Inves­tor will altes Her­ren­haus in Gro­nau retten

Bock­sche Hof ist ein beein­dru­cken­der Adels­sitz – der aber zuse­hends ver­fällt / Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft möch­te Kom­plex erhal­ten und neu nutzen

Von Alex­an­der Raths

Verwittert und verfallen ist das Herrenhaus: Dieser Zustand soll sich gewaltig ändern. Foto: Chris Gossmann

Gro­nau. Orte wie die­ser zeu­gen male­risch von der Geschich­te des Hil­des­hei­mer Lan­des. Zwar ist der Bock­sche Hof in Gro­nau in einem stark  beschä­dig­ten Zustand, aber auch noch zu ret­ten. Die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft (kwg) will das Gebäu­de für die Zukunft erhal­ten und hoch­wer­ti­gen Wohn­raum in dem alten Her­ren­haus schaffen.

Ver­wit­tert und ver­fal­len: Der Anblick des Gebäu­des ist trau­rig, doch soll sich dies gewal­tig ändern. Bereits Mit­te Juni hat die kwg nach eige­nen Anga­ben beim Land­kreis Hil­des­heim den Bau­an­trag für den Bock­schen Hof ein­ge­reicht und bemüht sich umfas­send dar­um, die­ses Pro­jekt schnellst­mög­lich begin­nen zu kön­nen. „Zum aktu­el­len Zeit­punkt gehen wir jedoch nicht davon aus, die Bau­ar­bei­ten in Gro­nau vor 2023 auf­zu­neh­men. Das Gebäu­de befin­det sich in einem deso­la­ten Zustand und bedarf umfang­rei­cher Sanie­rung“, erklärt kwg-Spre­che­rin Judith-Maria Rei­chardt auf Nach­fra­ge der HAZ. „Von daher gehen wir wei­ter­hin von Kos­ten in Höhe von vier Mil­lio­nen Euro und gut andert­halb Jah­ren Bau­zeit aus“, fügt sie hinzu.

Bar­rie­re­freie Appar­te­ments geplant

Geplant sind im Bock­schen Hof sechs bar­rie­re­freie Apart­ments zu schaf­fen sowie Auto-Stell­plät­ze auf dem Gelän­de bereit­zu­stel­len. „Bevor die Pla­nun­gen aber Rea­li­tät wer­den kön­nen, ist es erfor­der­lich, das städ­te­bau­li­che Sanie­rungs­ge­biet, in dem der Hof ange­sie­delt ist, ins­ge­samt poli­tisch zu plat­zie­ren und über Ver­fah­ren und Bezu­schus­sung zu ent­schei­den“, erläu­tert Reichardt.

Das Pro­jekt ist für die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft nur rea­li­sier­bar, wenn es mit Stadt­sa­nie­rungs­mit­teln geför­dert wird. „Es fin­den bereits inten­si­ve Gesprä­che mit der Ver­wal­tung statt“, so Rei­chardt wei­ter. „Schön wäre es, das zukünf­ti­ge Wohn­an­ge­bot im belieb­ten Argen­tum-Kon­zept der kwg zu rea­li­sie­ren. Der­zeit ist das jedoch noch nicht ent­schie­den, da das Platz­an­ge­bot der Immo­bi­lie recht begrenzt ist.“

Die Stadt­ver­wal­tung begrüßt die Plä­ne der kwg und will die­se unter­stüt­zen, so Bür­ger­meis­ter Vol­ker Senf­t­le­ben am Freitag.

Bis­her bie­tet die kwg bereits an sechs Stand­or­ten im Land­kreis ein Argen­tum an, wel­ches sich dem Unter­neh­men zufol­ge durch ein hohes Maß an Ser­vice und Sicher­heit für sei­ne Bewoh­ner und Bewoh­ne­rin­nen aus­zeich­net. Dar­über hin­aus wür­den Mög­lich­kei­ten zur All­tags­un­ter­stüt­zung geschaf­fen und der Haus­ge­mein­schaft Begeg­nungs­räu­me mit fes­ten Pro­gramm­punk­ten zur Ver­fü­gung gestellt.

„Stück His­to­rie beleben“

„Die kwg freut sich sehr dar­auf, das Pro­jekt Bock­scher Hof als­bald ange­hen zu dür­fen“, so Unter­neh­mens­spre­che­rin Rei­chardt wei­ter. „Und zwar mit dem Ziel, die­sem wun­der­schö­nen Adels­sitz wie­der zu neu­em Glanz zu ver­hel­fen und für die Stadt Gro­nau ein Stück His­to­rie nicht nur zu erhal­ten, son­dern es viel­mehr wie­der zu beleben.“

Der Bock­sche Hof I war ein Burg­manns­hof der Fami­lie Bock von Wülfin­gen in Gro­nau. Ein Burg­manns­hof wur­de vom jewei­li­gen Burg­herrn oder Lan­des­herrn in Städ­ten mit Fes­tungs­cha­rak­ter auf oder neben grö­ße­ren Bur­gen des Hoch­adels oder könig­li­chen Bur­gen als Wohn­sitz eines Nie­der­ad­li­gen errichtet.

Von dem Hof ist noch das 1706 erbau­te Her­ren­haus vor­han­den, das unter Denk­mal­schutz steht. Das Anwe­sen ist ein lang­ge­streck­ter zwei­ge­schos­si­ger Stein­bau mit Walm­dach, der als Hoch­par­terre über einem Kel­ler­ge­schoss steht. Die Türen und Fens­ter in der elfach­si­gen Fas­sa­de sind mit Sand­stein ein­ge­fasst. Zum Ein­gangs­por­tal führt eine dop­pel­ar­mi­ge Frei­trep­pe. Das Gebäu­de ist mit einer Sei­te an die Stadt­mau­er der Stadt­be­fes­ti­gung Gro­nau ange­baut. Es ist seit lan­gem unbewohnt.

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung | 05.11.2022