11. Januar 2020

kwg-Chef sauer: Grabungen verzögern Argentum-Baustart

Unternehmen rechnet mit Mehrkosten von bis zu 200 000 Euro bei dem Projekt in Holle

Fes­ter Schlamm erschwert die Arbeit der Archäo­lo­gen in Hol­le. Foto: CLEMENS HEIDRICH

Von Andrea Hem­pen

Hol­le. Eigent­lich hät­te der Bau des Argen­tums im Her­zen Hol­les schon begon­nen haben sol­len. Doch der Bau­start ver­zö­gert sich, weil die Archäo­lo­gen so vie­le Sied­lungs­spu­ren im Erd­reich fin­den. Bis Ende Febru­ar, so die Schät­zung von Gra­bungs­lei­ter Robert Brosch, wer­den die archäo­lo­gi­schen Arbei­ten sicher noch dau­ern. Das bedeu­tet für den Bau­herrn, die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft (kwg), erheb­li­che Mehr­kos­ten.

 

kwg-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann ist sau­er. Die Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft schaf­fe mit ihren Pro­jek­ten neu­en, drin­gend benö­tig­ten Wohn­raum. Doch die Arbeit wer­de dem Unter­neh­men mit Vor­ga­ben wie der archäo­lo­gi­schen Unter­su­chung unnö­tig schwer gemacht. „Bei jedem Vor­ha­ben wird ein immenser Auf­wand betrie­ben, von dem ich nicht beur­tei­len kann, wie wich­tig er ist“, sagt Kauf­mann mit Blick auf die Gra­bun­gen. Fakt sei, dass der Auf­wand sehr teu­er ist. So teu­er, dass das Geld für eine zusätz­li­che Wohn­ein­heit rei­chen wür­de. In Hol­le rech­net Pro­jekt­lei­ter Gerald Schä­fer mit Zusatz­kos­ten von 150 000 bis 200 000 Euro.

 

Für die Fach­welt, so Kauf­mann, mögen die Fun­de inter­es­sant sein. Aber irgend­wer müs­se das schließ­lich bezah­len. Hin­zu kom­me, dass die kwg als Eigen­tü­me­rin des Grund­stü­ckes die Fun­de auf­be­wah­ren und der Öffent­lich­keit zugäng­lich machen müss­te. „Ich weiß nicht, ob sich die Lan­des­po­li­tik dar­über im Kla­ren ist, was sie da anrich­tet.“ Denn mit die­sen Auf­la­gen wür­den Bau­pro­jek­te enorm ver­teu­ert und ver­lang­samt. „Das ver­steht doch kein Bür­ger“, wet­tert Kauf­mann. Sei­ner Ansicht nach wäre es eine Lösung, das Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge und Archäo­lo­gie auf­zu­lö­sen und gleich­zei­tig die ört­li­chen Bau­ord­nungs­be­hör­den zu stär­ken.

 

Und so sieht das Grund­stück an der Bert­hold­stra­ße in Hol­le wie eine ein­zi­ge schlam­mi­ge Flä­che mit zahl­rei­chen, recht­eckig aus­ge­ho­be­nen Gru­ben aus. Die Mit­ar­bei­ter eines Crem­lin­ger Archäo­lo­gie- Unter­neh­mens quä­len sich durch den Matsch. An Gum­mi­stie­feln, Schutz­ho­sen und den Rei­fen der Schub­kar­ren pappt die schwe­re nas­se Erde fest – Kno­chen­ar­beit für das Team. Das gräbt auch bei Dau­er­re­gen und beför­dert dabei haupt­säch­lich Erd­ver­fär­bun­gen zu Tage. Die Fach­leu­te ent­deck­ten vor allem Über­res­te aus dem Spät­mit­tel­al­ter. Dabei sei aber wenig Gegen­ständ­li­ches. Brosch zeigt auf die Ver­fär­bun­gen in der Erde. „Dort haben wir zwei Kel­ler­grund­ris­se in Rich­tung Stra­ße gefun­den“, sagt er. Recht­ecki­ge Erd­ver­fär­bun­gen und sogar Mau­er­res­te fan­den sich im Erd­bo­den. Außer­dem ent­deck­ten die Archäo­lo­gen Gru­ben für Abfall, eini­ge, die zur Bau­lehm­ge­win­nung dien­ten, und Brun­nen.

 

Wir haben schon 900 Bil­der im Rech­ner. Hin­zu kom­men noch Zeich­nun­gen“, erklärt Brosch. Am Ende sei­ner Arbeit wird ein umfang­rei­cher Gra­bungs­be­richt ste­hen, mit dem die Fun­de für die Ewig­keit fest­ge­hal­ten wer­den.

 

Die Erd­ver­fär­bun­gen rei­ßen Gerold Schä­fer, Pro­jekt­lei­ter bei der kwg, nicht vom Hocker. Sol­che Fun­de sei­en wenig greif­bar. Jeder Tag, an dem in Hol­le nicht gebaut wer­den kann, kos­tet Geld. Da das kwg-Kon­zept vor­sieht, die bar­rie­re­frei­en Wohn­pro­jek­te in Orts­mit­ten zu bau­en, wer­de man es immer wie­der mit archäo­lo­gi­schen Fun­den zu tun haben. „Sowie wir Erd­reich bewe­gen, müs­sen wir Archäo­lo­gen hin­zu­zie­hen“, erklärt Schä­fer. Da das Argen­tum-Grund­stück in Hol­le nicht gera­de ist, ist dies der Fall.

 

Schä­fer hofft, dass in der kom­men­den Woche Tei­le des Bau­felds für die Bau­ar­bei­ten frei­ge­ge­ben wer­den kön­nen. „Der Erd­bau­er steht schon Gewehr bei Fuß“, sagt er. Die Archäo­lo­gen machen eben­falls Druck. Seit Anfang des Jah­res sind sie mit neun Kräf­ten im Ein­satz.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung, 11. Janu­ar 2020

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