­aus­ge­zo­gen. Das gehört zum Stan­dard­pro­ze­de­re; in den ver­gan­ge­nen Jah­ren habe der ZAH die Nut­zung der unlieb­sa­men Bio­fo­li­en­beu­tel nicht stren­ger ver­folgt, berich­tet Zweck­ver­bands-Geschäfts­füh­rer Krü­ger. Die­sen Kurs ver­lässt der ZAH mit Blick auf den 1. Mai nun.

 

Apro­pos Blick: Wie einer der über­rasch­ten 500 Emp­fän­ger der ZAH-Brie­fe berich­tet, hat er sich wegen der Buß­geld-Andro­hung die bis­her von ihm genutz­ten Beu­tel noch ein­mal genau­er ange­schaut. Auf der Folie fand der Hil­des­hei­mer schließ­lich nicht nur den Auf­druck „Bio­lo­gisch abbau­ba­rer Kunst­stoff­beu­tel“ und „als indus­tri­ell kom­pos­tier­bar zer­ti­fi­ziert“, son­dern auch die­sen Zusatz: „Der Sam­mel­beu­tel darf für die getrenn­te Bio­ab­fall­samm­lung (z.B. Bio­ton­ne) ver­wen­det wer­den, wenn dies in Ihrer Kom­mu­ne, Ihrem Zweck­ver­band usw. zuläs­sig ist.“

Bio­ab­fall-Hau­fen im Kom­post­werk am Hil­des­hei­mer Hafen – klar zu erken­nen sind die Fremd­stof­fe, dar­un­ter auch Müllbeutel.Foto: Julia Moras