02. März 2020

Mit der Draisine ins Museum

Noch ein Roh­bau: Doch im Dezem­ber öff­net hier die „Sali­ne“ mit neu­em Muse­um, Kita und Wohn­grup­pe. FOTO: MICHAEL VOLLMER

Von Micha­el Voll­mer

Bad Salz­detfurth. Neu­ig­kei­ten für die Muse­ums­land­schaft der Regi­on: Am 4. Dezem­ber soll das neue Berg­bau- und Salz­mu­se­um in der Sali­ne in Bad Salz­detfurth nach dem Umbau sei­ne Türen öff­nen.

 

In der Mit­glie­der­ver­samm­lung des Geschichts­ver­eins Bad Salz­detfurth hat nun Kura­tor Mario Mül­ler von der Uni­ver­si­tät Hil­des­heim das Kon­zept für eine neue Attrak­ti­on in der Kur­stadt vor­ge­stellt. In dem ehe­ma­li­gen Indus­trie­ge­bäu­de der Salz­pfänner­gil­de erhält das Muse­um an einem his­to­ri­schen Ort der Salz­ge­win­nung eine neue Hei­mat und vor allem ein neu­es Aus­stel­lungs­kon­zept. Auf 325 Qua­drat­me­tern Innen und 220 Qua­drat­me­tern Frei­flä­che soll es für die Besu­cher Neu­es zu ent­de­cken geben. Und das mit Erleb­nis­cha­rak­ter. Denn geplant ist auch ein mit einer Drai­si­ne von Besu­chern befahr­ba­rer zehn Meter lan­ger Schacht.

 

Hin­zu kom­men ton­nen­schwe­re Gerä­te und mehr als 500 Expo­na­te, die die regio­na­le Geschich­te der Salz­ge­win­nung in der Regi­on beschrei­ben.

 

Die Gäs­te wür­den auf ihrer Rei­se in ver­gan­ge­ne Tage die „bezau­bern­de Schön­heit von Kris­tal­len“, eine beein­dru­cken­de Indus­trie­kul­tur und nicht zuletzt die 800-jäh­ri­ge Geschich­te des Berg­bau- und Kur­or­tes Bad Salz­detfurth erle­ben, kün­digt Mül­ler an. Doch bis zur Eröff­nung gibt es für die Hand­wer­ker noch jede Men­ge zu tun. Neben dem Muse­um zieht noch eine Kin­der­ta­ges­stät­te und Wohn­grup­pen für inten­siv-pfle­ge­be­dürf­ti­ge Pati­en­ten in das his­to­ri­sche Gebäu­de. So wer­de die Sali­ne zu einem Treff­punkt für alte und jun­ge Men­schen. Der Geschäfts­füh­rer der kwg Hil­des­heim, Mat­thi­as Kauf­mann berich­te­te außer­dem über den aktu­el­len Stand der Bau­ar­bei­ten: „Es gab eine klei­ne Ver­zö­ge­rung durch die Denk­mal­pfle­ge. Vier Mona­te haben wir auf die Frei­ga­be der Fens­ter gewar­tet.“ Die Fas­sa­de sei daher noch mit einem Gerüst ver­se­hen. „Es ist aber bereits gut erkenn­bar, dass das Mau­er­werk eine sehr schö­ne Aus­strah­lung hat“, sag­te Kauf­mann. Ver­schie­de­ne Tei­le wei­sen dabei auf den alten Cha­rak­ter hin.

 

Die benach­bar­te Kalt­hal­le, die von den Muse­ums­leu­ten als Lager genutzt wird, ist schon fer­tig­ge­stellt und kann nach der Möblie­rung kurz­fris­tig bezo­gen wer­den.

 

Mül­ler zeig­te einen visu­el­len Rund­gang durch das neue Muse­um. Der Hal­len­cha­rak­ter und die Stüt­zen blei­ben erhal­ten. Im Ein­gangs­be­reich war­tet eine Stem­pel­uhr aus dem Kali­werk auf die Besu­cher, nach dem Stem­peln geht es in die Wasch­kaue, dem klas­si­schen Umklei­de­raum der Berg­leu­te. Danach geht es in die Aus­stel­lung, wo es unter ande­rem ein „Schau­fens­ter“ gibt – ein 50 Meter lan­ger Lauf­steg für meh­re­re hun­dert Expo­na­te wie Gru­ben­lam­pen oder Werk­zeu­ge aus dem Berg­bau. Ein „Labor“ soll Schü­ler oder Fami­li­en zum For­schen Ein­la­den.

 

 

„Kulturschätze der Region sichtbar machen“

Paloma Klages ist für den Museumsbund als Beraterin für die Heimatmuseen der Region zuständig

 

Palo­ma Kla­ges FOTO: NORBERT MIERZOWSKY

Von Nor­bert Mier­zow­sky

Kreis Hil­des­heim. In jeder Stadt oder Gemein­de im Land­kreis Hil­des­heim gibt es min­des­tens ein Hei­mat­mu­se­um, meist ehren­amt­lich geführt. Trotz allen Enga­ge­ments der Betrei­ber bleibt bei vie­len Ein­rich­tun­gen der Besu­cher­an­sturm aus. Das weiß kaum jemand so gut wie Palo­ma Kla­ges aus Nordstem­men, die im Auf­trag des Muse­ums­ver­ban­des Niedersachsen/ Bre­men für die hie­si­gen Hei­mat­mu­se­en als Ansprech­part­ne­rin arbei­tet. Ehren­amt­lich – so wie die meis­ten der Muse­ums­lei­ter auch.

 

Ich ken­ne den Frust vor Ort“, sagt Kla­ges, die zudem noch seit 2014 Kreis­hei­mat­pfle­ge­rin ist und stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Kreis­hei­mat­bun­des. Und sie hat sich viel vor­ge­nom­men, denn sie will dazu bei­tra­gen, dass sich die Sze­ne der hie­si­gen Hei­mat­mu­se­en ändert – mit rund 60 Samm­lun­gen und 30 Hei­mat­stu­ben. Weg vom Image eines Sam­mel­su­ri­ums in voll­ge­stell­ten Aus­stel­lungs­räu­men hin zu Häu­sern oder Samm­lun­gen, die sich ein eige­nes Pro­fil geben.

 

Wie zum Bei­spiel aktu­ell das Salz­pfän­ner­mu­se­um „Sali­ne“ in Bad Salz­detfurth, in das die Stadt Geld inves­tiert, um dem Haus mit Hil­fe der Uni­ver­si­tät Hil­des­heim ein neu­es Kon­zept zu geben. „Das ist genau der rich­ti­ge Weg“, sagt Kla­ges. Doch die Kom­mu­nen haben ande­re Bau­stel­len, für die sie ihr Geld inves­tie­ren müs­sen. Und zum ande­ren ist es schwer, die Betrei­ber von Hei­mat­stu­ben oder -muse­en davon zu über­zeu­gen, mal etwas ande­res zu wagen und nicht jah­re- oder jahr­zehn­te­lang an alten Ideen fest­zu­hal­ten. Was sich loh­nen wür­de, ist sich Kla­ges sicher, die schon fast alle regio­na­len Ein­rich­tun­gen auf­ge­sucht hat. Und dabei auch Schät­ze gefun­den hat. Wie eine umfang­rei­che Schreib­ma­schi­nen­samm­lung aus der gan­zen Welt, die sie in einem der Häu­ser ent­deckt hat­te. „Die ist rich­tig ver­steckt in einer Samm­lung mit vie­len ande­ren Gegen­stän­den, die man auch in ande­ren Muse­en wie­der­fin­det“, sagt Kla­ges. Und will man das noch mal irgend­wo anders wie­der­se­hen?, fragt sie.

 

Über den Muse­ums­ver­band wer­den mitt­ler­wei­le Schu­lun­gen und Bera­tungs­an­ge­bo­te ver­mit­telt, damit sich die Betrei­ber von Samm­lun­gen oder Hei­mat­stu­ben mit ihren aus­ge­stell­ten Expo­na­ten beschäf­ti­gen kön­nen. „Manch­mal ist weni­ger mehr“, sagt Kla­ges. Und man­ches gel­te es ein­fach noch zu ent­de­cken. So wie in Fre­den, einst ein Zen­trum der Her­stel­lung von Glas­pro­duk­ten wie die wohl jedem bekann­ten, klei­nen, brau­nen Arz­nei­fläsch­chen aus Apo­the­ken.

 

Kla­ges ist der­zeit noch mit einer Bestands­auf­nah­me beschäf­tigt, die viel Zeit kos­tet. Auch, weil damit häu­fig vie­le Gesprä­che und Dis­kus­sio­nen mit Betrei­bern ver­bun­den sind. Zum Bei­spiel zu der Fra­ge, ob man sich vor­stel­len kön­ne, ein Expo­nat auch mal an ein ande­res Hei­mat­mu­se­um zu ver­lei­hen. Doch Kla­ges stößt dann immer wie­der auf Mau­ern, erzählt sie.

 

Dabei sei es manch­mal ganz ein­fach, etwas auf die Bei­ne zu stel­len, was das Publi­kum anzieht. So wie ein Wasch­tag im Feri­en­pro­gramm in Bad­de­cken­s­tedt: „Das kam ein­fach gut an.“

 

Bei dem Qua­li­fi­zie­rungs­pro­gramm für die Ehren­amt­li­chen gehe es auch um die Fra­ge, wie man Dritt­mit­tel ein­wer­ben kann. Doch dafür muss man auch bereit sein, für die eige­ne Samm­lung ein Kon­zept zu ent­wi­ckeln. „Jedes die­ser Muse­en hat einen beson­de­ren Schatz, den müss­te man nur ber­gen“, sagt Kla­ges. Dabei wür­den die Betrei­ber nicht allei­ne gelas­sen.

 

Ideen gäbe es für die Regi­on genug: wie die Geschich­te der Käse­rei in Lam­sprin­ge, ein Apo­the­ker­mu­se­um in Alger­mis­sen oder aus­ge­fal­le­ne Ansät­ze, die sie nach der Wen­de in Chem­nitz ken­nen­ge­lernt hat. Dort gibt es ein Tech­nik­mu­se­um, das sich auf Auto­un­fäl­le unter ande­rem von West­au­tos zu DDR-Zei­ten spe­zia­li­siert hat: „Kuri­os, aber voll­stän­dig doku­men­tiert und total span­nend.“

 

Im Hin­blick auf die Bewer­bung von Stadt und Regi­on Hil­des­heim zur Kul­tur­haupt­stadt in Euro­pa wer­de die Zeit aber knapp, aber so oder so: „Es lohnt sich in jedem Fall für die Regi­on, end­lich anzu­fan­gen, die Kul­tur­schät­ze sicht­bar zu machen.“

 

KOMMENTAR

Von Nor­bert Mier­zow­sky

Die Hei­mat wie­der­be­le­ben Sie wer­den oft belä­chelt: Hei­mat­mu­se­en. Kein Wun­der, dass sie weder vor Ort Besu­cher anzie­hen noch es leis­ten kön­nen, so etwas wie tou­ris­tisch anzie­hend zu sein.

Man kennt es doch: hau­fen­wei­se land­wirt­schaft­li­che Werk­zeu­ge, Trach­ten und Küchen­zu­be­hör aus allen mög­li­chen Jahr­zehn­ten in ein oder zwei Räu­men zusam­men­ge­pfercht.

Dabei birgt jeder ein­zel­ne Ort in der Regi­on einen eige­nen Schatz der Kul­tur- und Sozi­al­ge­schich­te. Das ist auch eine gro­ße Chan­ce, zusam­men mit wei­te­ren Ver­an­stal­tun­gen und Ideen den Weg zur Kul­tur­haupt­stadt­be­wer­bung wei­ter aus­zu­bau­en und dabei auch den Men­schen in der Regi­on ihre eige­ne Hei­mat­ge­schich­te wie­der vor Augen zu füh­ren.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 02. März 2020

Veröffentlicht unter 2020

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