11. Juli 2020

Lego für Erwachsene“: Neues Wohnhaus bekommt letztes Modul

Kreiswohnbau setzt Richtkrone: Systembauunternehmen zieht dreigeschossiges Gebäude in der Friedrich-Ebert-Straße binnen weniger Tage hoch

Ein Schwer­last­kran hievt ein Modul auf den schon ste­hen­den Gebäu­de­kom­plex. Foto: Vik­to­ria Hüb­ner

Von Vik­to­ria Hüb­ner

Sar­stedt. Noch am Mon­tag­mor­gen war auf der Bau­stel­le in der Bis­marck­stra­ße nichts außer einer gro­ßen Beton­plat­te zu sehen. Kei­ne fünf Tage spä­ter erhebt sich dort ein drei­ge­schos­si­ger Gebäu­de­kom­plex. Woh­nungs­bau im Zeit­raf­fer. Im Auf­trag der Kreis­wohn­bau­ge­sell­schaft (kwg) hat das Sys­tem­bau­un­ter­neh­men ALHO aus dem rhein­land-pfäl­zi­schen Frie­sen­ha­gen ein Mehr­fa­mi­li­en­haus in Modul­bau­wei­se hoch­ge­zo­gen. Der 3,35 Mil­lio­nen Euro teu­re Neu­bau ist ein klas­si­sches Pro­jekt inner­städ­ti­scher Nach­ver­dich­tung. Am gest­ri­gen Frei­tag bekam das neue Miets­haus in klei­ner Run­de sei­ne Richt­kro­ne auf­ge­setzt.

 

Der Geruch von hei­ßer Teer­pap­pe liegt in der Luft. Eine krei­schen­de Flex hallt über die Bau­stel­le und auf dem Gerüst sprü­hen die Schweiß­ge­rä­te Fun­ken. Auf dem eins­ti­gen Gra­be­land der frü­he­ren 1950er Jah­ren sind nun Bau­ar­bei­ter dabei, einen Wohn­kom­plex in Modul­bau­wei­se hoch­zu­zie­hen. „Ein Wohn­haus mit 16 Woh­nun­gen in vier Tagen zu bau­en, kann man fast mit Lego für Erwach­se­ne ver­glei­chen“, sagt Kreis­wohn­bau-Geschäfts­füh­rer Mat­thi­as Kauf­mann.

 

Und tat­säch­lich geht es hier ähn­lich zu wie beim Spiel mit den bun­ten Plas­tik­bau­stei­nen. Das Modul – ein Stahl­kon­strukt mit Tro­cken­bau­wän­den – wird per Kran nach oben gehievt und an bestimm­ten Punk­ten mit ande­ren Modu­len ver­schweißt. Eine Woh­nung besteht aus zwei Modu­len, auch das Bade­zim­mer ist schon fer­tig dar­in ent­hal­ten. Was dann noch folgt, sind Däm­mung und Putz­fas­sa­de. Die Modu­le, die nun von Schwer­last­trans­por­tern ange­lie­fert wer­den, lager­ten vor­über­ge­hend an der Hil­des­hei­mer Stra­ße.

 

Vom Grund­riss ist die­ses Gebäu­de dem Argent­um­wohn­bau sehr ähn­lich“, erklärt kwg-Mit­ar­bei­ter Ste­fan Mai. Ab Novem­ber sol­len die ers­ten Mie­ter in die Zwei- bis Drei Zim­mer-Woh­nun­gen – jeweils zwi­schen 68 und 77 Qua­drat­me­ter groß und mit Ter­ras­se oder Bal­kon aus­ge­stat­tet – ein­zie­hen. Der Qua­drat­me­ter­preis liegt bei 9 Euro. Noch sind nicht alle Appar­te­ments ver­mie­tet, „aber wir haben eine sehr lan­ge Inter­es­sen­ten­lis­te“, sagt kwg-Mit­ar­bei­ter Mila­no Wer­ner.

 

Mit dem Neu­bau trägt das kom­mu­na­le Woh­nungs­bau­un­ter­neh­men nicht nur der Nach­fra­ge nach Zwei- und Drei-Zim­mer-Woh­nun­gen Rech­nung, es kommt auch dem Kon­zept der Stadt nach, Lücken in bestehen­den Bau­struk­tu­ren zu schlie­ßen. Denn Sar­stedt ist, was die Aus­wei­tung von Flä­chen angeht, begrenzt. Ein Aspekt, den kwg-Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der Klaus Bru­er, her­vor­hebt. Sein vor fünf Jah­ren noch als Rats­herr ein­ge­brach­ter Antrag zur Innen­stadt­ver­dich­tung sei bis heu­te „sehr erfolg­reich umge­setzt“. Etwa am Kipp­hut, wo die Kreis­wohn­bau erst vor zwei Wochen dem fünf­ten hohen Haus die Richt­kro­ne auf­set­zen konn­te.

 

Ein Ter­min, auf den auch Bür­ger­meis­te­rin Hei­ke Bren­ne­cke ein­ging. Nur, dass dort in die Höhe, hier mehr in die Brei­te gebaut wer­de: etwa zwölf mal 40 Meter. Das Gebäu­de ist aus dem Wett­be­werb „Seri­el­les Bau­en“ des GdW Bun­des­ver­bands deut­scher Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­un­ter­neh­men als größ­ter deut­scher Bran­chen­dach­ver­band ent­stan­den.

 

Kauf­mann brach indes eine Lan­ze für die Modul­bau­wei­se. Kos­ten, Ter­mi­ne, Qua­li­tät. „Völ­lig unsi­cher“ beim kon­ven­tio­nel­len Bau, meint Kauf­mann. Selbst gro­ßer Anhän­ger der indus­tri­el­len Vor­fer­ti­gung hob der Archi­tekt die wet­ter­un­ab­hän­gi­ge Pro­duk­ti­on im Werk her­vor, und einem damit gleich blei­bend hohen Qua­li­täts­stan­dard. Zudem sei­en die Kos­ten fix, es gebe kei­ne end­lo­se Flut an Nach­trä­gen, die den Preis in die Höhe trei­ben. Und die extrem zeit­spa­ren­de Modul­bau­wei­se mache die Rea­li­sie­rung eines Neu­baus im vor­ge­ge­be­nen zeit­li­chen Rah­men erst mög­lich.

 

Bau­en gene­rell sei über­dies weder ein­fa­cher noch bil­li­ger gewor­den, so Kauf­mann. Gesetz­li­che Rege­lun­gen in Punk­to Ener­gie, Schall­schutz, Archäo­lo­gie, aber auch das Pla­nungs­recht setz­ten Woh­nungs­un­ter­neh­men höhe­re Hür­den. „Berech­tigt“, schiebt Kauf­mann hin­ter­her, „aber das macht es eben schwie­ri­ger und teu­rer.“ Ent­spre­chend schaut sich die Bran­che um, wie sie gewinn­brin­gend bezahl­ba­ren Wohn­raum umset­zen kann.

 

Das seri­el­le Bau­en ist daher auch beim Ver­band der Woh­nungs- und Immo­bi­li­en­wirt­schaft (vdw) in Nie­der­sach­sen und Bre­men ein Rie­sen­the­ma im Bereich des bezahl­ba­ren Woh­nens. Für die Dach­or­ga­ni­sa­ti­on der unter­neh­me­ri­schen Woh­nungs­wirt­schaft in bei­den Bun­des­län­dern, die wie­der­um der GdW ange­hört, ist der Modul­bau am Stand­ort Sar­stedt ein Pilot­pro­jekt, erklärt Ver­bands­di­rek­to­rin Susan­ne Schmitt. Gera­de auch vor dem Hin­ter­grund der bis­lang immer nur stei­gen­den Bau­kos­ten. Ver­gan­ge­nes Jahr davon­ga­lop­piert, stel­le sich nun die Fra­ge: Wo geht die Rei­se nach Coro­na hin? Hoch, run­ter, auf dem hohen Level ver­har­rend? Neben den gut zu kal­ku­lie­ren­den Kos­ten über­zeugt Schmitt auch die Ter­min­treue. „Jeder Monat kos­tet Geld“, sagt sie.

 

Kauf­mann bedank­te sich anschlie­ßend unter ande­rem bei den Anwoh­nern, die eine „hef­ti­ge Woche“ über sich erge­hen las­sen muss­ten. Doch das Schlimms­te sei nun über­stan­den.

 

Quel­le: Hil­des­hei­mer All­ge­mei­ne Zei­tung (Sar­sted­ter Anzei­ger), 11. Juli 2020.

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